ABA Fachverband
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

Der Verband für
handlungsorientierte Pädagogik 

 
 
 
 
     
       

Giftige Pflanzen

Eine Broschüre "Giftpflanzen? Beschauen, nicht kauen" wurde vom Bundesverband der Unfallkassen herausgegeben. Diese Broschüre hat sich als gut geeigneter Ratgeber für Einrichtungen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, erwiesen. Die jeweilig aufgeführten giftigen Pflanzen sind mit Fotos versehen, die einen hohen Wiedererkennungswert haben. Beschrieben werden ferner mögliche Vergiftungserscheinungen. Die Broschüre begreift sich nicht als Aufforderung, alle Giftpflanzen im Einrichtungsumfeld zu eliminieren; vielmehr will sie informieren, damit junge Leuten Pflanzen - eben auch giftige - kennen lernen können. Lediglich Giftpflanzen entfernen und die Auseinandersetzung mit ihren vermeiden, halten wir aus pädagogischer Sicht für nicht verantwortlich. Anderenorts könnten giftige Pflanzen uninformierte Kinder nämlich stark gefährden. Die Broschüre kann über den jeweiligen Unfallversicherträger bezogen werden. Die Adressen findet man hier. Als PDF-Datei kann das 39-seitige Bändchen auch hier geladen werden.

Wer sich weitergehend mit der Thematik befassen will, kann dies mit dem Buch "Gifte der Natur" von Wesselin Denkow tun. Das Buch ist erschienen im Ennsthaler Verlag, Steyr. Es gibt es auch als Lizenzausgabe (Bechtermünz Verlag) und kann über den Weltbild Verlag in Augsburg bezogen werden.

Die WAZ vom 12. Oktober 2004 (msg) hat eine Übersicht über giftige Pflanzen veröffentlicht, die im Nachfolgenden zu finden ist.

Empfehlen möchten wir die Nutzung der Seiten Botanikus von Marina und Uwe Lochstampfer. Interessierte können bei Botanikus vorstehend abgebildete CD mit über 4.000 Fotos erwerben.

 



Interessant fanden wir ebenfalls den Hinweis im Netz der Zeitschrift "mein schöner Garten". Die Redaktion beruft sich bei ihrem Warnhinweis auf Aussagen des ABA Fachverbandes und gleichzeitig unterstützt sie seine Arbeit damit.


ABA Fachverband Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

 

In Pflanzen steckt auch Gift

Farbige Früchte und bunte Blüten - Gefährlichkeit oft unbekannt

Wer Samen und Pflanzen schon beim Kauf mit Warnhinweisen oder gar Totenkopf versehen findet, sollte Vorsicht walten lassen. Auch unter den Gewächsen, die keine Warnhinweise tragen, enthalten viele giftige Stoffe.

 

Bohnen: Sie sind zwar ein Lebensmittel, aber roh trotzdem giftig. Bohnen können schmerzhafte, blutige Durchfälle verursachen.

 

Buchsbaum: Eine sehr häufig vorkommende Garten- und Heckenpflanze, da er sich hervorragend für Formschnitt eignet. Unachtsam weggeworfener Buchsbaum-Heckenschnitt hat schon Weidevieh das Leben gekostet.

 

Cotoneaster (Zwergmispel): Ist giftig, hat aber kein hohes Gefährdungspotenzial.


Efeu: Gilt als giftig, nur wenige Vergiftungen sind bekannt. Efeu schmeckt sehr schlecht.

 

Eisenhut: Sie ist die gefährlichste Giftpflanze. Es gibt kein Gegengift, und das Gift kann über die Haut aufgenommen werden. Wenn also ein Kind die Blumen pfückt und zwischen seinen Händen zerquetscht, reicht das unter Umständen schon für die Intensivstation. Die Vergiftung ist darüber hinaus sehr schmerzhaft. Eisenhut wurde von den Germanen als Pfeilgift gebraucht.

 

Fingerhut: Ist als Giftpflanze bekannt. Gefährlich sind aber nicht die wenig giftigen Blüten, sondern eher die unscheinbare Blattrosette im ersten Jahr vor der Blüte. Sie hat den höchsten Giftgehalt.

 

Goldregen: Alle Teile der Pflanze sind giftig. Vergiftungsfälle gibt es in jedem Jahr, da die Pflanze im Garten sehr häufig ist.

 


Foto: © Uwe Lochstampfer (Botanikus.de)

Christrose, Nieswurz: Ist giftig, aber nur wenige Vergiftungen sind bekannt. Das könnte mit der winterlichen Blütezeit zusammenhängen.

 

Herbstzeitlose: Gehörrt zu den lebensgefährlich giftigen, herbstblühenden Krokussen. Kinder werden von den Samen angezogen, die man in der Hand rasseln hören kann.

 


Foto: © Gabriele Jeschinsky auf GartenDatenbank.de

Immergrün: Beliebter, aber giftiger Bodendecker. Krabbelkinder sind gefährdet.

 

Kartoffel: In allen grünen Teilen giftig, besonders in den Sprossen der Knolle. Gekeimte Kartoffeln sind daher als Lebensmittel ungeeignet.

 

Kirschlorbeer: Die verlockend erscheinenden und auch wohl ganz gut schmeckenden Früchte enthalten Blausäure.

 

Krokusse: Alle Krokusse sind mehr oder weniger giftig. Die Zwiebel ist der giftigste Teil der Pflanze.

 

Liguster: Eine beliebte Heckenpflanze mit attraktiv aussehenden, aber giftigen Beeren. Auch der Rest der Pflanze ist giftig.

 

Foto: © Uwe Lochstampfer (Botanikus.de)

Maiglöckchen: Die giftigen Inhaltsstoffe ähneln denen des Roten Fingerhutes. Es handelt sich um herzwirksame Glycoside; der Hauptwirkstoff ist das Convallatoxin. Die Giftstoffe sind in allen Teilen der Pflanze enthalten, aber insbesondere die roten Beeren stellen für Kinder eine Gefahr dar. Auch Blumenwasser in dem Maiglöckchen gestanden haben nimmt die Gifte auf. Es hat schon starke Vergiftungen und Todesfälle gegeben, nachdem Kinder dieses Blumenwasser getrunken haben. Ein Grund, insbesondere für Familien mit Kindern, keine Maiglöckchen in der Vase zu halten. Die Vergiftungserscheinungen sind Übelkeit und Erbrechen, Sehstörungen, Durchfälle und Schwindelgefühl. Bei starker Vergiftung kommt es zu Herzrythmusstörungen. Der Tod tritt durch Herzstillstand ein. Glücklicherweise sind starke Vergiftungen selten, da die Giftstoffe vom Körper schlecht aufgenommen werden. Text: © Uwe Lochstampfer (Botanikus.de)

 

Narzisse: Ihre Zwiebeln sind unbekömmlich.

 

Foto: © Holger Duty auf Fotonatur.de

Pfaffenhütchen: Gehört zu den sehr gefährlichen Pflanzen zumal die stark giftigen Früchte schön bunt aussehen.

 


Foto: © Gabriele Jeschinsky auf GartenDatenbank.de

Küchenschelle: Diese Pflanzen sowie alle Anemonenarten, ob wild oder Zierpflanze, sind giftig; gefährliche Vergiftungen sind selten.

 

Rittersporn: Enthält in geringerer Menge die gleichen gefährlichen Inhaltsstoffe wie der Eisenhut.

 

Rizinusbaum, Wunderbaum: Bei uns meist als einjährige Pflanze aus Samen gezogen. Komplett giftig und sehr gefährlich. Die Samen sind ungefähr so groß wie dicke Bohnen; die Pflanze wird in einem Jahr bis zwei Meter hoch. Bereits ein gut zerkauter Samen kann ein Kind töten.

 

Tollkirsche: Alle Pflanzenteile sind sehr giftig. Vor allem kleine Kinder sind versucht, die kirschenähnlichen Beeren zu probieren. Bereits kleine Mengen der Pflanze können tödlich sein. Die Vergiftungserscheinungen äußern sich zunächst in Hautrötung, Pupillenerweiterung, Beschleunigung des Herzschlags, Wärmestau, Beschwerden beim Wasserlassen und Obstipation. Bei höheren Mengen kommt es zu zentraler Erregung (Unruhe, Tobsuchtsanfälle), später zu Erschöpfung und Schlaf und schließlich Atemlähmung.

 

Die supergrüne Wohnung kann auch ihre Tücken haben - Wirkstoffe in unterschiedlicher Konzentration

Auch Gewächse im Wohnbereich - etwa die Blumen auf der Fensterbank oder die Kübelpflanze in der Zimmerecke können giftige und allergieauslösende Stoffe enthalten.

 

Alpenveilchen: Das Gift der Pflanze steckt vor allem in ihrer Knolle.

 


Foto: © Uwe Lochstampfer (Botanikus.de)

Becher-Primel: Allergieauslösende Teile dieser Pflanze sind besonders die Härchen an Blättern, Blüten und Stängeln.

 

Dieffenbachie: Gehört zu den Aronstabgewächsen; alle Pflanzenteile, besonders aber die Blätter sind giftig. Starke Wirkstoffschwankungen möglich. Achtung: Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Dieffenbachie-Typen!

 

Engelstrompete: Ein harmloser Name für ein sehr giftiges Gewächs.

 


Foto: © Uwe Lochstampfer (Botanikus.de)

Korallenbäumchen: Alle Pflanzenteile dieser Topfpflanze für Zimmer und Wintergärten sind giftig. Besonders die unreifen Beeren gelten als giftig; reife Beeren werden als gering giftig bis ungiftig eingestuft.

 

Madagaskar-Immergün: Besonders die Wurzeln, aber auch die übrigen Teile dieser Topf-Zierpflanze gelten als giftig.

 

Oleander: Blüht als zimmerhohe Kübelpflanze in Wintergärten und auf Terrassen und Balkonen. Alle Teile der Pflanze, besonders aber die Blätter und während der Blütezeit die Samen gelten als giftig. Rot blühende Pflanzen sollen höhere Gehalte an toxischen Inhaltsstoffen als solche mit weißen Blüten aufweisen.

 


Foto: © Uwe Lochstampfer (Botanikus.de)


Riemenblatt (Klivie):
Die giftigen Stoffe stecken bei dieser Zierpflanze besonders in den Blättern und dem zwiebelartig verdickten Stamm.

 


Foto: © Uwe Lochstampfer (Botanikus.de)


Wandelröschen:
Unreife und reife Beeren sowie die Blätter und Blüten sind die giftigen Teile dieser Pflanze.

 


Foto: © Uwe Lochstampfer (Botanikus.de)

Weihnachtsstern: Diese Pflanze aus der Familie der Wolfsmilchgewächse gibt es in zahlreichen Kulturformen mit verschiedenen Farben der Hochblätter und auch unterschiedlichen Wirkstoffgehalten. Allen gemeinsam ist der giftige, stark hautreizende weiße Milchsaft, der besonders gefährlich wird, wenn er ins Auge gerät. Auch Blätter und Blüten der Pflanze enthalten giftige Stoffe. Die gärtnerischen Sorten des Weihnachtssterns gelten aber als überwiegend ungiftig bis gering toxisch.

 



Der Botanische Garten der Ruhr-Universität Bochum hat eine umfangreiche Liste giftiger Pflanzen ins Netz gestellt. Diese sind jeweils mit hilfreichen Abbildungen und Beschreibungen versehen. Bei Interesse bitte vorstehenden Link anklicken!

Antworten für den Notfall

In allen Fragen zum Thema Vergiftungen, die durch Pflanzen und auch Pilze hervorgerufen werden können, gibt die Informationszentrale gegen Vergiftungen in Bonn unter der Rufnummer 0228/19240 rund um die Uhr Auskunft. Interessant könnte auch diese Seite sein.

 

Ungiftiges Grün auf einen Blick

Natürlich gibt es viele Möglichkeiten, den Garten zu bepflanzen. Die Informationszentrale gegen Vergiftungen der Universität Bonn hat eine Liste weitgehend harmloser Pflanzen, Pflanzenteile und Früchte zusammengestellt.


Berberitze, Blutpflaume, Dattelpalme, Deutzie, Falscher Jasmin, Felsenbirne, Ficusarten, Flieder, Fuchsie, Gänseblümchen, Geranie, Grünlilie, Gummibaumarten, Hartriegel-Arten, Hibiskus, Judenkirsche, Kapuzinerkresse, Kornelkirsche, Lampionblume, Maulbeeren, Mehlbeeren, Osterkaktus, Pelargonie, Pfeifenstrauch, Rosen, Rotdorn, Sanddorn, Schlehe, Stiefmütterchen, Usambaraveilchen, Veilchen, Wachsblume, Weihnachtskaktus, Weißdorn, Zierkirsche, Zierpflaume, Zierquitte.

 

Empfehlung des ABA Fachverbandes

Der ABA Fachverband schließt sich ausdrücklich der Position der Unfallkassen an: Nicht die Entfernung (Eliminierung) giftiger Pflanzen ist pädagogisch sinnvoll, sondern vielmehr die Auseinandersetzung mit ihnen. Pädagoginnen und Pädagogen haben zu entscheiden, ob sie Pflanzen, mit denen ein gewisses Risiko einhergeht, in ihrer professionellen Umgebung dulden wollen oder nicht. Viele Faktoren kommen dabei zusammen, etwa das Alter der Kinder, die Intention der Einrichtung und anderes mehr. Kinder dürfen auf keinen Fall in der Illusion aufwachsen, das Leben sei "idiotensicher", im Gegenteil müssen sie lernen, von welchen Dingen ihnen Gefahr droht. Gewiss haben einige Pflanzen, wie etwa der Eisenhut oder das Maiglöckchen, in der Arbeit mit Kindern nichts zu suchen. Andererseits kann auch überlegt werden, gezielt einen Giftgarten anzulegen, um den Erfahrungsschatz der Kinder unter gezielter Anleitung kompetenter MitarbeiterInnen zu erweitern; dies ist beispielsweise im Jugendzentrum im sauerländischen Attendorf geschehen.

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 8. Mai 2009

 

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