ABA Fachverband
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

Der Verband für
handlungsorientierte Pädagogik 

 
 
 
 
     
       

Arbeitsbereiche der Offenen Arbeit mit Kindern

Zum Arbeitsfeld der Offenen Arbeit mit Kindern gehören heute verschiedene Arbeitsbereiche mit teilweise auch unterschiedlicher Entwicklungsgeschichte und unterschiedlichen methodischen Ansätzen. Im folgenden skizzieren wir kurz die Arbeitsbereiche in ihrer Eigentümlichkeit; pädagogische Konzepte stellen wir im III. Teil dieses Buches vor.


a) Abenteuerspielplätze

Die deutschen Abenteuer- oder auch Aktivspielplätze (in Süddeutschland heißen sie überwiegend Jugendfarmen) sind weitgehend vergleichbar: Sie sind unterschiedlich groß (zwischen 3.000 und 20.000 qm), meist eingezäunt und geländemäßig möglichst vielfältig strukturiert: Hügel, Vertiefungen, ebene Flächen, Wasserecken, Büsche und Bäume, Sand und Lehm bilden Voraussetzungen für elementare Erfahrungen. Die meisten Plätze verfügen über ein Spielhaus, das auch sanitäre Anlagen, Materialdepot, Küche und Büro beherbergt. Die Plätze werden durch haupt-, neben- und ehrenamtliches Personal während fester Öffnungszeiten pädagogisch betreut und sind für Kinder zwischen 3 und 15 Jahren konzipiert. Die Untersuchung des Bielefelder Institutes für Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit (IFKA) zeigt, daß 10jährige Kinder eindeutig zu den stärksten BesucherInnenjahrgängen zählen (Nahrstedt; Fromme 1987).

Die besonderen Erfahrungen werden erst möglich durch das jeweils besondere räumliche, personelle und materielle Arrangement. Das Wesentliche eines Abenteuerspielplatzes ist die Bautätigkeit: die Kinder können Buden bauen oder reparieren und sich an wechselnden Werkangeboten beteiligen. Auf vielen Plätzen werden Tiere gehalten, Gärten angelegt und Ausflüge in die Umgebung unternommen, um Naturerfahrungen zu vermitteln. Musische und kulturelle Gruppenangebote wie Musik oder Theater bilden meist weitere Schwerpunkte. Besonders gefördert werden solche Erfahrungen, die alle Sinne ansprechen wie z. B. das Hantieren mit möglichst unterschiedlichen (elementaren) Materialien. Alle Erfahrungsfelder wirken wechselseitig aufeinander und beeinflussen das soziale Geschehen mit den Spannungsfeldern: Individuum - Gruppe, Kinder - BetreuerInnen, Spielplatz - Umfeld (Eltern, AnwohnerInnen, Stadtteil, Behörden) (Kapinos 1979, 125 ff.). Jedes Platzteam gewichtet je nach Struktur, Finanzen, personeller Austattung und Vorlieben seine Schwerpunkte anders. Ein besonderer Schwerpunkt, beispielsweise in Richtung Tierhaltung oder Landwirtschaft drückt sich dann in abweichender Namensgebung aus, zum Beispiel "Kinderbauernhof".


Weiterführende Literatur

Als historisches Dokument über den ersten deutschen Abenteuerspielplatz bietet sich an:

● Autorengruppe Abenteuerspielplatz Märkisches Viertel: abenteuerspielplatz. wo verbieten verboten ist. Reinbek 1973 (leider vergriffen).


Relativ aktuelle Selbstdarstellungen von Abenteuerspielplätzen sowie Einschätzungen zu den Perspektiven dieser Arbeit findet man in:

● Bund der Jugendfarmen und Aktivspielplätze (Hrsg.): Abenteuerspielplätze und Kinderbauernhöfe. Eine Arbeitshilfe. Haldenwies 14, 70567 Stuttgart 1992

● 20 Jahre Abenteuerspielplätze; 20 Jahre Kampf um Spielräume. Themenheft des Verbandskurier. Heft 12, 1992

● Schottmayer, Georg: Der betreute Spielplatz: Pädagogisches Relikt, zeitgemäßer Spielraum oder unverzichtbarer Lebensraum für Kinder? In: Verbandskurier. 2. - 4. Quartal 1993, S. 27 - 35


Eine aktuelle Untersuchung von neun Jugendfarmen und Aktivspielplätzen, mit zusammenfassenden Aussagen zur Konzeption und zu Arbeitsweisen der PädagogInnen legte vor:

● Krauss, Johann; Zum 51jährigen Jubiläum der Abenteuerspielplatzpädagogik. Abenteuerspielplätze - die sinnvolle Spiel- und Freizeit-Alternative für Kinder und Jugendliche. In: Offene Spielräume, Heft 4, 1994, S. 26 - 30


b) Spielmobile

Zacharias, einer der Initiatoren der ersten Spielmobile, definiert: "Spielmobil ist eine bewegliche Einheit aus Materialien, Ideen und Personen, die an verschiedensten Orten für verschiedene Zielgruppen und zu unterschiedlichen Anlässen erweiterte Spiel- und Erfahrungsmöglichkeiten einerseits in die alltägliche Umwelt bringt und andererseits neue, Kindern bisher unbekannte und unzugängliche Räume, Bereiche und Tätigkeiten erschließt. Neben der flexiblen, räumlichen, materiellen und personellen Struktur sind Spielmobile auch variabel in der Zeitlichkeit ihrer Aktivitäten. Neben durchaus unterschiedlichen Detailzielen geht es allen Spielmobilen darum, die Ghettoisierung der Kinder in dieser Gesellschaft, in der Umwelt wieder aufzuheben, die Stadt als offenen Spielraum wiederzugewinnen und ein Spielmilieu für alle anzubieten, in dem die Kinder sich selbst frei und ungezwungen bewegen und trotzdem eine Menge Neues erfahren, lernen können: Spielmobile wollen zeitweise eine echte und aktionsorientierte 'Kinderöffentlichkeit' herstellen, die auch Demonstrationscharakter und Wirkungen in Richtung Erwachsene und Institutionen haben soll" (Zacharias 1981, 77; Hervorhebung im Original).

Die Bielefelder Spielmobilträger (1987) unterscheiden in ihrer Selbstdarstellung idealtypisch drei Formen mobiler Spielarbeit

"Sozialpädagogisch orientierte Spielmobilarbeit" leisten die PädagogInnen, die mit Fahrzeugen im Wochenrhythmus ganzjährig und kontinuierlich spielmäßig unterversorgte Plätze in der Stadt besuchen, um kurzfristig fehlende Angebote zu kompensieren und damit langfristig grundlegende Verbesserungen zu erreichen.

"Kulturpädagogisch orientierte Spielmobilarbeit" meint, daß an verschiedenen Stellen der Stadt Spielaktionen und/oder -projekte (ein- oder mehrtägig, ohne besonderen Turnus) stattfinden. Damit soll eine bestehende Arbeit ergänzt werden: man kann Erlebnishöhepunkte setzen, konventionelle Spielräume beleben oder Animationsspektakel veranstalten. Zu dieser Form zählen auch die "themenorientierten" Spielmobile, wie zum Beispiel Wasserspielbus, Theatermobil, Winterspielbus, Videomobil, Kinomobil, Museumsbus et cetera, wie sie unter anderen von der Pädagogischen Aktion München entwickelt wurden. Neu hinzugekommen sind seit einiger Zeit Spielmobile, die sich auf ökologisch orientierte Angebote spezialisieren, wie zum Beispiel das Ökomobil Freiburg (Landesjugendring Niedersachsen 1986).

"Mobile Kinderarbeit als methodisches Element stationärer Arbeit" ist eine neuere Variante. Sie kann die Arbeit in einem Haus der Offenen Tür nach Bedarf in den Stadtteil verlagern, um den Lebensbedingungen der Kinder besser zu entsprechen und um verschiedene Spielpunkte und Aktionen besser zu verknüpfen. Einige Träger erhoffen sich damit auch eine "Werbung" für ihre stationäre Arbeit (vergleiche zum Beispiel das Velomobil des Jugendhauses Altendorf, Essen).


Weiterführende Literatur

Als Klassiker der Spielmobilarbeit gilt:

Mayrhofer, Hans; Zacharias, Wolfgang: Aktion Spielbus. Spielräume in der Stadt - mobile Spielplatzbetreuung. Weinheim und Basel 1973 (leider vergriffen).


Eine neuere Bestandsaufnahme mit vielen verschiedenen Aufsätzen und allen relevanten Adressen bietet:

● Deutsches Kinderhilfswerk e.V.; Landesfachgruppe Spielmobil NRW e.V.; IPA-Recht auf Spiel e.V. (Hrsg.): Das Spielmobilbuch. Eine Lobby für Spielräume und Kinderrechte. Berlin 1990


c) Offene Arbeit mit Kindern in Jugendzentren und Kinderhäusern

Diese Arbeit erwuchs nicht aus einer "Bewegung"; sie war (und ist) vielmehr die ungeliebte "kleine Schwester" der Offenen Jugendarbeit. Zunächst war sie nur notwendig, weil man in den Jugendhäusern Nachwuchs brauchte, wenn die älteren Jugendlichen der Arbeit den Rücken kehrten. Eine zeitlich und teilweise auch räumlich abgegrenzte Offene Arbeit mit Kindern entstand da, wo man die "Kleinen" vor der Dominanz der Jugendlichen schützen wollte. Viele PädagogInnen wollten auch verhindern, daß die Kinder allzu früh schlechte Gewohnheiten der Jugendlichen wie Rauchen, Trinken oder auch Brutalität im Umgang miteinander kopierten.

So etablierte sich in den Jugendhäusern eine eigenständige Offene Arbeit mit Kindern, die meist jedoch in ihrer Struktur weitgehend identisch mit der Offenen Jugendarbeit ist. Spielen und Basteln, kulturelle Angebote, ein offener Bereich mit Kicker, Billard und Tischtennis, Kindercafé und Kinder- beziehungsweise Teeniedisco - alles wie gehabt. Inzwischen gibt es auch Spielhäuser, die ausschließlich für Kinder konzipiert und stärker auf deren Bedürfnisse zugeschnitten sind.

Problematisch in den Häuser der Offenen Tür ist meist die scharfe altersmäßige Trennung von Kindern und Jugendlichen. Sie hat in den letzten Jahren eine neue Zielgruppe sichtbar gemacht: die älteren Kinder beziehungsweise jüngeren Jugendlichen zwischen 10 und 15 Jahren, die "Teenies" (v. Spiegel 1988) oder auch "Lücke-Kinder" (Friedrich u.a. 1984). Der Nachmittagsbetrieb ist für sie "Kinderkram" und für den Abendbetrieb sind sie zu klein. Diese "Kids" stören überall, und die Auseinandersetzung mit ihnen fordert die PädagogInnen ungemein.


Weiterführende Literatur

Forschungsergebnisse zur Situation der 10- bis 14jährigen wurden zusammenfassend ausgewertet von:

● Spiegel von, Hiltrud: Teenies - Aufzeichnungen über Lebenswelten 10-14jähriger in pädagogischer Absicht. Unna 1988


Praxiserfahrungen aus der Offenen Arbeit mit älteren Kindern im Haus der Offenen Tür beschreibt:

● Deinet, Ulrich: Im Schatten der Älteren. Offene Arbeit mit Kindern und jüngeren Jugendlichen. Weinheim und München 1987



d) Stadtteilorientierte Arbeit mit Kindern

Daß das Spiel der Kinder etwas mit ihrer (Wohn-)Umwelt zu tun hat, war schon für die "Autorengruppe Westberliner Volkstheater Kooperative" (1974) eine Binsenweisheit. Schon in der Diskussion dieser PädagogInnengruppe ergab sich, daß es mindestens zwei Wege geben könne, mit den Kindern zu arbeiten: Der klassische, sozialpädagogische Weg verwies auf die Einzelförderung der Kinder, um ihre individuellen Defizite zu kompensieren und damit ihre Handlungsfähigkeit als Voraussetzung persönlicher Emanzipation zu fördern. Die MitarbeiterInnen meinten jedoch, langfristig würde "angesichts des gehäuften Auftretens der Symptome weder Einzel- noch Gruppentherapie ... helfen können. Diese Kinder brauchten keine Einzeltherapie und auch keine Gruppentherapie, sie brauchten eine Umgebung, in der sie die Möglichkeit hatten, Selbstbewußtsein als positive gesellschaftliche Kraft zu entwickeln" (Autorengruppe Westberliner Volkstheater Kooperative 1974, 107). So initiierte die Gruppe ausgehend vom "Spielclub Kulmerstraße" im Berliner Märkischen Viertel eines der ersten Stadtteilprojekte mit Kindern. Mit ihrer "Spielstadt" im Spielclub und dem anschließenden "Fest im Märkischen Viertel" verfolgten sie den Ansatz, Kindern die gesellschaftliche Realität und deren Veränderbarkeit sinnlich nahezubringen.

Darüber hinaus sind die Ansätze spärlich geblieben. Es lassen sich heute folgende Varianten unterscheiden:

Offene Arbeit mit Kindern im Rahmen von gemeinwesenorientierter Sozialarbeit: Offene Arbeit mit einem Stadtteilbezug sollte eigentlich Bestandteil jedweder Gemeinwesenarbeit sein. Wie diese Arbeit jedoch gestaltet sein könnte, bleibt uns nach einer Sichtung der Literatur über Gemeinwesenarbeit unklar. Wir fanden überwiegend die üblichen Aufzählungen der Angebote für Kinder wie Ferienspiele, Kinder- beziehungsweise Stadtteilfeste, Offene Kindergruppen ähnlich der Arbeit in Häusern der Offenen Tür usw. Ein Beispiel stellen Hammerich und Mennig (1987, 16 f.) mit ihrer Arbeit im Stadtteilprojekt Essen vor: Sie lassen sich unter Verzicht vorformulierter Ziele auf die situativen Bedürfnisse der Kinder ein. Sie stellen einen Treffpunkt zur Verfügung (hier den Schulpavillon), der als Ausgangspunkt für vielfältige, von Kindern angeregte Aktionen dient. Ein Schwerpunkt sind zum Beispiel Exkursionen, die mit dazu beitragen, daß Kinder sich ihre Umwelt aktiv aneignen. Prinzipiell sind aber die InitiatorInnen des Essener Projektes der Meinung, daß eine gesonderte Arbeit mit Kindern im Stadtteil Gefahr läuft, Kinder weiter zu isolieren. Ihrer Meinung nach sollten daher PädagogInnen mit stadtteilorientierter Perspektive hauptsächlich die Wohn- und Lebensverhältnisse für alle BewohnerInnen eines Stadtteils beeinflussen, damit es auch den Kindern besser geht (ISSAB 1989).

Kinderanwalt beziehungsweise -anwältin im Stadtteil: Einen anderen Ansatz praktiziert Ina Schubert seit etwa 15 Jahren in der Düsseldorfer Altstadt. Sie hat einen institutionellen Stützpunkt (mit Telefon), aber sie hält sich (im historischen Eulenspiegel-Kostüm) vorwiegend an den Treffpunkten der Kinder auf, kommt hier "zweckfrei" ins Gespräch, spielt mit den Kindern, gibt Informationen, berät sie bei aktuellen Sorgen. Die Kinder können sie einladen, ihr schreiben, sie anrufen. Sie sieht sich in der Funktion einer Vermittlerin zwischen Kindern und Erwachsenen. Dabei versteht sie die Mittlerrolle nicht als neutrale, sondern als Interessenvertretung für die Kinder (Schubert 1989, 51) und leistet auch Öffentlichkeitsarbeit und politische Arbeit. Schubert reagiert auf konkrete Mißstände: wenn zum Beispiel bisher bespielte ungenutzte Flächen ohne Rücksicht auf Kinderinteressen verplant werden, macht sie in gemeinsamen Aktionen mit Kindern im Stadteil auf diese Interessen aufmerksam. Sie initiiert Projekte für Kinder (zum Beispiel eine Skateboardbahn). Oder sie redet - ohne Mandat - in politischen Gremien mit und in konkrete Projekte der Stadtplanung hinein. Inzwischen gibt es in vielen Städten KinderanwältInnen (vergleiche dazu Kapitel 17 dieses Buches).

Spiellandschaft Stadt: Am ehesten in die Tradition der InitiatorInnen des "Festes" im Märkischen Viertel - jedoch ohne den sozialistischen Impetus - läßt sich die nunmehr über 20jährige Arbeit der Pädagogischen Aktion München einordnen. "Spiel und Kultur, Gelegenheiten dazu, positive Bedingungen dafür, unabhängig vom Elternhaus, formaler Organisiertheit, sozialem Milieu, ist ein Recht der Kinder und Jugendlichen, sozusagen auf der Ebene der Menschenrechte", so die AutorInnen in ihrem "kulturpädagogischen Lesebuch". Sie wollen mit vielgestaltigen Spielmobilen und temporären Spielaktionen ein komplexes Spielmilieu schaffen, eine "'Kinderöffentlichkeit', die Politik, Kultur, Technik, Arbeitswelt, Sport, Spiel usw. als Themen der Kinder- und Jugendkulturarbeit vereint, zugunsten vieler verschiedener, aber jeweils biographisch relevanter Bildungsverläufe" (Pädagogische Aktion 1988 b, 3). Sie arrangieren "Raum, Zeit und Zeug" zum Spielen, organisieren Spielideen und -projekte wie zum Beispiel die "Spiellandschaft Stadt" und ihr "persönliches Lieblingsprojekt", nämlich die "Spielstadt Mini-München" jeweils als Ferienspiele (Pädagogische Aktion 1988 a). Sie arrangieren im Stadtteil Rahmenbedingungen, innerhalb derer die Kinder etwas inszenieren können. Die MitarbeiterInnen der Pädagogischen Aktion dokumentieren ihre Arbeit ausführlich und gelten als PromotorInnen der "kulturpädagogischen" Ausrichtung Offener Arbeit mit Kindern.


Weiterführende Literatur

Hier sind vor allem die reichhaltigen Kulturpädagogischen Lesebücher der Pädagogischen Aktion München zu empfehlen, vor allem

● Kulturpädagogisches Lesebuch 2 (über die Aktion "Mini-München") und

● Kulturpädagogisches Lesebuch 3 (Spielen in der Stadt)

Es ist sinnvoll, die Literaturliste der Pädagogischen Aktion anzufordern (Reichenbachstr. 12, 80469 München).

Da viele der ständigen AutorInnen der Zeitschrift "Spielraum und Freizeitwert" Mitglieder im Verein "Spiellandschaft Stadt" sind, findet man in dieser Zeitschrift häufig Anregungen für diese Art von pädagogischem Arrangement.


e) Organisierte Gruppen-Ferienfahrten

Viele Jugend- und Kinderhäuser, Jugendämter, Freizeitzentren und Kinderhäuser veranstalten Ferienfahrten für Kinder, meist in den Sommerferien. Sie wollen damit ihre Arbeit bereichern und den Kindern Lernmöglichkeiten außerhalb des Alltags bieten.

Darüber hinaus hat sich inzwischen ein regelrechter "Reisemarkt" entwickelt: (Halb-)kommerzielle Jugendreise-Unternehmen "verkaufen" einzelnen Kindern und Jugendlichen oder Gruppen und auch Trägern der Jugendhilfe ihr Personal, ihre Organisation und ihre Erfahrung. Wer sich also mit einer Ferienfreizeit überfordert fühlt, der kann mit Gruppenreiseorganisationen zusammenarbeiten. Die Unternehmen "für Junge Reisen" (wie sie sich häufig nennen), übernehmen dann die Hauptarbeit an der Reisevorbereitung und je nach Wunsch auch die Durchführung der Freizeiten. Fast in jeder größeren Stadt gibt es kommerzielle Jugendreiseveranstalter, deren Adressen man aus den Telefonbüchern entnehmen kann.


Weiterführende Literatur

Die Literatur zur Organisation von Kinder- und Jugendfreizeiten ist reichhaltig. Pädagogische Aspekte beschreiben:

● Homfeldt, Hans G.; Lauff, Werner : Erziehungsfeld Ferienlager. München 1979 (wird immer wieder neu aufgelegt)

● Schilling, Johannes: Planung von Ferienlagern und Freizeiten. Ein Ratgeber für Gruppenleiter München 1981


Folgerungen für die pädagogische Praxis

Die Offene Arbeit mit Kindern ist, wie die Auffächerung der Arbeitsbereiche zeigt, längst kein homogenes Gebilde mehr. Es kommen neue Arbeitsfelder hinzu und die Abgrenzung zu kommerziellen Angeboten für Kinder fällt manchmal schwer. Zu der pädagogischen Arbeit auch innerhalb der verschiedenen Arbeitsbereiche sind einige kritische Anmerkungen zu machen:

● Die häufig praktizierte "Angebotsorientierung" der Offenen Arbeit läßt oft nicht zu, daß die PädagogInnen viel mehr als die Namen der Kinder und vielleicht noch ihre Adresse kennen: Wenn man zum Beispiel Werkgruppen organisiert, hat man alle Hände voll zu tun, den Kindern die Arbeiten zu erklären, Material zu besorgen und aktuelle Konflikte zu schlichten; für persönliche Gespräche, aus denen man Informationen über die Kinder und ihre lebensweltlichen Hintergründe ziehen könnte, bleibt da kaum Raum.

● Die Offene Arbeit mit Kindern in den Häusern der Offenen Tür ist veränderungsbedürftig, zum Beispiel im Hinblick auf die unangemessene Festlegung der Räume (Funktionsräume, die nicht verändert werden dürfen, wenig Rückzugsmöglichkeiten u.a.), die starren zeitlichen und institutionsgebundenen Vorgaben sowie das mangelnde persönliche Engagement der MitarbeiterInnen für die älteren und damit auch "schwierigen" Kinder.

● Gerade den älteren Kindern (Teenies) ist nicht mit einer weiteren konzeptionellen Spezialisierung gedient. Sie brauchen flexible, mobile PädagogInnen, die die Begrenzungen der Einrichtungen und der Konzepte überwinden. Wir plädieren dafür, daß die PädagogInnen über die Gartenzäune ihrer Einrichtung und ihres bevorzugten Konzeptes schauen und sehen, was für die Kinder des Stadtteils oder der Region, in der sie leben, notwendig ist. Sie sollten dann je nach Situation kulturpädagogische, erzieherische und auch sozialarbeiterische Aufgaben übernehmen.

● Problembelastete Kinder, die nicht an spiel- und kulturpädagogischen Angeboten teilnehmen können oder wollen, brauchen manchmal auch eine Kinder-Straßensozialarbeit im Sinne einer Kinderschutzarbeit (Bienemann u.a. 1995).

● Wir beklagen nicht, daß die Grenzen zu kommerziellen und semi-kommerziellen Angeboten für Kinder verwischen. Wir plädieren jedoch dafür, daß sich die PädagogInnen ihre kommerziellen PartnerInnen genau anschauen. Sie sollten zum Beispiel beim "Einkauf" von Kinder-Reiseangeboten darauf achten, ob die Ziele und Inhalte der Angebote mit ihren Traditionen und ihren Konzeptionen in Einklang stehen. Sie können nicht darauf vertrauen, daß Kinder in den Freizeiten der etablierten VeranstalterInnen per se gut betreut werden. Denn alle Unternehmen engangieren ihre Freizeit-BetreuerInnen eigens für die Ferienfahrt und bereiten sie mit sehr unterschiedlicher Intensität auf ihre pädagogischen und organisatorischen Aufgaben vor (Lerche 1991). Das gilt ebenfalls für ortsgebundene Ferienspiele und Stadtranderholungen.

 

Hiltrud von Spiegel: Offene Arbeit mit Kindern - (k)ein Kinderspiel

 

 

 

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