ABA Fachverband
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

Der Verband für
handlungsorientierte Pädagogik 

 
 
 
 
     
       

Politik für Kinder und mit Kindern

Der Auftrag des Kinder- und Jugendhilfegesetzes beinhaltet unter anderem, "positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten und zu schaffen" (§ 1, Absatz 3 KJHG). Deshalb ist auch ein politisches Engagement für die Belange von Kindern gefragt. Kinder dürfen sich nicht an politischen Wahlen beteiligen und sie haben in einer insgesamt kinder"ärmeren" Gesellschaft keine große Lobby. Schon immer versuchten PädagogInnen, die mit Kindern arbeiteten, deren wohlverstandene Interessen gegenüber Verwaltung und Politik zu vertreten. Die öffentlichen und freien Träger der Jugendhilfe, Initiativen und Verbände verstehen sich per se als AnwältInnen für Kinderinteressen. Ihr politisches "Instrument" ist der Jugendhilfeausschuß. Es scheint jedoch, als würden die zuständigen Stellen ihrer Aufgabe nicht ausreichend gerecht (Greese 1989, 130; Berthelmann, Orians 1992).

Denn Politik ist für Kinder etwas anderes als für viele Erwachsene. Erwachsene wissen meist, daß politische Prozesse lange dauern, und daß strukturelle und finanzielle Bedingungen und auch Interessengegensätze die Realisierung so mancher guten Idee beeinträchtigen können. Kinder trennen nicht so sehr zwischen ihren Ideen, ihren Gefühlen und ihren Handlungen und sie haben eine andere Zeitperspektive (Baacke 1992, 83 ff.; Charalambous 1991, 109). Wenn also Erwachsene die Interessen von Kindern mit ihnen zusammen oder auch ohne sie vertreten, müssen sie darauf achten, daß die Spontanität und Lebendigkeit der Prozesse nicht verloren geht. Sie müssen Methoden finden, die Gedanken, Bedürfnisse und Wünsche der Kinder so in einen politischen Entscheidungsprozeß zu integrieren, daß sie für diese erkennbar bleiben und nicht verlorengehen. Daher fordern immer mehr Eltern, LehrerInnen, MitarbeiterInnen der Offenen Arbeit mit Kindern und auch Kinder selbst besondere Instanzen für die Vertretung ihrer Interessen.

Gestützt werden solche Bemühungen durch die Kinderrechtskonvention der UNO, die seit dem 5.4.1992 auch für die Bundesrepublik Deutschland in Kraft gesetzt wurde und auf diese Weise zum ersten Mal in der deutschen Rechtsgeschichte eigene Rechte für Kinder postuliert. Dabei hat diese Konvention eine lange Geschichte, denn schon 1959 entstand eine erste Deklaration (Geneva Declaration) der Vereinten Nationen mit 10 Artikeln zu den Rechten der Kinder. Nach jahrelanger Überarbeitung wandelte sich diese Deklaration (Erklärung) zu einer Konvention (Übereinkommen), die nunmehr aus 54 Artikeln besteht und allen Menschen unter 18 Jahren Schutz gewähren soll. Im wesentlichen beinhaltet das Übereinkommen die Grundrechte der Kinder auf Leben und Entwicklung, Namen und Nationalität, elterliche Sorge, eine Gesetzgebung zum Wohl der Kinder, freie Meinungsäußerung, Religionsfreiheit, eine höchstmögliche Gesundheitsversorgung, Bildung, ein würdevolles Leben von geistig oder körperlich behinderten Kindern sowie das Recht auf Schutz vor Ausbeutung jeglicher Art, hier besonders sexueller Ausbeutung (Eichholz, 1991).

Ein Übereinkommen wird im Gegensatz zu einer Erklärung verbindliches Völkerrecht für Staaten, die die Konvention unterzeichnet haben. Alle Staaten, die die UNO-Kinderkonvention vollständig oder mit Einschränkungen ratifizieren, verpflichten sich somit, den von ihnen anerkannten Inhalt der Konvention umzusetzen. Auch in der Bundesrepublik Deutschland müssen darum alle Gesetze auf ihre Vereinbarkeit mit dem Übereinkommen überprüft und gegebenenfalls geändert werden. Die tatsächliche Umsetzung der in der Kinderkonvention festgelegten Rechte ist aber bisher nicht erfolgt. Immerhin hat der deutsche Bundestag eine Kinderkommission eingesetzt, die unter anderem dafür sorgen soll, daß die UNO-Konvention umgesetzt wird. Die derzeit vier Kommissionsmitglieder, die auch als Kinderbeauftragte ihrer jeweiligen Fraktion fungieren, können jedoch wegen der Fülle ihrer Aufgaben nur Schwerpunkte herausgreifen, etwa Verkehrsicherheit oder Gewalt gegen Kinder (von der Horst 1989, 88 ff.).

Es gibt auch eine Reihe von Organisationen, die sich um eine weltweite Vertretung von Kinderinteressen bemühen (etwa UNICEF oder terres des hommes). Sie konzentrieren sich auf die elementaren Rechte der Kinder auf Leben, Nahrung und Bildung, die in vielen Ländern der Erde nicht verwirklicht sind. Eine Vorstellung dieser Organisationen würde im Rahmen diese Buches aber zu weit führen. Weil wir fürchten, keine vollständige Bestandsaufnahme zu erreichen, verzichten wir auch auf die Darstellung der Kindervertretungen auf Bundes- und Landesebene (wichtige Adressen befinden sich im Anhang dieses Buches) und konzentrieren uns in den folgenden Ausführungen auf die kommunale Ebene, die ohnehin für eine Partizipation von Kindern an politischen Entscheidungsprozessen die wesentliche ist.

In vielen Städten und Gemeinden setzen sich Menschen für die Belange von Kindern ein und experimentieren kräftig mit Modellen der politischen Arbeit mit Kindern. Die kommunalen Jugendämter selbst oder freie Träger eröffnen Kinderbüros, ernennen Kinderbeauftragte oder KinderanwältInnen, regen Kinderparlamente oder Kinderforen an. Es gibt inzwischen eine unüberschaubare Flut von diesbezüglichen Erfahrungsberichten. Wir skizzieren hier in der gebotenen Kürze einige "Typen" der Politik für Kinder (a) und der Politik mit Kindern (b) in einer Kommune oder einem Landkreis und verweisen auf brauchbare Literatur. Keine Form der Kinderpolitik kann als Königsweg gelten, sondern die konkrete Organisation sollte sich an den lokalpolitischen Gegebenheiten und den unterschiedlichen Organisationsstrukturen ausrichten (Schmidt 1991).


a) Politik für Kinder

● Die klassische kommunale Instanz der Politik für Kinder ist der Jugendhilfeausschuß. Er besteht zu drei Fünfteln aus Mitgliedern der öffentlichen Jugendhilfe (PolitikerInnen der verschiedenen Fraktionen) und zu zwei Fünfteln aus VertreterInnen der anerkannten freien Träger der Jugendhilfe (§ 71, Abs. 1 KJHG). Der Jugendhilfeausschuß soll sich mit "allen Angelegenheiten der Jugendhilfe" befassen, bsonders mit der Erörterung aktueller Problemlagen junger Menschen und ihrer Familien sowie mit Anregungen und Vorschlägen für die Weiterentwicklung der Jugendhilfe, der Jugendhilfeplanung und der Förderung der freien Jugendhilfe (§ 71, Abs. 2 KJHG) (zur Arbeit des Jugendhilfeausschusses vergleiche die ausführlichen Darstellungen in Münder u.a. 1993, 475 ff.).

Die Wirksamkeit der Jugendhilfeausschüsse zur Sicherung der Belange von Kindern ist umstritten. Wegen der Vielzahl der Aufgaben fungieren sie überwiegend als Instanz der Mittelverteilung. Die "politischen" Mitglieder stimmen ihr Handeln schon im im Vorfeld von Entscheidungen mit ihren Fraktionen ab. Es ist keine Seltenheit, daß auf einer Jugendhilfeausschuß-Sitzung aufgrund von sogenannten Tischvorlagen eine Abstimmung der anderen folgt, ohne daß überhaupt Aussprachen über das, was abgestimmt werden soll, erfolgen. Das bedeutet, daß die Mitglieder der Auschüsse sich (neben der politischen Leitlinie ihrer Fraktion) oft nur auf die Informationen verlassen, die ihnen die Verwaltung des Jugendamtes vorlegt. Da die meisten von ihnen ihre Ausschußarbeit ehrenamtlich leisten, haben sie auch kaum Zeit, sich umfassend über jeden einzelnen Tagesordnungspunkt zu informieren.

● Immer mehr Städte und Gemeinden setzen kommunale Kinderbeauftragte ein. Diese beraten die/den BürgermeisterIn und alle, die mit Kinderbelangen zu tun haben. Sie wecken in derVerwaltung Verständnis für Kinderinteressen (indem sie zum Beispiel Kinderfreundlichkeitsprüfungen etablieren), setzen sich für die Erschließung und Erhaltung von Räumen für Kinder in der Stadt ein (indem sie die Gestaltung von Spielplätzen beeinflussen oder unbebaute Flächen für Kinder sichern), bieten Beratung für Kinder an (etwa über ein kommunales Sorgentelefon oder Kindersprechstunden), leisten Öffentlichkeitsarbeit (durch Kinderjahresberichte oder kommunale Kinderberichte) (Engelstädter 1991, 278 ff.). Sie arbeiten alleine oder mit einem kleinen MitarbeiterInnenstab; manchmal wird für sie ein Kinderbüro eingerichtet. Meist beschäftigen sie sich haupt- oder doch nebenamtlich mit ihrer Aufgabe, seltener (etwa in ganz kleinen Gemeinden) ist ein ehrenamtlicher Einsatz. Die Arbeitsstelle der/des kommunalen Kinderbeauftragten sollte möglichst "aus der Linie" genommen sein und als Stabsstelle dem Jugenddezernat oder der Amtsleitung zugeordnet sein. Eine solche Zuordnung sichert ihnen einen besseren Zugang zu anderen Ämtern und zu entscheidenden Gremien.

Kritisch anzumerken ist, daß die Einrichtung kommunaler Kinderbeauftragter in vielen Städten mit einem politischen Machtgerangel einhergeht, wobei Kinderinteressen auf der Strecke bleiben können (Thole 1991). Es kann auch passieren, daß Kinderbeauftragte durch ihren Status in der Verwaltung oder die Zugehörigkeit zu einer politischen Partei in ihrer Amtsausübung stark behindert werden (Greese 1989, 130 ff.). Ebenso können die beauftragten Personen ihre Position vornehmlich zur persönlichen Karriereplanung oder zur politischen Profilierung benutzen (Schmidt 1991; Meyer 1992).

● Ein weiteres Instrument zur Durchsetzung von Kinderinteressen ist die Kinderfreundlichkeitsprüfung. Ihr Vorbild ist die schon bekanntere Umweltverträglichkeitsprüfung. Diese ist ein ist ein freiwilliges Prüfungsverfahren, mit dem kommunale Planungsvorhaben auf ihre sozial-ökologische Verträglichkeit untersucht werden. Analog dazu war zunächst auch der unsägliche und falsche Begriff der "Kinderverträglichkeitsprüfung" in der Diskussion. Das Verfahren selbst soll sichern, daß bei Neuplanungen verschiedenster Art (von der Errichtung einer Wohnsiedlung über die Verkehrsplanung bis hin zur Spielplatzplanung) Kinderbelange berücksichtigt werden (Wittmoser 1992, 235; Hoffjann 1992, 236 ff.). Kinderfreundlichkeitsprüfungen sollen von dem Fachamt einer Stadt- oder Kreisverwaltung durchgeführt werden, das bei der Planung federführend ist, etwa dem Grünflächenamt bei Spielplatzänderungen (zur Rolle von Verwaltungen im Zusammenhang mit der Kinderfreundlichkeitsprüfung vergleiche Wiebusch 1992; Koschany 1992; Markowitz 1992). Dieses Fachamt erarbeitet dann - möglichst zusammen mit der/dem Kinderbeauftragten eine Checkliste zur Prüfung der Kinderfreundlichkeit des jeweiligen Vorhabens (vergleiche etwa die Vorschläge in: MAGS NRW 1993). Flankierend scheint es sinnvoll, wenn die Planungsziele für die Sicherung der Belange von Kindern in den Städten und Gemeinden sehr konkret und anschaulich beschrieben sind. Auf diese Weise kann man auch PlanerInnen aus jugendamtsfernen Bereichen Eindrücke davon vermitteln, was das Prädikat "kinderfreundlich" beinhalten soll (von der Horst 1989).

Die Kinderfreundlichkeitsprüfung wurde zunächst als "Meilenstein" der Kinderpolitik gefeiert (vergleiche Heft 6, 1993 der Zeitschrift Spielraum und Freizeitwert); inzwischen verklingen die Plädoyers für dieses Instrument. Es soll Kommunen geben, die sich mit dem Aushängeschild "kinderfreundliche Stadt" schmücken, nur weil sie eine einzige Kinderfreundlichkeitsprüfung durchgeführt haben. Wer daran festhält, sollte dafür sorgen, daß das Adjektiv "kinderfreundliche Stadt" auch mit Taten dokumentiert wird und sich nicht auf ein Verwaltungsverfahren reduziert. Das Ziel der Kinderfreundlichkeit muß als sogenannte Querschnittsaufgabe etabliert werden, die in allen Bereichen regelmäßig abgeprüft wird (vergleiche Kapitel 16). Hinzu kommt, daß die Prüfung meist nur das abprüft, was Erwachsene für kinderfreundlich halten (Deimel 1993, 11). Darum müssen Kinder an der Beurteilung dessen, was kinderfreundlich ist, teilhaben und über entsprechende Gestaltungsmöglichkeiten verfügen.


b) Politik mit Kindern

● In Kinderparlamenten oder Kinderforen treffen sich Kinder zu einer Art Beschwerde-Runde, in der Vorschläge zur Verbesserung ihrer Lebenswelt gesammelt werden. Sie treffen sich je nach Konzeption in regelmäßigen Zeitabständen oder nach Bedarf. In einigen Städten sind BürgermeisterInnen oder Stadträte bei diesen Versammlungen anwesend, in anderen halten Erwachsene (Eltern, LehrerInnen, Fachkräfte) die Ergebnisse der Kinderrunde fest und leiten sie an die zuständigen Stellen und Personen weiter. Mancherorts werden Kinderparlamente in einem formalen Wahlverfahren gewählt (zum Beispiel in Schulklassen), andernorts sind die Kinderforen oder die Fragestunden bei PolitikerInnen für jedes interessierte Kind offen (Wiebusch 1993). Einige wenige Kommunen stellen ihren Kinderparlamenten (nach fanzösischem Vorbild) auch einen eigenen Etat zu Verfügung (Schmidt; Wiebusch, 1990, 35 ff.).

Hierzu müssen wir einschränkend bemerken, daß die Einrichtung von Kinderparlamenten und das parlamentarische Prozedere zu oft nach dem Muster der Erwachsenenpolitik gestaltet werden. Komplizierte Wahlverfahren, die die Teilnahme einer repräsentativen Auswahl der Mitglieder sichern sollen, schrecken Kinder ab. Langwierige Diskussionen in den Parlamenten und vor allem auch die langwierigen Umsetzungsprozesse, die den gefaßten Beschlüssen folgen, sind nicht die Sache vieler Kinder. Notwendigerweise sind es denn auch immer wieder Erwachsene, die Wahlen organisieren, Veranstaltungen einberufen - und den Kindern allzuoft auch mitteilen müssen, daß das, was sie gerade besprechen und beschließen, an finanziellen oder kommunalpolitischen Grenzen scheitert. Häufig werden Beschlüsse der Kinderparlamente von den PolitikerInnen gar nicht ernst genommen. So kann es leicht geschehen, daß das Vorhaben, Kinder für Kommunalpolitik zu interessieren, die gegenteilige Wirkung hat und sie sich resigniert abwenden.

● Relativ neu ist das Kinderradio als politische Interessenvertretung. Seitdem der private Lokalfunk existiert, können die BürgerInnen ein Programm mitgestalten und ausführlicher über aktuelle Ereignisse informiert werden, die ihren Sozialraum betreffen. Einige Initiativen beziehen Kinder in die Radioarbeit ein, zunächst etwa im Rahmen von Ferienspielen oder Einzelprojekten, später auch bei der Produktion regelmäßig wiederkehrender Sendungen. Die Kinder berichten über ihre direkte Umgebung, über Spielplätze, die Mängel aufweisen, über Straßen, auf denen die Autos zu schnell fahren und ähnliches. Die Kinder bestimmen die Inhalte der Sendungen weitgehend selbst und produzieren die Beiträge mithilfe von Erwachsenen, die ihre technischen, journalistischen und pädagogischen Fähigkeiten einbringen. Denkbar sind Kindernachrichtensendungen, selbstgestaltete Hörspiele und Kinderradiomagazine. Letztere eigenen sich besonders gut für die Arbeit mit Kindern (Kähler 1992). Sie können frei reden und müssen ihre Texte nicht ablesen wie bei einer Nachrichtensendung. Für ein solches Magazin können sie beispielsweise einen Spielplatz untersuchen, eine Meinungsumfrage bei Eltern und Kindern durchführen, Mängellisten anfertigen oder den/die BürgermeisterIn interviewen.

Auch der Wert des Kinderradios wird kontrovers eingeschätzt. Homann und Palme (1991) meinen, das Radio habe für Kinder und Jugendliche insgesamt an Bedeutung verloren, daher sei es auch kein geeignetes Medium für politische Arbeit. Andere Autoren wie Lindner (1991), Kähler (1992), Guder, Sievers (1991) bezeichnen die Nutzung des Lokalfunks als einen pädagogischen Gewinn.


Folgerungen für die pädagogische Praxis

Alle hier vorgestellen Formen der Politik für und mit Kindern werden gelobt und kritisiert. Besondere Instanzen verleiten dazu, den Auftrag des KJHG zur positiven Gestaltung der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen einer bestimmten Person oder einer Gruppe zu übertragen und sich zufrieden zurückzulehnen. Daher spricht einiges dafür, daß freie Träger die Vertretung von Kinderinteressen wahrnehmen. Auf diese Weise könnten sie die Jugendämter ständig ermahnen und diese auch kontrollieren (Merchel 1990, 130).

Es entspricht dem politischen Trend, für die Belange jeder Zielgruppe eine/n besondere/n Beauftragte/n zu etablieren (Frauenbeauftragte, Behindertenbeauftragte, Kinderbeauftragte). Die Fachkräfte in den Einrichtungen sollten aber darauf dringen, daß die derart Beauftragten sich nicht als einsame LobbyistInnen verstehen (und profilieren), sondern ihre Funktion darin sehen, eine sinnvolle Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten herbeizuführen und die "Kinderfreundlichkeit" als Querschnittsaufgabe einer Kommunalverwaltung zu etablieren, (vergleiche dazu auch die ablehnende Stellungnahme zum Einsatz eines kommunalen Kinderbeauftragten, Stadt Nürnberg 1994).

Die Grundidee der Beteiligung von Kindern an kommunalen Entscheidungsprozessen sollte unserer Meinung nach unter Berücksichtigung der oben skizzierten, negativen Erfahrungen weiter verfolgt werden. Sie wird auch durch den § 8 KJHG gestützt. Die Form der Beteiligung sollte aber genau bedacht werden. Es kann nicht darum gehen, die parlamentarischen Formen der Erwachsenen nachzubilden, sondern man muß den spontanen Bedürfnisse und der anderen Zeitperspektive der Kinder Rechnung tragen. Daher sind wahrscheinlich Beteiligungsformen an Planungsprozessen, wie sie im Kapitel 16 empfohlen werden, angemessener.


Weiterführende Literatur

Literatur zur Kinderrechtskonvention der UNO:

● Eichholz, Reinald: Die Rechte des Kindes. Recklinghausen 1992 (enthält eine kindergerechte Übersetzung der UNO-Kinderkonvention). Bezug ist über das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, Mannesmannufer 1 a, 40190 Düsseldorf

● Gernert, Wolfgang: Über die Rechte des Kindes. Impulse für die Jugendhilfe zum Schutz des Kindes durch Familie, Gesellschaft und Staat. Stuttgart 1992


Aufsatzsammlungen zum Thema "Politik mit Kindern und für Kinder" finden sich in:

● Pass-Weingartz, Doro; Sundermann Jutta (Hrsg.): Manchmal wissen wir mehr als der Senator. Kinderparlamente in Deutschland. Bonn 1992. Bezug: Kid-Verlag Samannsstr. 4, 53227 Bonn

● Deutsches Kinderhilfswerk (Hrsg.): Dokumenation des Expertenforums zur Kinderfreundlichkeitsprüfung (1992) Sonderdruck des DKHW, Zum Hechtgraben 1, 13051 Berlin.

● Landesvereinigung Kulturelle Jugendarbeit Nordrhein-Westfalen e.V. (LKJ) in Zusammenarbeit mit ABA Fachverband für die Offenen Arbeit mit Kindern e.V. (Hrsg.): Neue Organisationsformen der Interessensvertretung von Kindern. Dokumentation einer Fachtagung. 1993. Bezug über: Geschäftsstelle der LKJ, Essener Str. 53, 45529 Hattingen

● Stiftung Mitarbeit (Hrsg.): Kinderpolitik - Kinderbeteiligung, Konzepte, Modelle, Materialien. Beiträge zur Demokratieentwicklung von unten, Band 3, Bonn 1993

● Blanke, Hedwig von; Hovenga, Brigitte; Wawrziczny, Silvia (Hrsg.): Handbuch kommunale Kinderpolitik. Münster 1993

● Arbeitskreis Kinderforen (Hrsg.): Dokumentation der Bundesweiten Fachtagung "Kommunale Politik und Partizipation von Kindern - Für eine (Kinder-)Kultur der Einmischung. München 1994. Bezug über: Kultur und Spielraum e.V., Müllerstr. 42, 80469 München

● Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Kinderfreundlichkeit - Das Prüfverfahren! 1994. Bezug: Presse- und Informationsamt der Landesregierung Nordrhein-Westfalen. Mannesmannufer 1 a, 40190 Düsseldorf

Eine Studie zu Arbeitsweisen, Arbeitsbedingungen und der Wirksamkeit von Kinderbeauftragten verfaßten:

● Arnold, Thomas; Wüstendörfer, Werner; Ohm, Georg Simon: Auf der Seite der Kinder - Kinderbeauftragte in Deutschland. Frankfurt 1994. Bezug über Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS), Am Stockborn 5 - 7, 60439 Frankfurt am Main


Zeitschriften, in denen fortlaufend aktuelle Modelle und Erfahrungen mit der Kinderpolitik vorgestellt und diskutiert werden, sind:

● "Kid" Kinderinformationsdienst (hierüber gibt es auch eine umfangreiche Literaturliste zum Thema Kinderpolitik)

● "Spielraum und Freizeitwert"

Eine Literaturliste zu Veröffentlichungen des Deutsches Kinderhilfswerkes e.V. zum Thema erhält man bei:

● Deutsches Kinderhilfswerk e.V., Rungestr. 20, 10179 Berlin

 

Hiltrud von Spiegel: Offene Arbeit mit Kindern - (k)ein Kinderspiel

 

 

ABA Fachverband Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.| Clarenberg 24 | D-44263 Dortmund | e-mail: ABA@ABA-Fachverband.org