ABA Fachverband
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

Der Verband für
handlungsorientierte Pädagogik 

 
 
 
 
     
       

Im Verbieten sind sie groß ...

Rechte Themen: Kopftuch, Minarett, Beschneidung 


Von Lutz Debus


Langsam wird es langweilig mit den Minarett-Verbotsschildern zu jedem Wahlkampf. Markus Beisicht, Vorsitzender der rechtsradikalen Organisation Pro Köln, wird nun aber endlich ein neues Thema ausschlachten können. Geliefert hat es das Landgericht Köln mit seinem Zipfel-Urteil. Beschneidungen zu religiösen Zwecken haben die Richter der Domstadt untersagt. Die Rechtskrakeeler werden umgehend reagieren. Wahrscheinlich sind die Plakate mit blutverschmierten Scheren und genitalverstümmelten Jungs bereits in Druck. Rabiate Rabbis und muffige Muftis starren dann von großformatigen Werbetafeln gierig auf des Knaben Wunderhorn. Parteigänger der Pro-Bewegung werden, um den Konflikt um das Abendland-rettende Häutchen weiter aufzuheizen, ihre intakten Geschlechtsteile vor Versammlungsorten militanter Islamisten im Wind baumeln lassen, um pressewirksame Zwangsbeschneidungen zu provozieren. Gegen das, was uns erwartet, war die Randale zwischen Pro-NRW-Volksgenossen und Salafisten vor der letzten NRW-Wahl ein Ponyhof.

Tatsächlich unterscheiden sich die Weltreligionen am kleinen Unterschied fundamental. Während bei Juden und Muslimen geschnibbelt wird, was das Zeug hält, vergreifen sich Vertreter christlicher Glaubensgemeinschaften niemals an den Geschlechtsorganen kleiner Jungs, zumindest nicht chirurgisch. Deshalb bietet sich diese archaische Form der Religionsausübung auch jetzt im Sommerloch so gut an, als Schwein durch das feuilletonistische Dorf gejagt zu werden. Die beiden anderen mosaischen Religionen, die sich ansonsten gern spinnefeind sind, wurden aber auch schon früher von Christen misstrauisch betrachtet. Mitteleuropäische Tierschützer protestieren gegen das Schächten, kaufen aber gern Fleisch aus Massentierhaltung und Schlachtfabriken. Muslimische Frauen, die sich verschleiern, werden von Männern übelst unterdrückt, erklären uns manche Medien und Gesetzgeber. Christliche Frauen, die völlig unverschleiert zuweilen schon mal unfreiwillig in der Sexindustrie arbeiten, nimmt der Schleierverbieter hingegen billigend in Kauf. Es scheint wirklich zwei Götter zu geben auf dieser Welt. Und es gibt ein Wort, das diesen Zustand beschreibt: bigott.


Quelle: www.trailer-ruhr.de vom 27. Juli 2012


Der Autor lebt in Neuss. Er hat uns seinen Text freundlicherweise zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.

 

Einrichtung dieser Seite: 3. August 2012

 

 

 

 

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