ABA Fachverband
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

Der Verband für
handlungsorientierte Pädagogik 

 
 
 
 
     
       

Begründung für die Zurücknahme eines Antrags zum "Pakt mit der Jugend 2010"

Ein Dokument zum Umgang mit Projektanträgen

Der Dortmunder Jugendhilfeträger „Erleben Lernen Erfahren“ zieht seinen Antrag an das Land im Rahmen des „Pakts mit der Jugend“ zurück

In dem Schreiben an das Landesjugendamt Westfalen-Lippe bezieht Stefanie Janne Klar vom ELE e.V. Stellung, weshalb der erlebnispädagogische Verein aus Dortmund erstmalig einen Antrag an das Land zurückziehen muss, der Kinder und Jugendliche über handlungsorientierte Arbeit hätte fördern können – und sich zugleich gezwungen sieht, den Bereich der Kinder- und Jugendprojektarbeit nach jahrelangem Kampf um finanzielle Mittel aufzugeben.

Janne Klar möchte dadurch exemplarisch auf die derzeitige Schieflage hinweisen, die an etlichen Stellen beobachtet werden kann: Auf der einen Seite ist der Bedarf nach professioneller Förderung von benachteiligten Kindern und Jugendlichen größer als je zuvor, auf der anderen Seite ziehen sich engagierte freie Träger wie der Verein „Erleben Lernen Erfahren“ zurück, die den Bedarf decken könnten.

Beweggründe werden erläutert, um auf Missstände und untragbare Rahmenbedingungen in der Förderungslandschaft in Land und Kommune aufmerksam zu machen und den Fachverband dabei zu unterstützen, Änderungen zu Gunsten von Kindern und Jugendlichen herbeizuführen.

Die NAGEL-Redaktion bedankt sich für die freundliche Genehmigung, das Schreiben in dieser Form zu veröffentlichen. Das Schreiben wurde im ebenfalls im Extrablatt 2/2010 des ABA Fachverbandes am 30. April 2010 veröffentlicht.

 

An den Landschaftsverband Westfalen-Lippe

- Landesjugendamt -


Begründung für die Zurücknahme des Antrags zum „Pakt mit der Jugend 2010“


Sehr geehrte …,

mit diesem Schreiben möchten wir dem Landesjugendamt gegenüber ausführlich begründen, weshalb der Verein „Erleben Lernen Erfahren e.V.“ (ELE) aus Dortmund erstmalig einen Projektantrag zurückziehen und zugleich den Bereich der Projektarbeit für Kinder und Jugendliche aufgeben muss.

Der Verein fördert, wie Sie wissen, bereits seit 1997 Kinder und Jugendliche über handlungsorientierte Methoden aus der Spiel- und Erlebnispädagogik. Mehrtägige Klassenfahrtenprogramme für Schüler und Angebote zur Bewegungsförderung im Offenen Ganztag sind heute die Hauptarbeitsfelder des Vereins.

Bereits seit 2004 entwickeln hoch motivierte engagierte Mitarbeiter zusätzlich Konzepte für Kinder- und Jugendprojekte. Diese stärken benachteiligte Mädchen und Jungen in sozialen Brennpunkten in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und Sozialkompetenz und ermöglichen ihnen niederschwellige handlungsorientierte Lernangebote, vor allem in den Bereichen Gesundheit, Gewaltprävention und Berufsvorbereitung. Über die qualitativ hochwertige erlebnispädagogische Projektarbeit des ELE e.V. aus den letzten Jahren liegen dem Land zahlreiche Berichte und öffentlichkeitswirksame Dokumentationen vor.

Die Antragsstellung für die Projektarbeit erfolgte bislang beim Landesjugendamt, beim Ministerium und bei Stiftungen. Die zur Umsetzung erforderlichen Drittmittel wurden beim Jugendamt Dortmund oder über Spendenaufrufe eingeworben. Eigenmittel konnten, wenn auch nur sehr beschwerlich, aus den Einnahmen der Bereiche Klassenfahrten und Offenen Ganztagsschulen aufgebracht werden. Ich bezeichne es als beschwerlich, weil bei der Preisgestaltung der beiden Bereiche immer berücksichtigt werden muss, dass auch hier die Zielgruppe nicht zahlungskräftig sondern förderbedürftig ist – und zugleich die Einnahmen alle Kosten für die Vereinsarbeit decken müssen. Hierzu zählen unter anderem anfallende Kosten für Versicherungen, Miete für Büro- und Lagerräume, Büromaterialien, Spiel- und Klettermaterial, Mitgliedsbeiträge bei Dachverbänden, Ausbildung der Mitarbeiter und Sicherheitsmanagement, Fahrzeuge, Buchhaltungskosten, Strom, Gas, Computerwartung, Telefon, Internetseite, Leitung der Arbeitsbereiche etc. Die Anforderung, aus diesen Einnahmen zusätzlich noch die Verwaltungskosten zu decken, die für die Abwicklung der Kinder- und Jugendprojekte entstanden, und die bei der Mittelbeantragung keine Berücksichtigung finden, brachte den Verein in regelmäßigen Abständen in ernstzunehmende Existenznöte.

Die Aufforderung an das Jugendamt der Stadt Dortmund, eine Strukturförderung zur Unterstützung und zum Erhalt unserer Arbeit einzurichten, fand kein Gehör. Im Gespräch wurde uns nahegelegt, einen Bereich der Seniorentouristik aufzubauen oder auch eine kommerzielle Vermarktung unserer Angebote anzustreben, um die Kinder- und Jugendarbeit auf diesem Weg selbst zu refinanzieren. Beides entspricht jedoch weder der Ausbildung unserer Mitarbeiter, noch unserer pädagogischen Zielsetzung und Ausrichtung. 

Bis 2006 gab es die Bereitschaft der Projektmitarbeiter, ohne Festanstellung für den ELE e.V. zu arbeiten. Die Konzepte wurden ehrenamtlich entwickelt und dann auf Honorarbasis abgewickelt. Auch mit der Konsequenz, jeweils in der Zeit vor und zwischen der Beantragung bis hin zur Bewilligung ohne Einnahmen zu verbleiben. Dann entwickelte sich auf Grund des fortgeschrittenen Alters und der langjährigen Erfahrung der Mitarbeiter ein Mindestmaß an Sicherheitsbedürfnis. Der Verein benötigte auf der anderen Seite ebenso die Sicherheit, dass die langjährige Erfahrung in der Konzeptentwicklung und der Projektabwicklung erhalten bleibt.

Daher entschied sich der ELE e.V., Mitarbeiter anzustellen. Neben einem Grundvertrag für verschiedene, vor allem organisatorische Aufgaben im Verein, wurden je nach Projektförderungen Stunden für die Kinder- und Jugendprojektarbeit aufgestockt. Dies erforderte immer ein hohes Maß an Flexibilität für die Mitarbeiter, da z. T. mehrere Projekte parallel abgewickelt wurden. 

2008 lief ein über zwei Jahre finanziertes Jugendprojekt aus. Zeitgleich schlugen mehrere Versuche fehl, Fördergelder für weitere Kinder- und Jugendprojektarbeit zu akquirieren. Ein Projektantrag an eine große Stiftung wurde als durchaus interessant eingestuft. Nachdem drei Mitarbeiter über ein Jahr lang den Antrag angefertigt, kooperationswillige Partner in NRW akquiriert hatten etc., wurde der Antrag kurz vor geplantem Projektbeginn abgelehnt. Der Geschäftsführer wechselte unerwarteterweise und die Stiftung richtete sich inhaltlich neu aus. Einem sehr engagierten langjährigen Projektmitarbeiter mussten wir in Folge kündigen. Dieser stand dann in den nächsten Jahren auch nicht mehr für die beim Land beantragten Projekte zur Verfügung.

Abgelehnt wurde ebenso ein Jugendprojekt, was im Rahmen des Pakts mit der Jugend 2009 beantragt wurde, an dem zwei Mitarbeiterinnen ein Dreivierteljahr lang im Jahr 2008 Zeit und Energie investierten. Es war der Versuch, ein handlungsorientiertes Jugendprojekt zur Berufsvorbereitung ins Leben zu rufen, was von überregionaler Bedeutung und Nachhaltigkeit gewesen wäre. Das Projekt wurde am 17. März 2009 beantragt und am 28. August 2009 abgelehnt. Begründung: „Zur Förderung der Projekte, die im Rahmen des Paktes mit der Jugend gestellt wurden, standen mir nur begrenzt Mittel zur Verfügung. Ich war von daher gehalten, die Bewertungskriterien sehr strikt anzulegen. In Abstimmung mit der Obersten Landesjugendbehörde hab ich in den Kriterien der ‚Vermeidung der Konzentration der zur Verfügung stehenden Mittel auf einzelne Antragssteller’ sowie der ‚Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit’ besondere Geltung beigemessen.“

Im November erhielten wir die Information, dass nicht alle Gelder aus dem Fördertopf des Pakts mit der Jugend aufgebraucht wurden. Auch passte dies nicht zu den Anforderungen, die uns von Seiten der Dachverbände vermittelt wurden, die wiederum auf Gesprächen im Ministerium basierten: „Bitte Anträge einreichen, die von landesweiter Bedeutung sind, Leuchtturmprojekte, Nachhaltigkeit ist wichtig etc.“ Die Anforderungen wurden von uns erfüllt – die Höhe der Finanzierung entsprach dem dafür benötigten Aufwand. Es gab keine Anhaltspunkte für den Verein, dass es sich um Projekte bis zu einer Fördersumme von lediglich 15.000 Euro handeln sollte.

Auch ein größeres integratives Projektvorhaben, was von der Kommune finanziert werden sollte und kurz vor der Umsetzung stand, wurde auf Grund der Haushaltssperre in Dortmund wieder zurückgenommen. Für weitere gestellte Projektanträge erhielt der ELE e.V. Absagen, wie z.B. für die Beantragung bei der Initiative „Ich kann was!“, das Europäische Jahr 2010, Stadtförderpreis und auch für den Projektantrag beim Landesjugendamt in der Position 5, die unerwarteterweise gestrichen wurde. Die schlechte finanzielle Situation vieler Kommunen führt u. E. dazu, dass Gelder für Projekte dort eingespart werden, was zur Folge hat, dass eine Vielzahl von Trägern sich genötigt sieht, sich um die gleichen Geldtöpfe zu bemühen.

Meine Kollegin und ich haben dann noch mal den Versuch unternommen, ein Projekt über den Pakt mit der Jugend zu beantragen und eines über die Position 4.3. des Landesjugendamtes. Die Anforderungsprofile an die eingeplanten Mitarbeiterinnen im Projekt sind auf die Kompetenzen und Ausbildungen von mir und meiner Kollegin zugeschnitten.

Der Erhalt unserer Stellen ist uns leider nicht geglückt. Ende 2009 waren die Rücklagen aus den Arbeitsbereichen restlos aufgebraucht und die finanzielle Situation des Vereins erforderte neben materiellen Sparmaßnahmen die Kündigung meiner Kollegin. Nach 3,5 Monaten Arbeitslosigkeit wird sie Mitte April mit 30 Stunden außerhalb Dortmunds in einem anderen Arbeitsfeld tätig. Ihre Mitarbeit beim ELE reduziert sich insgesamt auf 10 Stunden. Sie ist in ihrer Zeitplanung und Flexibilität so stark eingeschränkt, dass sie für die Umsetzung des Projektes nicht mehr zur Verfügung stehen kann.

Ich habe seit Anfang Februar meine Stunden beim ELE e.V. auf 10 Stunden pro Woche reduzieren müssen und habe einen Job in der freien Wirtschaft angenommen. Die verbleibende Zeit beim ELE e.V. reicht lediglich aus, die Bereiche Klassenfahrten und Offene Ganztagsschule so zu unterstützen, dass diese stabil bleiben und wir unsere Infrastruktur nicht aufgeben müssen. Somit kann ich mich nicht mehr in die Kinder- und Jugendprojektarbeit einbringen – weder in der Konzeptentwicklung- und Umsetzung der Ideen noch in den verschiedenen Gremien und Netzwerken in der Kommune, die ich über Jahre aufgebaut habe.

Ihrer Aufforderung nach einer Begründung für den Einsatz von Personalkosten statt Honorarkosten möchte ich gern noch im Detail nachgehen, soweit sich dies nicht durch die vorhergehenden Beschreibungen bereits von selbst erklärt hat.

Die Umsetzung des beantragten Projektes erfordert den Einsatz von professionellen und ausgebildeten Pädagogen mit Hochschulabschluss. Zugleich erfordert sie intensive Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendarbeit und Wissen um die Struktur und die Kontakte des ELE e.V., Öffentlichkeitsarbeit, Wissen um den Umgang mit Menschen aus der freien Wirtschaft etc. Meine Kollegin ist Diplom-Sozialpädagogin (FH), hat sich zur Wellnesstrainerin (IST) weitergebildet, ist seit mehr als 12 Jahren für den ELE als Outdoor- und Ropes-Course-Trainerin tätig und entwickelt seit 2004 gemeinsam mit mir Konzepte für Kinder- und Jugendprojekte. Ich selbst bin Diplom-Pädagogin, verfüge über eine Zusatzausbildung Kommunikationspsychologie sowie eine Weiterbildung als Psychodrama-Praktikerin und arbeite seit 1996 als Spiel- und Erlebnispädagogin in verschiedenen Arbeitsfeldern. Wir beide kennen die Vereinsstrukturen sehr gut, verfügen mittlerweile über ausgezeichnete Kenntnisse zur Finanzabwicklung von Projekten, sitzen in den kommunalen Gremien zur Pflege der benötigten Netzwerke und verfügen über langjährige Erfahrung in der stadtteilbezogenen Jugendprojektarbeit. Wir kennen mögliche Projektpartner und ihre Bedarfe und pflegen seit mehreren Jahren den Kontakt zu kooperationsbereiten Unternehmern und Firmen aus der freien Wirtschaft, die für die Umsetzung des Projektes notwendig gewesen wären.

Wir bilden jedes Jahr freie Mitarbeiter im Bereich der Erlebnis- und Spielpädagogik aus. In der Regel sind dies Studenten, die kurz vor dem Studienabschluss stehen und extra für den Bereich der Klassenfahrten und der Offenen Ganztagsschule qualifiziert werden. Kenntnisse zum Projektmanagement liegen dort nicht vor. Es gibt ebenso keine Kenntnisse zu Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit, Verwaltung von Projektgeldern, Umgang mit Menschen in der Wirtschaft, Arbeit mit Jugendlichen und Eltern aus einem sozialen Brennpunkt etc. Der Einsatz von freien Mitarbeitern auf Honorarbasis wäre definitiv in diesem Projekt nicht möglich gewesen, wenn das Konzept in der angekündigten Qualität hätte umgesetzt werden sollen.

Der Begründung für einen Personaleinsatz möchte ich abschließend noch drei extrem hohe Hürden hinzufügen, die von einem Träger auf Dauer nicht überwunden werden können, der in seiner Grundstruktur nicht kommunal gefördert ist.

Die erste Hürde betrifft den Zeitraum der Bearbeitung eines Antrages. Zwischen der Abgabe eines schriftlichen Projektantrages bis zur Bewilligung liegt ein enorm großer Zeitraum. Die Vorbereitung und Erstellung des Antrages erfolgt in der Regel bereits noch mehrere Monate vor der Beantragung. Für diesen Bearbeitungszeitraum muss der Träger die finanzielle Verantwortung übernehmen und den Grundvertrag des Projektmitarbeiters aus Eigenmitteln aufstocken. Verfügt er nicht über die Rücklagen um ein Anstellungsverhältnis aufrecht zu erhalten, bleibt ihm nur die Kündigung. Der Projektmitarbeiter meldet sich arbeitslos und/oder wandert in Arbeitsfelder ab, die ihm eine Existenzgrundlage bieten. So ist es beim ELE e.V. Realität geworden.

Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass eine Neueinstellung für ein bewilligtes Projekt laut Richtlinien des Jugendförderplans nicht zulässig ist. Folge ist, dass es zu einer hohen Fluktuation und einem enormen Qualitätsverlust in den Kinder- und Jugendprojekten kommt, da Mitarbeiter nur für kurze Zeit beschäftigt werden können. Häufig sieht sich der Träger zudem gezwungen, schon vor der Projektbewilligung mit dem Projekt zu beginnen. Kontakte zu den Kooperationspartnern müssen gepflegt werden und Zeiten müssen im Detail abgeklärt werden, da auch der Partner das Projekt zeitlich und organisatorisch einplanen muss. Da dies nicht bezahlt wird, entstehen hier zusätzliche Kosten, die vom Landesjugendamt nicht berücksichtigt werden.

Vielleicht haben Träger, deren Arbeit strukturell gefördert witrd, die Chance, die Wartezeiten bis zum Projektbeginn zu überbrücken, um professionelle Mitarbeiter nicht zu verlieren. Was wiederum bedeutet, dass ein Träger, der keine Strukturförderung erhält, keine Chance hat, professionell Kinder- und Jugendprojektarbeit anzubieten. Denn alternativ kann dies nur über freie Mitarbeiter auf Honorarbasis erfolgen bzw. der Antragssteller muss mit stetigem Personalwechsel leben, was zumindest für unser Projektvorhaben einen enormen Qualitätseinbruch bedeutet.

Die zweite Hürde ist die Drittmittel-Akquisition. Durch die bedrohlichen Kürzungsmaßnahmen bei der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit in vielen Kommunen ist davon auszugehen, dass die möglichen 20 Prozent Drittmittel aus den Kommunen zukünftig kaum oder erheblich geringer fließen werden. Das Bemühen um Spendengelder ist sehr zeitaufwendig und mühselig, denn in der Regel fehlt das Geld für einen professionellen Fundraiser. Daneben bleibt die Möglichkeit der Beantragung von Drittmitteln bei Stiftungen. Hier ist ein Antrag zumeist nur dann sinnvoll, wenn ein Schreiben über eine Bewilligung der Hauptfinanzierung des Projektes vorliegt. Die Bewilligung von Stiftungen zieht sich zum Teil jedoch zu lange hin bzw. es gibt fixe Termine, an denen über Anträge entschieden wird, sodass mit dem Projekt zumeist erst begonnen werden muss, bevor eine Zusage über die Drittmittel eingeht. Das Risiko ggf. auf der Ausgabe sitzen zu bleiben, liegt nun beim Antragssteller. Und das Risiko ist derzeit erfahrungsgemäß sehr hoch. Davon abgesehen muss der Träger finanziell überhaupt in der Lage sein, das Geld vorzustrecken bzw. es im schlimmsten Fall selbst zu tragen. Wenn Letzteres nicht geht, muss das Projekt sogar inmitten der Durchführung abgebrochen und Verträge gekündigt werden.

Zuletzt führe ich noch die Hürde der 10 Prozent (bzw. bis zu dreißig Prozent) Eigenmittel auf, die mindestens eingebracht werden müssen, wenn Fördergelder beim Landesjugendamt beantragt werden. Die Preisgestaltung im sozialen Bereich in unseren anderen Arbeitsbereichen beispielsweise erlaubt es nicht, neben dem kostendeckenden Arbeiten so hohe Rücklagen zu bilden, dass die in der Jugendprojektarbeit anfallenden Verwaltungskosten dadurch noch aufgefangen werden könnten. Denn Projektarbeit kostet immer mehr, als in einem Antrag beantragt wird. Das liegt daran, dass keine Verwaltungskosten (wie z.B. Miete, Strom, Gas, Telefonrechnung etc.) geltend gemacht werden dürfen. Auch ein Erlebnispädagoge benötigt neben der Arbeit mit den Jugendlichen im Wald einen Tisch und einen Stuhl, einen PC, einen Drucker, ein Telefon etc. Spendenaufrufe und Elternbriefe können nicht handschriftlich erfolgen, ebenso wenig die Erstellung einer Pressemitteilung.

Professionelles Arbeiten erfordert eine gute Infrastruktur. Wird diese nicht von der Kommune gefördert, kann keine professionelle Projektarbeit umgesetzt werden, weil sie nicht finanziert wird.

Ich hoffe, dass aus meinem Schreiben hervorgeht, weshalb ich mich gezwungen sehe, den Antrag auf Gewährung einer Zuwendung für das Projekt „Lernen – Handlungsorientiert und lebenslang!“ (Position 4.3 Kinder- und jugendförderplan NRW) zurückzuziehen und hoffe, es ist deutlich geworden, welche Faktoren dafür ausschlaggebend waren.

Ich bedauere dies zutiefst, vor allem, weil es derzeit für uns bedeutet, dass wir die Kinder- und Jugendprojektarbeit im Ganzen einstellen müssen. Als besonders erschütternd empfinde ich dies, weil der Bedarf an guter Projektarbeit mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen sehr hoch ist und wir dem mit großem Engagement und Kompetenz hätten begegnen können.

Umso wichtiger ist mir, Ihnen ausführlich die Beweggründe zu schildern, anstatt mit einer kurzen Absage das Feld einfach zu räumen.

Ich werde das Schreiben dem ABA Fachverband Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V. zur Verfügung stellen. Der Verband ist mit der Politik im Gespräch und vertritt dort die Interessen seiner Mitglieder. Auch wenn es für die Jugendprojektarbeit des ELE e.V. in diesem Moment zu spät ist, sehe ich die Hoffnung, dass ich hiermit den Fachverband dabei unterstützen kann, auf Missstände und untragbare Rahmenbedingungen in der Förderlandschaft im Land und in den Kommune aufmerksam zu machen, ebenso möchte mitwirken, Änderungen zu Gunsten von Kindern und Jugendlichen herbeizuführen.

Mit freundlichen Grüßen

Stefanie Janne Klar
ELE e.V.

Dortmund, 8. April 2010

 

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 3. Mai 2010

 

 

 

 

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