ABA Fachverband
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

Der Verband für
handlungsorientierte Pädagogik 

 
 
 
 
     
       

Haupt- und ehrenamtliche MitarbeiterInnen

Das Arbeitsfeld der Offenen Arbeit mit Kindern ist noch recht wenig professionalisiert. Erst in den siebziger Jahren, als PädagogInnen die Jugendarbeit als gesellschaftspolitisches Experimentierfeld in den Blick nahmen, entstanden auch Konzepte der Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die als Gegenentwürfe zu den traditionellen Sozialisationsinstanzen gedacht waren. Parallel dazu entstanden die Ausbildungsgänge an Fachhochschulen und Universitäten, aus denen heraus sich ein sogenannter Professionalisierungsschub entwickelte. Ein Ergebnis der Professionalisierung sind fachlich begründete Konzepte der Offenen Arbeit mit Kindern (vergleiche Kapitel 13). In diesem Kapitel wollen wir uns den Interessen und Bedürfnissen der Haupt- und Ehrenamtlichen widmen, die nicht identisch mit fachlichen Erfordernissen sind. Es sind bei den Hauptamtlichen diejenigen, die sich aus dem Umstand ergeben, daß sie ihre Arbeit gegen Lohn leisten. Noch schwieriger wird die Arbeitssituation, wenn sie von vornherein befristet ist. Daher untersuchen wir zunächst das Für und Wider von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM). Es folgen einige Anmerkungen zu widersprüchlichen Interessen und Bedürfnissen, die aus dem Wunsch nach einer sinnvollen Arbeit, die sich von (entfremdeter) Lohnarbeit abhebt und dem gleichzeitige Handeln unter Lohnarbeitsbedingungen entstehen können (a). Im zweiten Teil dieses Kapitels beschäftigen wir uns mit Interessen und Bedürfnissen von ehrenamtlichen
MitarbeiterInnen sowie Überlegungen, wie die Hauptamtlichen diese integrieren können (b).


a) Hauptamtliches Personal

Offene Arbeit mit Kindern wird von MitarbeiterInnen aus sehr verschiedenen Berufsgruppen geleistet. In der Regel arbeiten in einer Einrichtung ein bis zwei hauptamtliche PädagogInnen und/oder zeitweilig Fachkräfte in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM). Spielmobile werden manchmal ausschließlich auf ABM-Basis betrieben. PraktikantInnen, die eine sozialpädagogische Ausbildung absolvieren, Zivildienstleistende, Honorarkäfte und nicht zuletzt ehrenamtlich tätige Jugendliche und Erwachsene vervollständigen das Team, dem manchmal bis zu zwanzig Personen angehören. Die Aufzählung läßt schon die hohe Fluktuation der BetreuerInnen ahnen; meist sind etwa drei bis vier Personen gleichzeitig anwesend. Anfang der achtziger Jahre ergab eine Umfrage unter MitarbeiterInnen von Aktivspielplätzen, daß fast alle über eine unzureichende Personalausstattung klagten. Als ideal wurden drei professionelle MitarbeiterInnen insgesamt und möglichst ein/e BetreuerIn auf zehn Kinder angesehen (Fromme u.a. 1984, 215). Zehn Jahre später hat sich die Personalsituation durch die Sparwellen noch wesentlich verschlechtert. Wir nehmen an, daß zur Zeit kaum eine Einrichtung mehr als eine hauptamtliche Fachkraft für die Offene Arbeit mit Kindern beschäftigt.

Im der gesamten Sozialen Arbeit steht seit Ende der siebziger Jahre einer relativ geringen Anzahl offener Stellen eine steigende Zahl von BewerberInnen (AbsolventInnen von Fachschulen, Fachhochschulen und universitären Studiengängen) gegenüber (Belardi 1986; Loersch 1989). Gleichzeitig ist aber die Offene Arbeit wegen der ungünstigen Arbeitszeiten und auch wegen der vielen Probleme mit "schwierigen" Kindern und Jugendlichen nicht mehr so beliebt. Teuter schreibt, daß PädagogInnen in den siebziger Jahren "als Verlängerung ihrer eigenen Jugendzeit für 3 - 5 Jahre im Jugendzentrum ihre bezahlte Sturm- und Drangzeit ... (verbrachten), um dann weiterzuziehen" (1987, 6). Heute müssen sie dort mangels Alternativen wesentlich länger bleiben. Schon 1986 arbeiteten weibliche Fachkräfte im Durchschnitt 4,5 Jahre, männliche 5,7 Jahre in Jugendhäusern. In Leitungsfunktionen hielten es die PädagogInnen ca. 3 Jahre länger aus als in anderen Planstellen, nämlich 7,7 Jahre. Die Fachkräfte sind auch "erwachsen" oder sogar "älter" geworden; das Durchschnittsalter der PädagogInnen auf der ersten Planstelle liegt bei 37 Jahren. 1985 waren zwanzig Prozent von ihnen 40 Jahre und älter (Achten, Hubweber, nach Loersch 1989, 49).

Diese Kontinuität könnte sich positiv auf die Qualität der pädagogischen Arbeit auswirken, wenn sie nicht durch die Arbeitsmarktsituation erzwungen wäre. Belardi wertete zum Beispiel Berichte von BerufspraktikantInnen aus und kam zu der provokanten Feststellung, daß "berufsmüde" PädagogInnen sich "einrichten", um den Berufsalltag ressourcenschonend zu überleben. Nach seiner Meinung meiden sie möglichst direkte Kontakte mit Jugendlichen im Offenen Bereich, ziehen sich auf Verwaltungsarbeit und Kontaktpflege mit Ämtern zurück oder organisieren die Arbeit in "ihrem" Haus nach ihren privaten Hobbies (Kurse, Neigungsgruppen). Alles, was zusätzliche Arbeit oder gar Konflikte hervorrufen könnte, wird reduziert; Routinen bestimmen das Bild. Belardi schreibt, daß innovative Vorhaben von BerufspraktikantInnen oder AB-Kräften nur dann geduldet würden, wenn sie das Image der Einrichtung verbesserten und die Arbeit von diesen vollständig übernommen würde. Er meint, neue, jüngere MitarbeiterInnen arbeiteten oft erfolgreicher und seien beliebter bei Kindern und Jugendlichen, was zu Beziehungsneid und Konkurrenzdenken führe. Dieses alles sei jedoch nicht als Denunziation einzelner Fachkräfte zu werten, sondern als Ergebnis des strukturellen Problemes des unfreiwilligen Verharrens in den Einrichtungen (Belardi 1986, 210). De facto entstehen auch Probleme durch die tatkräftigen (aber doch nur befristet tätigen) MitarbeiterInnen, denn die neu begonnenen Vorhaben können von den verbleibenden Hauptamtliche nicht weitergeführt werden ("Kartenhaus-Effekt"). Einschränkend merken wir jedoch an, daß solche und ähnliche berufliche Haltungen auch unter besseren Arbeitsbedingungen beobachtet wurden. Hafeneger und Sander typisierten schon im Jahre 1979 "Verarbeitungsstrategien von Mitarbeitern im Berufsalltag der offenen Jugendarbeit":

a) "Job-Verhältnis" oder "gewerkschaftliche Orientierung" (Beharren auf einer 40-Stunden-Woche und strikte Trennung von Arbeit und Freizeit);
b) "Sozialmanagement" (hektische Betriebsamkeit rund um die Uhr mit einem hohen Identifikationsgrad);
c) "Hausmeisterpädagogik" (verwaltende Tätigkeit, vermeiden oder delegieren von Risiken, erweitert durch eigene Hobbies und Interessen);
d) "Individualisierung von Problemlagen und Verhaltensweisen" ("Defizitorientierung", gepaart mit Mitleid);
e) Resignation oder Ausstieg (Überforderung durch die vielschichtigen, widersprüchlichen Erwartungen) (Hafeneger, Sander 1979).

Einige Einrichtungen versuchen, den Personalmangel mit Hilfe gleichqualifizierter, aber an Berufsjahren "jüngeren" MitarbeiterInnen in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) auszugleichen. Neue Initiativen stabilisieren sich oft erst mit solchen Maßnahmen. Sie wollen "Fakten schaffen", also einen "Bedarf" begründen, um mittelfristig Planstellen zu beantragen. Besonders in den neuen Bundesländern wird Offene Arbeit mit Kindern oft nur mit Ehrenamtlichen und ABM-Kräften geleistet.

Persönlich werten arbeitslose Fachkräfte eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme meist als erfreuliches Ereignis. Sie können ihren privaten Finanzhaushalt sanieren und erwerben die Voraussetzung zum erneuten Bezug von Arbeitslosengeld. Unabhängig vom konkreten Inhalt der Arbeit verläuft der Tag wieder strukturiert und sie können wieder etwas Sinnvolles und Anerkanntes tun. Viele junge PädagogInnen steigen mit Elan und Ideen in die Arbeit ein und nehmen dafür zunächst eine Befristung des Arbeitsvertrages in Kauf - motiviert auch durch die (meist vergebliche) Hoffnung auf einen Dauerarbeitsplatz (Meyer 1987, 6). Mittelfristig erschweren jedoch befristete Arbeitsverträge wahrscheinlich eine Identifikation mit der Arbeit und wirken sich dann auch negativ auf die Arbeitsmotivation und die Beziehungen im Team aus. Manchmal müssen ABM-Kräfte bei kleineren freien Trägern die Differenz zwischen Förderbetrag und dem Gehalt, das ihnen laut Tarif zusteht, an die Einrichtung zurückspenden (obwohl es illegal ist). Infolgedessen fühlen sie sich leicht ausgenutzt, abhängig und in ihrer Initiative beschnitten. Zwar sammeln sie Berufserfahrung und verbessern ihre Qualifikation - aber für welche Perspektive?

Der Nutzen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wird kontrovers diskutiert. Der ABA Fachverband für die Offene Arbeit mit Kindern führte eine Umfrage zur Personalsituation auf Abenteuerspielplätzen und bei Spielmobilen durch. Danach führten die Fachkräfte einen "niedrigeren Besucherzulauf" und ein Absinken der Qualität und auch der Quantität der pädagogischen Angebote auf die hohe Fluktuation des Personals durch wechselnde Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zurück (Der Nagel 1985, 7). Hier wird also wiederum "Kontinuität" als unabdingbare Voraussetzung aller pädagogischen Arbeit postuliert. Die Träger der Offenen Arbeit mit Kindern sehen sich angesichts der derzeitigen Sachmittelkürzungen und des Personalabbaus jedoch gezwungen, sich auf alle Möglichkeiten der Personalgewinnung einzulassen, wenn sie nicht erhebliche Überbelastungen ihrer MitarbeiterInnen bis hin zur gesundheitlichen Gefährdung riskieren wollen.

Für die kontinuierlich tätigen Hauptamtlichen bedeutet das, daß sie sich immer wieder auf neue KollegInnen einstellen, diese einarbeiten und die gesamte zusätzliche Verwaltungsarbeit erledigen müssen. Eine längerfristige Projektplanung ist schwierig, denn wenn die Einarbeitungsphase inclusive der persönlichen Integration ins Team geschafft ist, bahnt sich schon wieder der Abschied an und die Zurückbleibenden müssen mit ihrem ständig wechselnden MitarbeiterInnenstab immer wieder von vorn anfangen. Ihre prinzipiell hochgeschätzte Kontinuität verschleißt sich in den ewig gleichen Konflikten und ihre Ansprüche an eine egalitäre Teamarbeit, die auf die Prinzipien von "Gleichberechtigung, Solidarität und Abwesenheit von Hierarchie" (Meyer 1987, 7) ausgerichtet sind, können nur schwer realisiert werden. Die vom ABA-Fachverband befragten PädagogInnen monieren daher auch, daß Träger und Öffentlichkeit nicht sehen, daß die schlechtere Qualität der pädagogischen Arbeit durch diese strukturellen Ursachen begründet ist, sondern sie ihnen selbst als persönliches Versagen anlasten (Der Nagel 1985, 9).

Neben den Arbeitsbedingungen beeinflussen auch "persönliche" Bedingungen die Einstellung von PädagogInnen zu ihrer beruflichen Arbeit: Hauptamtlich betrieben ist Offene Arbeit mit Kindern - wie alle anderen Arbeitsverhältnisse - eine Arbeit gegen Lohn. Daraus resultiert, daß auch pädagogische Fachkräfte in erster Linie wegen dieses Lohnes arbeiten und am möglichst kräftesparenden Einsatz ihrer Arbeitskraft interessiert sind. Gunnar Heinsohn und Barbara Knieper behaupteten in den siebziger Jahren sogar, der "Gegenstand" der sozialpädagogischen Arbeit (also die Kinder) sei den LohnerzieherInnen tendenziell gleichgültig (Heinsohn, Knieper 1976). Zumindest wünschen sich auch PädagogInnen eine geregelte Arbeitszeit. Sie sollte den üblichen Arbeitszeiten entsprechen, da ständige Spätschichten und Wochenendarbeit private zwischenmenschliche Beziehungen beeinträchtigen und die Teilnahme am kulturellen Leben erschweren. Klare Abgrenzungen von "Arbeit" und "Freizeit", Zeitrhythmisierungen, Stundenpläne, vorausseh- und -planbare Angebote, routinemäßige Arbeitsabläufe und auch Versuche der Konfliktvermeidung dienen der Ersparnis von Arbeitszeit und psychischem Aufwand (J. Wolff 1984).

Motive der Berufsausübung werden auf Befragen mehr oder weniger spontan benannt. Pädagogischen Fachkräften ist das Arbeiten mit Menschen wichtig und sie wünschen sich humanere Arbeitsbedingungen, eine "nicht entfremdete" und damit "sinnstiftende" Arbeit. Diese Wünsche widersprechen nicht den "Lohnarbeitsinteressen", denn die meisten Menschen suchen auch unter Lohnarbeitsbedingungen nach einer sinnvollen und befriedigenden Tätigkeit. Pädagogischer Arbeit wird dieses im höheren Maße zugebilligt als anderen Arbeitsbereichen. Freilich ist der Sinn manchmal schwer auszumachen. Pädagogische Arbeit entbehrt - wie alle Reproduktionsarbeit - häufig der sichtbaren Resultate, zumal sie sich auch nicht immer eindeutig von der Arbeit von Laien unterscheiden läßt. Die Frage: "Wofür wirst Du eigentlich bezahlt?" (Aly 1977) müssen sich die PädagogInnen immer wieder neu beantworten, um ihr berufliches Selbstwertgefühl zu stärken. Das, was Kinder und Jugendliche an PädagogInnen so schätzen (daß ihnen jemand zuhört, sich einfühlen kann, sie ernst nimmt) werten sie nicht als Arbeit. Im Gegenteil: "Würde der Eindruck von Arbeit entstehen, so wäre genau 'die persönliche Beziehung', die Grundlage der Bearbeitung gemeinsam interessierender Probleme ist, gestört. Jeder Jugendliche (und jedes Kind, v. Sp.) müßte erfahren, daß er (es) nicht als Individuum, sondern quasi als Werkstück einer Reproduktion lebenstüchtiger Personen begriffen würde" (Lange u.a. 1980, 65).


Folgerungen für die pädagogische Praxis

Angesichts der hohen Bedeutung der "Freiwilligkeit" des Bleibens in den Einrichtungen der Offenen Arbeit mit Kindern müßte unseres Erachtens genauer überprüft werden, wie die Rede von der Kontinuität gemeint ist, wenn sie bei den BesitzerInnen langfristiger Arbeitsstellen in Frustration und Interesselosigkeit umschlägt. Ist Innovation nicht doch unabdingbar an Kurzfristigkeit gebunden? Ist "gute" pädagogische Arbeit nur unter dem Primat des "Lustprinzips" möglich? Wie verträgt sich das Lustprinzip mit der Tatsache, daß in diesem Beruf wie in jedem anderen auch Arbeit mit Geld entlohnt wird? Oder anders: Sind die "Verharrungstendenzen" der Hauptamtlichen, die das Festhalten am Status quo des Berufsalltages fördern, nicht auch ohne Druck wirksam? Wir meinen, daß die MitarbeiterInnen ihr (legitimes) Interesse an einer streßarmen, überschaubaren Arbeitsgestaltung mit dem, was unter fachlichen Gesichtspunkten notwendig ist, ausbalancieren sollten. Ein "Dienst nach Vorschrift" kann nämlich wesentlich anstrengender sein als eine Identifikation mit der Arbeit, die vielleicht manchmal auch zu Überstunden führt.

Die Hauptamtlichen sollten mit "organisatorischen" Änderungen im Berufsalltag experimentieren, um die Routinen und/oder ihre Resignation aufzubrechen. Der ABA-Fachverband regt zum Beispiel einen befristeten Tausch von Arbeitsplätzen an; man könnte vielleicht in dreijährigen Intervallen für ein halbes Jahr ein Tätigkeitsfeld völlig wechseln. Manche Fachkräfte betreiben auch eine Art Job-Sharing, indem sie ihre langjährige routinemäßige Arbeit zeitlich einschränken, um eine zweiten, völlig anders gearteten Tätigkeitsschwerpunkt hinzuzunehmen (Loersch 1989, 50). Auch eine Reduzierung der Arbeit auf etwa 30 Stunden bewirkt oft schon Erstaunliches, weil sie Zeit für ein befriedigenderes Privatleben freimacht.

Aus dem Bedürfnis nach einer befriedigenden Arbeit ist zu erklären, daß PädagogInnen sich selbst als Person mit ihren Vorlieben und Fähigkeiten in die Arbeit einbringen möchten. Lange u.a. sehen in den persönlichen Bedürfnissen eine treibende Kraft pädagogischer Arbeit überhaupt. Sie meinen, ein Ernstnehmen der Bedürfnisse der AdressatInnen sei unmöglich, "wenn der Jugendarbeiter nicht auch für sich darum kämpft, die Zertrennung von aktivem (also auch beruflichem) Leben und Bedürfnisbefriedigung zurückzudrängen, wenn es ihm nicht gelingt, die eigene 'Liebe zum Beruf' auch ein Stück weit erfüllt zu sehen" (Lange u.a. 1980, 79; Hervorhebung im Original, vergleiche auch Gildemeister 1983). Die Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bietet viele Freiräume, den eigenen Hobbies nachzugehen; es gibt Fachkräfte, die nach dem Motto: "Wenn es uns Spaß macht, macht es auch den Kindern Spaß" arbeiten. Eine unreflektierte Bedürfnisorientierung auf dieser Ebene ist aber alles andere als professionell. Es gibt beispielsweise PädagogInnen, die sich sehr stark mit ihrer Einrichtung identifizieren. Sie sind HausherrInnen (mit Hausrecht) und GastgeberInnen, sie arrangieren den Rahmen, in dem oft nur das geschehen kann, was sie zulassen. Auf diese Weise entstehen die erstaunlichsten Spezialisierungen:  in manchen Jugendhäusern wird kunstvoll - und ausschließlich - gewebt, manche avancieren zu Drachenbauzentren oder Discotheken, in denen ganz spezielle Musikrichtungen zu hören sind; in wieder anderen werden überwiegend Segel- oder Kanu-Freizeiten vorbereitet und durchgeführt.

Gegen Schwerpunkte des Angebots ist prinzipiell nichts einzuwenden; kritisch wird es aber da, wo PädagogInnen die Interessen von Kindern so umdefinieren, daß sie mit ihren eigenen identisch sind. Sie sollten also darauf achten, daß ihre Definitionen und Interpretationen von Situationen begründet und gerechtfertigt sind (Geißler, Hege 1991). Wenn sie nicht unzulässig ihre Machtbedürfnisse und Projektionen mit fachlichen Erwägungen vermischen wollen, müssen sie die Balance zwischen Arbeit und Privatleben halten und das eine vom anderen unterscheiden können (Bader 1987). Das gilt auch für die Wünsche nach befriedigenden Beziehungen zu den Kindern. Die Fachkräfte sind Erwachsene, die Kindern Anregungen geben und ihnen als Vorbild und Identifikationsobjekt zur Verfügung stehen, ohne sich von deren Wohlverhalten abhängig zu machen (Teuter 1987, 6). Zur professionellen Kompetenz gehört also beides, die Privat-Person herauszuhalten und doch immer wieder bereit zu sein, sich auf neue Beziehungen zu Kindern einzulassen.


b) Ehrenamtliche MitarbeiterInnen im Team

In fast jedem Team arbeiten auch ehrenamtliche MitarbeiterInnen. Teilweise sind es "LaiInnen", also Jugendliche, die dem Status der BesucherInnen entwachsen sind oder engagierte Eltern; teilweise sind es (angehende) Professionelle, etwa PraktikantInnen in sozialpädagogischer Ausbildung oder auch arbeitslose Fachkräfte, die den Kontakt zur Praxis nicht verlieren wollen.

Seit einiger Zeit wird wieder neu über das Ehrenamt diskutiert. Es kann eine Ergänzung sein, um die professionelle Sichtweise mit dem Wissen und der Erfahrung von Nicht-Fachleuten zu verbinden. Wegen der starken Einbindung von Hauptamtlichen in Verwaltungsabläufe und auch mit Blick auf deren gebotene Loyalität gegenüber ihren ArbeitgeberInnen können Ehrenamtliche Funktionen übernehmen, die sich Hauptamtliche nicht "leisten" dürfen. Willi Weber singt ein regelrechtes Loblied auf das Ehrenamt in der Jugendarbeit. Er wünscht sich den Kreis Ehrenamtlicher möglichst groß und als Repräsentation aller Altersgruppen und Bevölkerungsschichten: "Beschränkt man die ehrenamtliche Mitarbeit auf die mitwirkenden Jugendlichen, so werden die Kontakte zum Gemeinwesen auf eine ganz bestimmte Altersgruppe selektiert. Dies führt auf die Dauer wieder zu einer erneuten Isolation beziehungsweise Gettobildung. Die Ehrenamtler aller Altersgruppen sind auch ein wesentlicher Transporteur für die Öffentlichkeitsarbeit. Sie stellen im Hause selbst eine Art von Öffentlichkeit auf der Beziehungsebene her. Sie können draußen und drinnen mitreden, wenn es um die Anliegen der offenen Jugendarbeit und um sozial benachteiligte Jugendliche geht. Sie haben Kontakt zu den Mitwirkungsgremien in den Einrichtungen und können auch das Stimmungsbild in der Bevölkerung wiedergeben. Sie können draußen erklären, warum sich Jugendliche so und nicht anders verhalten. Sie sind Mittler zwischen Polemik und Wahrheit, zwischen Theorie und Praxis sozialpolitischer Aspekte des Wohnviertels, zwischen den Generationen und helfen mit, durch ihr eigenes Engagement Vorurteile abzubauen. So im Gemeinwesen verankerte offene Jugendeinrichtungen haben trotz demographischer Veränderungen keinen Besucherschwund" (Weber 1988, 142). Selbst wenn man Abstriche an dieser idealistischen Einschätzung der Wirkung ehrenamtlicher Tätigkeit vornimmt, wird doch deutlich, daß Ehrenamtliche auch die Offene Arbeit mit Kindern bereichern und ergänzen können. Wir betrachten daher die gar nicht homogene Gruppe dieser MitarbeiterInnen genauer und stellen Überlegungen zu möglichen Konstellationen der Zusammenarbeit und einigen Problemen an.

Leider fanden wir keine empirische Studie über ehrenamtliches Engagement in der Offenen Arbeit mit Kindern. Die Literatur für den Bereich der Jugendarbeit ist umfangreich, bezieht sich jedoch meist auf ehrenamtliche MitarbeiterInnen der Jugendverbände (vergleiche etwa die aktuelle Studie über die Jugendfeuerwehr von Schulze u.a. 1995). Wir stellen in diesem Kapitel einige ausgewählte Aussagen zum Selbstverständnis ehrenamtlicher MitarbeiterInnen vor (nach Hamburger u.a 1982), die unseres Erachtens auch auf die Offene Arbeit mit Kindern zu übertragen sind und beschreiben eine Typologie ehrenamtlicher MitarbeiterInnen in der Jugendarbeit aus den siebziger Jahren (nach Gerbeit u.a. 1978). Beide Studien sind relativ alt, scheinen uns aber dennoch anschaulich. Zur Aktualisierung ergänzen wir die Angaben mit neueren Daten und kontrastieren sie mit derzeitigen Bedürfnissen Ehrenamtlicher (Sturzenhecker 1994).

In der Untersuchung von Hamburger u.a. waren rund zwei Drittel der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen männlichen Geschlechts, die meisten (ca. 64 %) unter 25 Jahre alt und ledig (80 %). BesucherInnen höherer Schultypen waren deutlich überrepräsentiert (Hamburger u.a. 1982, 15 f.). Zur Typisierung der Ehrenamtlichen nehmen wir den von Gerbeit u.a. entwickelten Vorschlag und ergänzen beziehungsweise modifizieren, wo nötig:

● Jugendliche GruppenleiterInnen orientieren sich stark an der Arbeit der Hauptamtlichen. Sie arbeiten mit ähnlichen Gruppen und Methoden wie diese und gehören in der Regel auch der gleichen Schicht an (Mittelschicht oder AufsteigerInnen). Sie werden im Unterschied zu Hauptamtlichen nicht bezahlt, haben keine pädagogische Qualifikation, arbeiten stunden- und tageweise und haben nicht die gleiche Entscheidungsbefugnis - was nach Posselt u.a. (1987, 292) von Hauptamtlichen, die der Zielvorstellung der Teamarbeit und Kooperation anhängen, gern ignoriert wird. Hauptamtliche Fachkräfte arbeiten gern und intensiv mit dieser Gruppe. Sie übertragen ihnen Gruppenleitungen oder Aufsichtsfunktionen (ohne Verwaltungsarbeit); teilweise organisieren sie auch Fortbildungen, in denen sie den Jugendlichen ihre eigene Sichtweise von pädagogischer Arbeit vermitteln. Jugendliche GruppenleiterInnen engagieren sich hauptsächlich in der Kinderarbeit konfessioneller Verbände und manchmal auch in Jugendzentren.

● Jugendliche FunktionärInnen vertreten per Mandat die Interessen ihrer Verbände und Initiativen in den fachlichen und politischen Gremien. Demzufolge werden sie "zum legitimen Gegenüber der Hauptamtlichen und der Institution" und sind in dieser Eigenschaft auch manchmal Vorgesetzte derselben. FunktionärInnen sind oft "aufgestiegene" GruppenleiterInnen. Angesichts ihrer ausgeprägten Gremienarbeit bleibt ihnen wenig Zeit für pädagogische Aufgaben. Ihre Stärke ist das Taktieren, das Entwickeln von Strategien und das Verhandeln mit einflußreichen Persönlichkeiten, wenn es zum Beispiel um Projektfinanzierung geht. Gerbeit u.a. unterstellen ihnen "eine gewisse Freude an der Machtausübung" (1978, 351). In Trägervereinen für Abenteuerspielplätze, die aus Initiativen hervorgingen, avancieren engagierte Eltern gelegentlich zu solchen FunktionärInnen. Das kann auch Spannungen und Konkurrenzen um die richtige Art der pädagogischen Arbeit und die Intensität des Einsatzes der Hauptamtlichen erzeugen.

● Häufiger fungieren jedoch ehrenamtliche Erwachsene in ihrer Eigenschaft als Vereins- oder Verbandsmitglieder als Vorgesetzte von Hauptamtlichen. Auch das kann manchmal Probleme und Interessenskonflikte verursachen: Initiativen bilden sich wie andere freie Träger der Jugendhilfe aus bestimmten Traditionen und zu bestimmten Zwecken, und sie entwickeln spezifische inhaltliche und politische Vorstellungen. Sie wollen vielleicht "nur" bessere Spiel- und Entfaltungsmöglichkeiten, Geselligkeit und Erlebnisse für sich und ihre Kinder, ohne explizit sozialpädagogische Ausrichtung. Dieses "Verbandsfeeling" (Pfannkuchen-Schaffner 1982, 110) können die Professionellen oft nicht teilen. Letztere setzen aber in der Praxis meist ihre fachlichen Vorstellungen durch, denn sie sind ständig anwesend und vertreten auch häufig die Interessen ihrer Träger in den verschiedensten Gremien und gegenüber den Jugendämtern. Die Verwaltungen fördern diesen Trend, indem sie nur fachlich ausgebildete MitarbeiterInnen finanziell fördern. Auf diese Weise können ehrenamtliche Vorstände von Initiativen und Verbänden zu "Marionetten" werden: Hauptamtliche suchen sich ihren Vorstand zusammen; dieser tagt nur noch, um die Aktivitäten der Hauptamtlichen abzusegnen und deren Arbeit zu bewundern.

AllroundmitarbeiterInnen findet man überwiegend in Kinder- und Jugendhäusern und auch auf Abenteuerspielplätzen. Sie erfüllen organisatorische oder handwerkliche Aufgaben und helfen bei der Aufrechterhaltung der Ordnung. Sie verkaufen Eintrittskarten, managen die Kinderdisco, zeigen Filme, verkaufen Getränke oder geben Werkzeug aus. Manchmal vertreten sie auch die Interessen der BesucherInnen gegenüber den Hauptamtlichen. PädagogInnen wählen mit Vorliebe informelle GruppenführerInnen für solche Aufgaben aus, um sich über diese einen Einfluß auf die BesucherInnen zu wahren. Ihre Fähigkeiten liegen eher im handwerklichen Bereich. Oft zeichnen sie sich durch Körperkraft und Zugehörigkeit zur sozialen Schicht des Gros' der BesucherInnen aus. In der Wertschätzungshierarchie der Hauptamtlichen rangieren sie an unterster Stelle. In der Offenen Arbeit mit Kindern versuchen hauptamtliche MitarbeiterInnen auf diese Weise manchmal, die älteren Kinder, die eigentlich aus dem Betrieb "herausgewachsen" sind, aber die Plätze und Häuser als Treffpunkte nicht aufgeben wollen, auf diese Weise mit Verantwortung zu betrauen und "konstruktiv" einzubinden.

● Eine weitere Kategorie bilden diejenigen, die in der Kinder- und Jugendarbeit ein Arbeitsfeld für ihre spätere Praxis suchen. Dazu zählen PraktikantInnen von sozialpädagogischen Ausbildungsstätten und diejenigen, die ihre Motivation für einen späteren Beruf überprüfen möchten. Sie sind in allen Einrichtungen zu finden; die Spielmobilarbeit könnte ohne sie oft gar nicht stattfinden.

● Immer häufiger arbeiten in den Teams auch sogenannte Neue Ehrenamtliche, also fachlich ausgebildete, überwiegend weibliche Arbeitslose. Auch in der Offenen Arbeit mit Kindern engagieren sich solche Frauen. Sie leisten Schularbeitenhilfe und machen Angebote gegen ein geringes Entgelt beziehungsweise eine Aufwandsentschädigung. So entsteht eine weitere Abstufung in der Hierarchie: bezahlte Dauerstelle, bezahlte, aber befristete Stelle, unbezahlte, unbefristete Stelle. Die Frauen suchen eine sinnvolle Tätigkeit und manche hoffen, auf diesem Weg einen (Wieder-) Einstieg in den Beruf zu finden. Viele möchten oder müssen einer zumindest teilzeitigen Erwerbstätigkeit nachgehen. Das kann zu Konkurrenzen mit hauptamtlichen PädagogInnen führen, denn es ist nicht auszuschließen, daß Träger die Neuen Ehrenamtlichen besonders fördern, um langfristig bezahlte durch unbezahlte Arbeit zu ersetzen (Zander 1988, 15; vergleiche auch Sielert 1987, 472).

Ehrenamtliche Arbeit ist tendenziell anders motiviert als hauptamtliche. Sie entspringt überwiegend dem Bedürfnis nach befriedigender sinnvoller Freizeitbetätigung. Soziales Engagement, soziale Anerkennung, persönliche Weiterentwicklung, Veränderung der eigenen unbefriedigenden Lebensbedingungen stehen im Vordergrund. Die Ehrenamtlichen möchten Erfolgserlebnisse haben, etwas leisten, Autonomie erlangen - auch Macht ausüben. Sie möchten - anders als am Arbeitsplatz oder in der Schule - ihre Arbeit selbst verantworten, etwas über sich selbst erfahren und Spaß haben. Sie wollen sich um andere kümmern, Hilfestellungen geben und Hilfe erfahren sowie Einfluß nehmen (Gerbeit u.a. 1978; Hamburger u.a. 1982; Posselt u.a. 1987).

Da ehrenamtliche Tätigkeit nicht finanziell honoriert wird, gewinnt die immaterielle Bestätigung einen hohen Stellenwert. Die Ehrenamtlichen sind nach Hamburger u.a. durchweg positiv auf die Trägerinstitution und ihre Tätigkeit bezogen (Hamburger u.a. 1982, 23). Sie haben hohe Ansprüche an die Hauptamtlichen und das Team, denn sie suchen tragfähige Beziehungen untereinander und streben einen Zusammenhalt nach außen an. Die Verbindung zu den Hauptamtlichen soll eng bis exklusiv sein. Sie wünschen sich die Hauptamtlichen als solidarische PartnerInnen, auch für Gespräche über pädagogische und weltanschauliche Themen. Jugendliche Ehrenamtliche identifizieren sich gern mit den Hauptamtlichen. Sie übernehmen teilweise ihre Rollen, probieren auf diese Weise "erwachsenes" Verhalten aus und gewinnen neue Handlungsspielräume. Je nach Alter bringt sie das auch in Konflikte, nämlich dann, wenn sie sich noch gleichzeitig mit den Interessen der Kinder und Jugendlichen identifizieren und trotzdem bestimmte Regelungen durchsetzen sollen (Posselt u.a. 1987, 296). "Fachlich" betrachtet verfolgen sie eher "traditionell-konservative" Zielsetzungen, wie die nach "echter, fröhlicher Gemeinschaft". Die Mehrzahl der Ehrenamtlichen ist positiv auf die gegenwärtige Gesellschaftsform bezogen; und sie weisen politisch motivierte Ziele nach Gesellschaftsveränderung deutlich zurück (Hamburger u.a. 1982, 30).

Einige der hier skizzierten Bedürfnisse sind nach Einschätzung von Benedikt Sturzenhecker (1994) inzwischen "out". Nach seinen Recherchen wünschen sich ehrenamtliche MitarbeiterInnen in der Jugendarbeit folgendes:

1. Sie wollen (begrenzte) Aktivitäten auswählen nach eigenen Interessen und Fähigkeiten: "Out" ist die Vereinnahmung mit "Haut und Haar"; "in" ist die Bereicherung der Angebotspalette durch Ehrenamtliche. Fachkräfte sollten differenzierte Teil-Aufgaben für die vielfältige Interessen und Fähigkeiten der Ehrenamtliche planen.

2. Sie wollen ihre Aktivitäten selbst bestimmen: "Out" ist die Bestimmung von "oben" (Vorstände, Gremien, Verbandslinie, Erwachsenenverband) oder "Kampf" für bestimmte Interessen; "in" ist der Wunsch nach Freiräumen und Unterstützung für deren individuelle Gestaltung. Differenzen und Dissense zu den Hauptamtlichen sollten möglich sein.

3. Sie wollen nicht überfordert werden, der zeitliche Rahmen ihres Einsatzes muß begrenzbar und planbar sein: "Out" sind eine Überfrachtung mit Aufgaben und das Prinzip "Eine/r für Alles"; "in" sind die zeitliche Begrenzung und eine Aufteilung der Aufgaben auf mehrere Schultern.

4. Sie wollen sich selber und anderen helfen (Selbsthilfeprinzip): "Out" ist der selbstlose Einsatz; "in" ist die Vorstellung, daß man durch Eigennutz auch anderen nützt. Die Fachkräfte sollten daher die Interessen und Themen der Ehrenamtlichen aufgreifen.

5. Sie wollen Kontakt und Kooperation, aber nicht vereinnahmt werden: "Out" ist das Aufgehen in der Gemeinschaft; "in" sind der Individualisierungsgewinn und Gemeinschaftserfahrung ohne Zwang.

6. Sie wollen fachliche Anleitung und Absicherung: "Out" sind die Arroganz der ExpertInnen und/oder das Alleinwursteln der Ehrenamtlichen; "in" sind Partnerschaft von ExpertInnen und Ehrenamtlichen, Ausbildung und Alltagsberatung.

7. Sie wollen versichert sein und eine Aufwandsentschädigung: "Out" ist die Ausbeutung Ehrenamtlicher; "in" sind zum Beispiel GruppenleiterInnenpauschalen.

8. Sie wollen eine Anerkennung ihrer individuellen Leistungen: "Out" ist die Vereinnahmung ihrer Leistungen für das Verbands- oder Einrichtungsimage; "in" ist die Präsentation ihrer individuellen Leistung durch Bezugspersonen und in der Öffentlichkeit (Sturzenhecker 1994).


Folgerungen für die pädagogische Praxis

Das Verhältnis von Fachkräften und Ehrenamtlichen ist nicht unproblematisch. Ehrenamtliches Engagement wird in der Fachliteratur, der Politik und der Selbstdarstellung der Träger als konstitutiver Bestandteil freier Trägerschaft hoch geschätzt - und oft von Hauptamtlichen in der Praxis notgedrungen in Kauf genommen. Erwachsene "LaiInnen" haben manchmal andere Wertvorstellungen und bevorzugen häufig andere Erziehungsmethoden als Professionelle. Professionelle sehen die Situation durch eine andere "Brille". Diese schafft die Distanz, die sie zur Strukturierung ihrer Arbeit brauchen. PädagogInnen haben (hoffentlich) in ihrer Ausbildung gelernt, zu klassifizieren, zu systematisieren und zu kategorisieren; LaiInnen betonen die einzelnen Erlebnisse, die Einzigartigkeit einer Situation. Hauptamtliche haben eine Vermittlung beider Sichtweisen zu leisten.

Ehrenamtliches Engagement entsteht aus einer eigenen Betroffenheit und aus dem Bedürfnis, das eigene Leben zu bereichern. Ehrenamtliche möchten ihre speziellen Fähigkeiten und Vorlieben in die Arbeit einbringen, die nicht immer mit den aktuellen Erfordernissen der täglichen Praxis auf dem Abenteuerspielplatz oder im Kinderhaus zu vereinbaren sind. Sie zeigen zuweilen eine starke persönliche Arbeitsbereitschaft, die Forderungen Hauptamtlicher nach geregelter Arbeitszeit, ungestörtem Privatleben, Freizeit und Urlaub sowie angemessener Honorierung entgegensteht. Ihr Engagement ist aber meist nicht so kontinuierlich wie das der Hauptamtlichen; sie ziehen sich eher zurück, wenn sie ein gestecktes Ziel erreicht haben oder absehbar nicht erreichen können. Deshalb sollten hauptamtliche Fachkräfte für den Fortgang der Aktivitäten sorgen.

Die Fachkräfte sollten die Motive und auch die Wertvorstellungen der Ehrenamtlichen berücksichtigen und ihnen sozusagen persönliche "Arbeitsplätze" mit einer sinnvollen Begrenzung einrichten. Ihre Arbeit muß übersichtlich strukturiert sein und angeleitet und begleitet werden. Die PädagogInnen müssen bewußt zur Kenntnis nehmen, daß dieses die "Freizeitbeschäftigung" der Ehrenamtlichen ist. Wenn sie die Ehrenamtlichen innerhalb der Einrichtung nicht sinnvoll einsetzen können, sollten sie im Sinne von Webers Plädoyer darüber nachdenken, ob es auf der Vermittlungsebene Betätigungsmöglichkeiten gibt - etwa zwischen Öffentlichkeit und Einrichtung oder zwischen Erwachsenen und Kindern.


Weiterführende Literatur

Aktuelle Literaturhinweise zu diesem Thema stellte zusammen:

● Brenner, Gerd: Stichwort "Hauptamtliche und Ehrenamtliche". In: deutsche jugend, Heft 12, 1992, S. 544 - 552

Einen umfassenden Situationsbericht über die Mitarbeit Ehrenamtlicher in der Jugendhilfe sowie weitere Aufsätze über nachahmenswerte Projekte findet man in:

● Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Landesjugendamt) (Hrsg.): Ehrenamtliche fördern. Analysen, Methoden, Beispiele für die Jugendarbeit. Münster 1993. Bezug: Warendorfer Str. 25, 48133 Münster

In diesem Band ist besonders hervorzuheben der Aufsatz von:

● Sturzenhecker, Benedikt: Ehrenamtliche fördern - praktische Vorschläge für die Jugendarbeit. In: Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Landesjugendamt) (Hrsg.) 1993, S. 47 - 69

Zwei weitere aktuelle Arbeitshilfen sind:

● Landesjugendring Niedersachsen (Hrsg.): "Wir machen uns bezahlt!" Arbeitshilfe für die Arbeit mit Ehrenamtlichen. Bezug über: Maschstr. 24, 30169 Hannover

● Maier, Hugo: Handbuch für Ehrenamtliche in der Sozialen Arbeit. Freiburg i.Brsg. 1993

 

Hiltrud von Spiegel: Offene Arbeit mit Kindern - (k)ein Kinderspiel

 

 

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