ABA Fachverband
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

Der Verband für
handlungsorientierte Pädagogik 

 
 
 
 
     
       

Familiäre Bedingungen als Bezugspunkt Offener Arbeit mit Kindern

Familien sind trotz der zunehmenden Vergesellschaftung von Sozialisationsaufgaben der zentrale Bezugspunkt und Lebensort für Kinder und die Familie als "Sozialisationsinstitution" erfuhr durch die Zunahme der weiteren Sozialisationsinstanzen bisher keine Entlastung, weil insgesamt die Anforderungen an Erziehung und Reproduktion ihrer Mitglieder gestiegen sind. In den letzten zwanzig bis dreißig Jahren haben sich die Familien gravierend verändert, sowohl im Hinblick auf Familiengröße und -konstellationen als auch auf Lebensstile und Erziehungshaltungen. Wir haben in diesem Kapitel einige der Veränderungen zusammengestellt, die unseres Erachtens Auswirkungen auf das Kinderleben haben. Dabei nehmen wir in Kauf, daß die statistischen Angaben in der Fachliteratur von Autor zu Autorin schwanken und meist nur für das alte Bundesgebiet angegeben sind. Wir verzichten daher weitgehend auf Zahlen und zeigen lediglich Trends auf.


a) Geburtenrückgang

Die durchschnittliche Familie ist heute kleiner als früher. Im Jahre 1964 wurden in der Bundesrepublik Deutschland noch 1 Million Kinder geboren; im Jahre 1985 waren es nur noch 600.000. Der Rückgang bezieht sich vor allem auf die Zahl der Kinder in einer Familie, nicht so sehr auf die Anzahl der Familien, die überhaupt Kinder haben (ca. 20 % aller im Jahr 1970 geschlossenen Ehen sind kinderlos): schon 1985 hatte die Hälfte aller Familien in der BRD nur noch ein Kind. In der DDR hatte so gut wie jede Familie Kinder (Schmidt 1992, 150); nach der "Wende" ist auch hier ein Geburtenrückgang von 50 % zu verzeichnen. Vermutlich wird sich an diesem Trend in nächster Zeit wenig ändern. Daraus folgt, daß sich in absehbarer Zeit die Alterspyramide umkehrt: in 40 Jahren wird die Zahl der alten Menschen voraussichtlich die der Kinder und Jugendlichen um das Zweieinhalbfache übersteigen.

Über Gründe für den Rückgang der Geburten kann man nur spekulieren:

● Als häufigste Ursache wird in der Literatur der "Kostenfaktor Kind" ins Feld geführt: Engelbert rechnet in einer umfassenden Kosten-Nutzen-Analyse vor, daß ein Kind im Durchschnitt monatlich ca. 720,-- kostet (wobei begüterte Familien bis dreimal mehr für ihre Kinder ausgeben als SozialhilfeempfängerInnen). Von diesen Kosten trägt eine Familie ca. zwei Drittel, der Staat ca. ein Drittel (Engelbert 1992). Zusätzlich müssen Familien mit Kindern fast immer Einbußen des Familieneinkommens hinnehmen, denn nahezu alle Frauen sind bis zur Geburt des ersten Kindes erwerbstätig. Zwei Drittel der Mütter geben ihre Arbeit auf, wenn sie Kinder unter 6 Jahren zu versorgen haben. Je höher also die Kinderzahl ist, desto "ärmer" sind die Familien. Die in der Regel besser verdienenden Väter unterliegen daher einem hohen Druck, das Familieneinkommen zu sichern. Den Frauen bleibt in dieser Situation die Erziehungs- und Hausarbeit; oft müssen sie dazuverdienen.

● Neben diesem "existentiellen" Faktor fanden wir auch (oft mit der impliziten oder expliziten Unterstellung eines "Egoismus" der Paare) Hinweise auf die gestiegenen Ansprüche an einen gewissen Lebensstandard oder auch Lebensstil, der aus obengenannten Gründen für Familien mit Kindern kaum zu halten ist. Viele der besser ausgebildeten Frauen entwickeln auch eigene Karrierepläne und Ansprüche der Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben. Wegen der Instabilität der modernen Institution Ehe müssen auch Mütter für ihre Alterssicherung selbst aufkommen. Beides ist unter den gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen (fehlende Betreuungsmöglichkeiten für Kinder) und aufgrund der geschlechtstypischen Rollenverteilung (die Männer halten sich mit der Erziehungs- und Hausarbeit immer noch ausgesprochen zurück) mit den Aufgaben und Einschränkungen einer Mutterschaft schwer zu vereinbaren.

● Ein weiterer Grund könnte sein, daß Frauen und Männer vor der engen Lebensform "Familie" und der dazugehörigen "endgültigen" Entscheidung für eine/n PartnerIn sowie der Verantwortung für Kinder zurückschrecken. Die Zahl der zerrütteten und geschiedenen Ehen könnte hier als warnendes Beispiel dienen.

● So gut wie gar nicht wird in der Öffentlichkeit diskutiert, daß ein Großteil der Paare ungewollt kinderlos ist und sich diesbezüglich teilweise umfassenden (und häufig erfolglosen) medizinischen und psychologischen Therapien unterzieht. FachärztInnen sprechen von bis zu 10 % ungewollt kinderloser Paare (mit steigender Tendenz), und die AdoptionsvermittlerInnen der Jugendämter berichten von umfangreichen Wartelisten für Adoptivkinder.

● Da Kinder aus ökonomischen Gründen (wie zum Beispiel der Altersversorgung) nicht mehr notwendig sind, liegen die Vorteile des Kinderhabens heute eher im "ideellen" Bereich. Eine höhere Lebensqualität, emotionale Bereicherung, "Lebenssinn" u.a. sind Erfahrungen, wegen derer man die aufgezählten Einschränkungen in Kauf nimmt. Viele junge Menschen leben aber heute selten mit Kindern in der Verwandtschaft oder Bekanntschaft zusammen und können so kaum aus eigener Anschauung entscheiden, was es bedeutet, Kinder zu haben.

Die Folgen des Geburtenrückganges bestehen für Kinder in erster Linie darin, daß sie innerfamiliär weniger InteraktionspartnerInnen finden. Es fehlen Geschwister und nur 5 % der Kinder leben ständig mit Großeltern zusammen. Die gesellschaftlichen Sozialisationsinstitutionen können den Verlust von älteren und jüngeren SpielgefährtInnen, mit denen sie wie mit Geschwistern beziehungsmäßig experimentieren könnten, bisher kaum ausgleichen, denn hier werden die Kinder meist in Alterskohorten zusammengefaßt.

Hinzu kommt, daß Kinder (wegen ihrer geringen Anzahl) im Alltag seltener auffallen und daher weniger berücksichtigt werden. War die Arbeitswelt in diesem Jahrhundert schon weitgehend kinderlos, so "stören" Kinder heute auch die neue Freizeitkultur.


b) Pluralisierung der Lebensform Familie

Immer weniger Kinder verbringen heute ihr ganzes Kinderleben in einer typischen, also einer Vater-Mutter-Kind(er)-Familie. Ein Viertel der Ehen auf dem Lande und jede zweite in Großstädten wird geschieden, häufig dann, wenn die Kinder noch klein sind. Jede dritte Heirat ist eine Wiederheirat. Viele Mütter entscheiden sich bewußt, ihre Kinder allein zu erziehen, andere "legalisieren" ihre Partnerschaft erst, wenn ein Kind geboren wurde, oder sie bringen ihre Kinder mit in eine spätere oder weitere Partnerschaft. Auf diese Weise werden etwa 12 % aller Kinder heute unehelich geboren und ein Viertel aller Jugendlichen hat zumindest zeitweise nur mit einem Elternteil zusammengelebt. Auch in der DDR wurde schon gegen Ende der 80er Jahre ca. jede dritte Ehe geschieden und ein Drittel der Kinder nichtehelich geboren. Generell sind Zahlen zu den Lebensverhältnissen jedoch nicht besonders aussagekräftig. Meist ist zum Beispiel nicht bekannt, wieviele Eltern getrennt leben, häufig werden unverheiratete Eltern nicht registriert und die Verhältnisse ändern sich im Laufe eines Kinderlebens oft mehrmals (Schweizer 1989, 114).

Das Modell der lebenslangen familialen Partnerschaft ist also aufgrund seiner relativen Erfolglosigkeit brüchig geworden. Schweizer (1989, 113) schreibt dazu, die "Krise der Familie" sei nicht gewollt, sie sei kein Resultat der Kritik dieser Lebensform, sondern eines der faktischen Unfähigkeit dazu. Einen wesentlichen Grund sieht er darin, daß eine Familie heute allein auf eine Liebesbeziehung aufgebaut und mit sehr hohen Ansprüchen besetzt wird. Der Beziehung zwischen den PartnerInnen wird alles untergeordnet, auch die Bedeutung von Kindern. Diese Beziehung ist aber angesichts der anhaltenden Diskussion des Verhältnisses zwischen den Geschlechtern störanfällig und zu wenig tragfähig, um das Kindeswohl zu garantieren. Als weitere Gründe nennen Hurrelmann und Pollmer (1992) die stärkere Beanspruchung der Erwachsenen durch ihre berufliche Arbeit, die konkurrierenden Freizeitinteressen und insgesamt die höhere Belastung des Zeit- und Finanzbudgets in West- wie in Ostdeutschland.

Viele Kinder leben daher in sogenannten Ein-Elternteil-Familien oder Stieffamilien und sie müssen lernen, zwischen biologischer und sozialer Elternschaft zu unterscheiden. Eltern und auch gesellschaftliche Instanzen erwarten von ihnen, daß sie solche Wechsel der Lebensformen akzeptieren und verarbeiten. Sie sollen neue soziale Bindungen und Beziehungen aufbauen und die Beziehungen zu ihren getrennt lebenden Elternteilen aufrechterhalten. Sie erleben von Anfang an, daß das Leitbild der bürgerlichen Kleinfamilie nicht mehr stimmt, und daß "Familie" eine zeitlich begrenzte Konstellation sein kann. Dabei lernen sie jedoch auch, daß man schwierige Situationen nicht hinnehmen muß, sondern daß man sich mit ihnen auseinandersetzen und sich notfalls aus ihnen befreien kann (Preissing 1989, 12).

Nicht alle Kinder bewältigen solche Wechsel ohne Probleme: Thole (1992, 158) zeigt an der nordrhein-westfälischen Statistik der Fremdunterbringungen auf, daß ca. 75 % der Kinder und minderjährigen Jugendlichen, die im Jahr 1985 außerhalb der eigenen Familie wohnten, zuvor in Ein-Elternteil-Familien lebten. Über die Folgen von Scheidungen für Kinder und Jugendliche gibt es in der Bundesrepublik bisher nur wenig empirische Untersuchungen. Offe faßt nach seiner Sichtung deutscher und amerikanischer Ergebnisse von Scheidungsfolgen zusammen, daß negative Folgen hauptsächlich "in den Bereichen der allgemeinen psychischen Angepaßtheit, des Selbstwertgefühls, der Schulleistungen, der Beziehung zu Gleichaltrigen und des abweichenden Verhaltens" auftreten können (aber nicht müssen). "Scheidungskinder" haben also im Durchschnitt ungünstigere Entwicklungschancen (Offe 1992, 41).


c) Probleme in und für Familien

Schwierigkeiten ergeben sich nicht nur für Kinder aus sogenannten unvollständigen Familien. Äußere Einflüsse wie die zunehmende Arbeitslosigkeit sorgen dafür, daß zu den häufig schon "jugendamtsbekannten" auch neue "Problemfamilien" hinzukommen. Bisher wies die Arbeitslosenstatistik nur einmal - im Jahr 1984 - das Alter und die Anzahl der Kinder aus, deren Eltern von Arbeitslosigkeit betroffen waren. Danach waren 6,7 %, bei den unter sechsjährigen sogar 11 % aller Kinder mit dem Problem konfrontiert (Büchel 1990, 54). Bisher gibt es kaum fundierte Untersuchungen über die Auswirkungen elterlicher Arbeitslosigkeit auf Kinder (Büchel 1990; Sünker 1992). Mit Vorbehalt läßt sich sagen, daß Kinder ähnliche, aber nicht übereinstimmende Symptome und Beeinträchtigungen im physischen und psychischen Gesundheitszustand zeigen wie ihre langfristig erwerbslosen Väter (Linnenbank 1987, nach Büchel 1990, 57). Kinder arbeitsloser Eltern zeigten zum Beispiel psychische Auffälligkeiten (Angstzustände, Schlafstörungen, motorische Unruhe, emotionale Labilität, Konzentrationsschwäche, Regressionen) und soziale Auffälligkeiten (Abbruch sozialer Kontakte, Angst vor Stigmatisierung, Verleugnung der Arbeitslosigkeit in der Familie, Distanzierung von den Eltern, Leistungsabfall, Delinquenz). Diese Auffälligkeiten sind überwiegend als psychosoziale Folgen der einschneidenden materiellen Einschränkungen in den Familien zu betrachten. Wie soziale Probleme - seien es Scheidung, Arbeitslosigkeit oder andere Schwierigkeiten - letztlich in den Familien bewältigt werden, hängt davon ab, über welche allgemeine und berufliche Qualifikation die Eltern verfügen, in welcher ökonomischen Lage sie sich befinden, wieweit sie sozial integriert und anerkannt sind und welche Möglichkeiten sie für sich nutzen, ihre Situation zu bearbeiten (Zenke 1985, nach Sünker 1992). Die Problemlösungskapazität von Familien ist schichtspezifisch unterschiedlich ausgeprägt. Das bedeutet, daß sich die Situation von Kindern aus ohnehin schon benachteiligten Familien häufig noch verschärft, wenn ihre Väter oder Mütter arbeitslos werden.

Auch in der DDR waren schichtspezifische Einflüsse wirksam. Wald schreibt dazu, daß der Zusammenhang zwischen der familiären Herkunft, dem Zugang zu Schulen und den Schulabschlüssen eher noch enger war als in der Bundesrepublik. Gerade die Angehörigen der aufgestiegenen Intelligenz ermöglichten ihren Kindern eine höhere Schulbildung. Kurz vor der Wende kamen 52 % der StudentInnen aus AkademikerInnenfamilien und vermutlich häufig auch aus FunktionärInnenfamilien (Wald 1992, 15)


d) Veränderungen der Erziehungshaltung

Obwohl sich die Rollenverteilung von Männern und Frauen bezüglich der Hausarbeit bisher wenig änderte (im Osten noch weniger als im Westen), hat doch ein Aushandlungsprozeß zwischen den Geschlechtern über die Verteilung der häuslichen Arbeit und der Kindererziehung begonnen. Frauen und Jugendliche arbeiten an der Revision traditioneller Rollenvorstellungen, an ihrer Befreiung aus autoritären Verhältnissen in Familie und Schule und streben - mit je eigenen Ausdrucksformen - nach mehr persönlicher Autonomie und Selbstentfaltung. Inzwischen haben sich die gesellschaftlichen Leitvorstellungen zum Erziehungsverhalten gewandelt. Eltern befehlen und unterweisen weniger und erklären und verhandeln häufiger. Die Novellierung des Elternrechts (1980) ist ein Indikator für Veränderungen der Erziehungsvorstellungen und des Generationenverhältnisses. Dort heißt es: "Bei der Pflege und Erziehung berücksichtigen die Eltern die wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis des Kindes zu selbständigem und verantwortungsbewußtem Handeln. Sie besprechen mit dem Kind, soweit es nach dessen Entwicklungsstand angezeigt ist, Fragen der elterlichen Sorge und streben Einvernehmen an" (§ 1626 Abs. 2 BGB).  

Daraus folgt für Kinder, daß sie mehr Rechte haben, daß die Eltern mit ihnen verhandeln und sie in Entscheidungen einbeziehen. Andererseits erleben sie auch, daß ihre Eltern in schwierigen und grundsätzlichen Situationen selbst Orientierungsschwierigkeiten haben. Vor allem in der DDR hatte die Familie für Kinder und Jugendliche eine ausgeprägte emotionale Stütz- und Orientierungsfunktion. Die Familie war "Gegenwelt" und "Nische". Die Kinder hatten meist ein positives, verständnisvolles und konfliktfreies Verhältnis zu ihren Eltern und vertrauten auf deren höhere Kompetenz zur Lebensbewältigung. Sie orientierten sich weniger an Gleichaltrigengruppen und Freundescliquen als westdeutsche Kinder und Jugendliche (Mehler, Winterhager-Schmid 1993, 25 f.). Daher sind besonders die ostdeutschen Kinder und Jugendlichen in den schwierigen Zeiten der Wende verunsichert und enttäuscht, weil sie erleben, daß ihre Eltern selbst unter Druck stehen und kaum noch ein Vorbild für ihre Suche nach Identität abgeben können. Das hat labilisierende und destabilisierende Konsequenzen für das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern. Gerade in einer gesellschaftlichen Krisensituation, in der sie wenig Zukunftsperspektiven entwickeln können, brauchen Kinder und Jugendliche bedeutsame personale Vorbilder, die ihnen helfen, die neue Vielfalt an Wahlmöglichkeiten zu durchschauen, die langfristige moralisch-soziale Orientierungen vermitteln und bei der Konstruktion von tragfähigen Lebenskonzepten helfen.


Folgerungen für die pädagogische Praxis

Auch in der Offenen Arbeit mit Kindern kann man nicht so tun, als hätten die Kinder kein soziales Umfeld. Wenn die PädagogInnen ihnen Hilfen zur Lebensbewältigung und zur Orientierung geben wollen, müssen sie wissen, wie die Lebenswelt ihrer AdressatInnen in materieller, sozialer und kultureller Hinsicht aussieht. Sie können aus der Kenntnis allgemeiner Trends Fragen an die Lebensverhältnisse "ihrer" Kinder stellen und aus den Ergebnissen ihrer Recherchen Folgerungen für ihre Arbeit ziehen.

● Aus der Verkleinerung der Familien ist abzuleiten, daß Eltern und darüber hinaus andere Erwachsene Funktionen übernehmen (müssen), die früher Geschwistern und anderen Verwandten, Nachbarn et cetera zukamen. Da sich Kinder große Familien wünschen (Ulich, Oberhuemer 1992), sollten PädagogInnen Kinderfreundschaften fördern, sowohl mit gleichaltrigen, als auch mit älteren oder jüngeren SpielgefährtInnen.

● PädagogInnen können auch in der Offenen Arbeit Kindern helfen, die Folgen von Familientrennungen für Kinder zu bearbeiten. Sie können ihnen vermitteln, daß es heute vielfältige Familienformen gibt und daß Kinder verschiedene vaterähnliche oder mutterähnliche Beziehungen haben können. Manchmal brauchen sie auch Unterstützung beim Akzeptieren ihrer familiären Realität.

● Bei der Beurteilung der Tragweite von Problemen sollten PädagogInnen erkunden, in welchen Familienstrukturen "ihre" Kinder leben und wie die jeweilige Familie auf Krisen und Probleme reagiert, welches Kommunikationsklima, welche Lebens- und Umgangsformen gepflegt werden. Auf dieser Grundlage können sie beurteilen, wie intensiv sie sich selbst einschalten und ob sie den Kindern und ihren Familien eine professionelle Hilfe beim Umgang mit den Problemen nahelegen beziehungsweise vermitteln.

● Kinder, die erleben, daß ihre Eltern selbst Orientierungsschwierigkeiten haben, suchen in MitarbeiterInnen der Offenen Arbeit prägnante Personen, die sie idealisieren können und die ihnen bei der schwierigen Arbeit am Aufbau ihrer Identität helfen. PädagogInnen sollten also nicht nur pädagogische und kulturelle "Angebote" vermitteln, sondern auch Beziehungs- und Identifikationsangebote machen.


Weiterführende Literatur

Statistische Daten und Aussagen zur Familienentwicklung in der Bundesrepublik stellen zusammen:

● Schweizer, Otto: Wandel der Kindheit. Ein problemorientierter Literaturbericht. In: Büttner, Christian; Ende, Aurel (Hrsg.): 1989, S. 105 - 123 (den gleichen Text verbreitet auch Donata Elschenbroich 1988, 1989)

● Christa Preissing: Wandlungstendenzen von Kindheit. In: Harms, Gerd; Mannkopf, Lutz (Hrsg.) 1989, 9 - 12

● Bertram, Hans (Hrsg.): Die Familie in Westdeutschland. DJI-Familien-Survey. Opladen 1991


Informativ zum Familiensystem in der ehemaligen DDR sind:

● Mehler, Frank; Winterhager-Schmid: Orientierungskrisen Jugendlicher in Ostdeutschland als Folgen des Individualisierungsschocks. In: deutsche jugend, Heft 1, 1993. S. 22 - 30

● Wald, Renate: Individuum und Kollektiv - Menschenbilder und Sozialisation in West und Ostdeutschland. In: KJuG, Heft 1, 1992, S. 12 - 16

● Bertram, Hans (Hrsg.): Die Familie in den neuen Bundesländern. DJI - Familie - Survey 2. Opladen 1992

Wie Kinder selbst ihre Lebensbereiche wahrnehmen und deuten, erfragten Andrea Ernst und Sabine Stampfel. Sie wählten aus dem umfassenden Katalog der Kinderkonvention der Vereinten Nationen neun Bereiche aus, recherchierten Hintergrundwissen (Fakten) und führten mehrstündige Gespräche mit Kindern über ihre Erfahrungen in Familie, Hort- und Schule, ihre Ängste und Hoffnungen:

● Ernst, Andrea; Stampfel, Sabine: Kinderreport. Wie Kinder in Deutschland leben. Köln 1991

 

Hiltrud von Spiegel: Offene Arbeit mit Kindern - (k)ein Kinderspiel

 

 

 

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