ABA Fachverband
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

Der Verband für
handlungsorientierte Pädagogik 

 
 
 
 
     
       

Artgerechte Tierhaltung


Foto: Pixelio

Tierschutz - und dazu gehören auch Aspekte der artgerechten Tierhaltung - sollte nicht wichtiger genommen werden als eine kindergerechte Stadtplanung.  Allerdings sollten auch die Bedürfnisse der Tiere bei Planung und Gestaltung eines pädagogisch betreuten Spielplatzes so weit wie möglich berücksichtigt werden.  Unter artgerechter Tierhaltung wird dabei keineswegs verstanden, dass die Haltungsbedingungen den Gegebenheiten von freigebenden Tieren entsprechen. Ausschlaggebend ist vielmehr, dass die Tiere ein artgemäßes Verhalten und keine übermäßige Krankheitsauffälligkeit aufweisen. Die folgenden Grundsätze lehnen sich weitgehend an die vom europäischen Dachverband für Stadtbauernhöfe (European Federation of City Farms) erarbeiteten Empfehlungen an:

1.      Grundsätze zur Vermeidung von Hunger Durst und Unterernährung

  • Alle Tiere sollen während der Vegetationssperiode Zugang zu Weideflächen haben, soweit es das Wetter und die Bodenbeschaffenheit zulassen.
  • Die Tiere sollen jederzeit Zugang zu sauberem Wasser haben, am besten über mehrere Wasserstellen (wegen der Rangordnung in einer Herde).
  • Bei Fütterung im Haus muss genug Futterfläche bereitstehen, damit auch rangniedere Tiere versorgt sind.

2.      Grundsätze zur Unterbringung

  • Die Unterkünfte müssen Beschäftigung und artgemäßes Verhalten der Tiere zulassen.
  • Es muss genug Raum für die Tiere sein, um sich hinzulegen, sich umzudrehen, sich zu strecken etc.
  • Die Innenwände sollten leicht zu säubern und zu desinfizieren oder leicht zu ersetzen sein.
  • Die Unterkünfte sollten bei plötzlichem Einbruch von schlechtem Wetter schnell erreichbar sein.
  • Sie sollten ausreichend belüftet sein, aber Zugluft ausschließen.
  • Durch Drainage und Einstreu ist für einen trockenen Stand- bzw. Liegeplatz zu sorgen.
  • Bei hohem Publikumsverkehr muss genug Platz sein, damit sich die Tiere zurückziehen können.
  • Niemals: Daueraufenthalt von Tieren nur in Häusern!
  • Trächtige bzw. werfende Tiere sollten einen abgetrennten Platz haben.

3.      Grundsätze zur Vermeidung von Schmerzen, Verletzungen und Krankheiten

  • Eine ausgewogene Ernährung und genügend Frischfutter sind auch bei Tieren die besten Voraussetzungen für Gesundheit.
  • Eine separate Unterbringung von kranken Tieren ist jederzeit sicherzustellen.
  • Die Unterkünfte sollen einfach zu säubern sein und gelegentlich desinfiziert werden.
  • Zur Markierung der Tiere sind keine Brandeisen zu verwenden.
  • Unterkünfte und Gehege sollen so konstruiert sein, dass eine Verletzungsgefahr der Tiere möglichst ausgeschlossen ist.

4.      Sonstige Grundsätze

  • Einzelhaltung von Tieren ist zu vermeiden. Bei Einzelhaltung ist zu gewährleisten, dass das Tier Anteil an menschlichen Aktivitäten auf der Farm nehmen kann und nicht isoliert steht.
  • Bei Gruppenhaltung muss genug Platz zur Verfügung stehen, dass sich natürliche Rangordnungen entwickeln und verändern können.
  • Auslauf bzw. Koppel sollen nicht versumpft sein bzw. sumpfige Steilen sollen umgehbar sein (auch bei Schweinen), insbesondere bei angeketteten Tieren.
  • Soweit auf der Koppel kein Unterstand vorhanden ist, sollten Tiere bei schlechtem Wetter schnell in die Unterkünfte geführt werden können.
  • Ständiger Aufenthalt in der Nähe von belebten Straßen ist zu vermeiden.
  • Ziegen brauchen besonders viel Auslauf und nach Möglichkeit Felsen zum Klettern,
  • Künstliches Licht bei der Hühnerhaltung darf den Tag nie auf länger als 16 Stunden ausdehnen.  Gehörnte und hornlose Tiere sollen nicht zusammengehalten werden.
  • Bei der Trennung oder Zusammenführung von Teilgruppen einer Art sind die "sozialen Gruppen" zu beachten.

5.      Orientierungswerte für den Raumbedarf

Als Orientierung für den Flächenbedarf der gängigsten Tierarten können die Werte aus der folgenden Tabelle herangezogen werden.  Im Einzelfall ist natürlich immer auch die Größe der Tiere entscheidend.  Die Werte sind maßgeblich für eine Dauerhaltung.  Für eine Übergangszeit sind auch geringere Werte akzeptabel.

Tierart

Käfig, Voliere, Haus

Auslauf, Gehege

 

 

 

 

Mindestfläche

Fläche pro Tier

Mindetfläche

Fläche pro Tier

 

m2

m2

m2

m2

Mäuse, Hamster

1

 

0,2

0,5

Ratten, Rennmäuse

2

0,4

0,6

1

Meerschweinchen

5

0,4

0,6

1

Kaninchen

5

0,4-0,7

0,7

1-1,5

Wellensichtiche

 

 

1

 

Chinchillas offene Haltung

möglichst

ganze

Raumhöhe

keine

Schafe

30

2

3

10

Ziegen

50

1,5

3

20

Schweine

50

3

6

20

Pony, Esel

300

6-8,5

8,5

100

Rinder

200

4-6

10

100

zusätzlich empfohlene Weidefläche für Großtiere

1000

 

 

200-400

Hühner


gehegefreie Haltung

0,2
 möglich

2
möglichst ganze


Raumhöhe

Der Bedarf an Lagerfläche wird oft unterschätzt; er beträgt bei monatlicher Lieferung von Heu und Stroh bzw. Einstreu je nach Ballendichte:

ca. 5-10 m³             je Pony/Esel ;
ca. 2- 4 m³             je Ziege/Schaf/Schwein;
ca. 5-10 m³             für alle übrigen Tiere zusammen;

bei längerfristiger Lieferung entsprechend mehr. Eine durchschnittliche Einrichtung benötigt erfahrungsgemäß insgesamt etwa 100 m³ Lagerfläche.

Quellen: Verein Leben mit Tieren e.V., Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, AID u. a.

Zur Gewährleistung einer artgerechten Tierhaltung empfiehlt sich auf jeden Fall die Einstellung einer Fachkraft mit Erfahrung in Tierpflege oder tierpflegerischer Ausbildung.

Zusammenstellung von Maritta Giermann, Oliver Ginsberg, Annett Rose und Martyn Sorge - AkiB (Berliner Dachverband)

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