ABA Fachverband
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

Der Verband für
handlungsorientierte Pädagogik 

 
 
 
 
     
       

Exemplarisch: Osterfeuer


Foto: Abenteuerspielplatz Oberkassel (Düsseldorf)

Pro Osterfeuer, aber richtig

Der Verein „Feuerpädagogik“ lädt dazu ein, auch dieses Jahr Gast bei einem der zahlreichen gepflegten Brauchtumsfeuer zu sein. Das Osterfeuer bietet eine der wenigen Gelegenheiten im Jahr „richtiges“ Feuer hautnah zu erleben.

In der Wohnung aus nachvollziehbaren Gründen hinter eine Glasscheibe verbannt und durch Umweltverbände und Ratsbeschlüsse in vielen Gemeinden wegen unsachgemäßen Gebrauchs verboten, steht der menschliche Feuergebrauch nun auch in Punkto Brauchtumsfeuer stark in der Kritik.

Der Verein „Feuerpädagogik“ fordert von allen Beteiligten Instanzen einen sachgerechten Umgang mit diesem Thema, weil er in der menschlichen Feuernutzung ein kulturelles schützenwertes Gut sieht. Die ordnungsbehördliche Verordnung vom 3. Januar 2005 der Stadt Dortmund zum Thema Brauchtumsfeuer hat den unsachgemäßen Gebrauch weitgehend eingedämmt, so dass man unter Beibehaltung von regelmäßigen Kontrollen davon ausgehen kann, dass umwelttechnische als auch sicherheitstechnische Richtlinien eingehalten werden.

Die Erkenntnisse des Umweltamtes in Bezug auf die erhöhten Feinstaubwerte an Ostertagen sind nach Ansicht der Vereins zweifelsohne zu bedenken, allerdings sind diese an, weil lediglich zwei nachweisbaren Tagen (1) (Ostersonntag und Ostermontag) und nur zu bestimmten Wetterlagen zu verzeichnen, zu verkraften.

Folgt man Prof. Goudsblom, so „ist die Menschheitsgeschichte undenkbar ohne das Feuer“ (2) und das Feuer elementarer Grundstein der menschlichen Zivilisation. Professor Bachelard hat in seinem Werk „Psychoanalyse des Feuers“ beschrieben, welch unermessliche Bedeutung das Feuer für die individuelle soziale Entwicklung eines jeden Menschen hat. (3) Dass mit weiterer Sanktionierung ein kulturelles Gedächtnis für ein Phänomen zerstört wird, welches nachweislich zur Menschwerdung führte, ist vielen Akteuren in dieser Debatte nicht bewusst. Neben der kulturhistorischen und der  zivilisationstheoretischen Ebene kommt der Bedeutung von offenen Brauchtumsfeuer noch eine Komponente hinzu: die pädagogische. Die Jahrzehntelange Tabuisierung des Feuerumgangs innerhalb der Erziehung hat dazu geführt, dass die Kompetenz mit Feuer umzugehen drastisch gesunken ist. Dem kann nicht durch weitere Verbote entgegengewirkt werden.

Aus den oben genannten Gründen darf es keine generelle Beschneidung von Brauchtumsfeuer geben. Damit Menschen und Tiere nicht zu Schaden kommen, spricht sich der Verein „Feuerpädagogik“ in aller Deutlichkeit für einen verantwortungsvollen und regelkonformen Umgang mit Feuer aus. Ordnungsbehördliche Regeln und ein verantwortungsvoller Umgang müssen eingehalten werden. Dies umfasst eine ordnungsgemäße Anmeldung, die Verwendung zulässigen Brennmaterials, die Umschichtung des Brennmaterials am Tag des Abbrandes, das Vorhalten von Löschmaterialien, Brandsicherheitswachen, sowie einen ordnungsgemäßen An- und Abbrand.

Tierschutz ja, Umweltschutz ja, Osterfeuer und Brauchtumspflege ja!

gez. Thomas von Hal (1. Vorsitz) und Johannes Lührs (Beisitzer)
Im Auftrag des Feuerpädagogik n.e.V.

Kontaktmöglichkeit:
feuerpaedagogik@online.de
Thomas von Hal
0177-6409824

(1) vgl. Studie des Umweltbundesamtes
(2) Goudsbloum, Johan: „Das Feuer in der Menschheitsgeschichte“, in: Kunst und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg): „Feuer“, Schriftenreihe Forum/Band 10, 2001, S. 91
(3) Bachelard, Gaston: „Psychoanalyse des Feuers“, 1985, Originalausgabe 1949, S. 13 ff.

Stellungnahme des Vereins "Feuerpädagogik" aus Dortmund vom 25. Februar 2010

 

Zur Position des ABA Fachverbandes konnten Sie sich bereits auf der entsprechenden "Feuer-Seite" informieren. Dort sind wir auch auf die die aktuelle Position des Tierschutzbundes und der Umweltverbände eingegangen. Der Kommentator der "Westfälischen Rundschau" vom 23. Februar 2010. Peter Ring, legt noch einmal nach: Für ihn gehört Feuer vollständig verbannt:


Schall und Rauch

2000 wilde Osterfeuer gab es mal in Dortmund. Das ist Geschichte. Mit Recht. Seit 2005 hat sich die Zahl der genehmigten Feuer auf 120 eingependelt. Das ist gut. Besser wäre nur noch, wenn es gar keine mehr gäbe.

Zwischen Sitten und Unsitten sind die Übergänge fließend. Alles nur eine Frage der Zeit. Was vor über 2000 Jahren einen tieferen Sinn besessen haben mag, ist 2010 nur noch Schall und Rauch. Sicher, Osterfeuer gehören zum Brauchtum, sind Volkssitte, sind für viele Gemeinschaften ein fester Termin im Kalender. Sicher, nicht nur für Kinder kann es schön sein, das Spektakel zu erleben - und manch einem wird warm ums Herz, wenn die Flammen lodern. Und ja, auch wenn Osterfeuer heute in den Kirchen ihren festen Platz haben, so gehen sie doch auf vorchristliche Traditionen zurück. Und auch die sind längst Geschichte.

Die Zeiten ändern sich. Wir leben in Zeiten, in denen Klimaschützer Alarm schlagen. Tag für Tag. Wir leben in Zeiten, in denen Umweltzonen ausgerufen und Partikelfilter eingebaut werden. Wir leben in Zeiten, in denen selbst Kinder wissen, dass Kohlendioxid & Co. die Luft verschmutzen und ihre Zukunft gefährden. Da passt es nicht ins Bild, tonnenweise und leichten Sinnes Holz zu verbrennen. Man muss noch nicht mal an die Kleintiere denken, die ihr Leben in den Flammen aushauchen. Der gesunde Menschenverstand liefert genug Argumente gegen Osterfeuer.

Westfälische Rundschau Dortmund, 23. Februar 2010 – Kommentar von Peter Ring


Dass eine vernünftige Brandschutzerziehung nur möglich ist über eine konkrete Beschäftigung mit Feuer, darüber ist sich der ABA Fachverband auch mit engagierten Brandschutzexperten, etwa dem engagierten Hauptbrandmeister Lutz Thormann von der Berliner Feuerwehrt einig: Je besser und vernünftiger man Risiken in das Spiel einbettet, umso nachhaltiger ihr Wert und Nutzen.

Lutz Thormann betreibt zusammen mit Thomas Kristandt im Auftrag der Berliner Feuerwehr eine Comicseite für Kinder im Netz. Darüber hinaus ist er bundesweit für vernünftigen Brandschutz in pädagogischer Intention aktiv.

 

 

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 26. Februar 2010

 

 

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