ABA Fachverband
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

Der Verband für
handlungsorientierte Pädagogik 

 
 
 
 
     
       

Gespräch mit Spielplatzpatinnen in Mülheim

Die Zusammenarbeit mit der Stadt wird von allen Gesprächsteilnehmerinnen als vorbildlich geschildert. Besonderes Lob erfährt dabei die Mitarbeiterin Elfriede Majer vom Amt für Kinder, Jugend und Schule, von den Patinnen freundschaftlich „Elfie“ genannt („Ohne die Initiativkraft von Elfie lief nix in Mülheim! Eine bessere Ansprechpartnerin kann man sich nicht wünschen!“). Sie sei immerzu verlässlich. Niemals müsse man auf eine „kompetente Antwort“ warten. Auch die regelmäßigen „Thementreffen“ stoßen auf besondere Zustimmung. Sie seien fundiert, gut vorbereitet und geeignet, die eigene Praxis vor Ort zu verbessern. Man gehe immer mit einem guten Gefühl und brauchbaren – vor allem pädagogischen – „Lösungen“ nach Hause.


Seit 1992 für Mülheimer Kinder und Familien ehrenamtlich aktiv: Wiebke Michaelis-Braun (Foto: Rainer Deimel)

Auf die Idee, eine Spielplatzpatenschaft zu übernehmen, sind Paten beispielsweise deshalb gekommen, weil die eigenen Kinder regelmäßig auf dem Spielplatz waren. Zum Teil war die Neugestaltung von Spielplätzen auch der Auftakt für die Amtsübernahme. Darüber hinaus sind an Anlässen zu nennen: „Werbung“ – etwa über die Zeitung, Feste auf Spielplätzen, direkte Ansprache und anderes mehr. Nicht selten sei man „automatisch da reingerutscht“. (1)


Seit 2007 dabei: Petra Pralle (Foto: Rainer Deimel)

Der Stadt läge einiges daran, Spielplätze gut betreut zu wissen („zu haben“). Dies führe auf jeden Fall zu einer größeren Belebung der Plätze. Die Patenschaften seien in keiner Weise als Sparmaßnahme zu betrachten. Die Verantwortlichen bei der Stadt wüssten, dass es gut sei, wenn sich jemand um öffentliche Flächen kümmere. Die Vorsorge, die damit einhergeht, sei natürlich ein erfreulicher Nebeneffekt. Frühzeitige Meldungen über Vorkommnisse oder Reparaturbedarf helfen wohl mit, Geld zu sparen. Dies stoße bei den Bürger(innen) durchaus auf Zustimmung. Gelobt wird auch ausdrücklich die Kooperation mit dem Grünflächenmanagement. Nachhaltig positiv erinnern sich die Paten an ein Beispiel aus dem Alltag: Nachdem Kinder ein Klettergerüst kaputtgemacht hatten, wurden sie bei der anschließenden Instandsetzung beteiligt. Eine solche Praxis führe dazu, das Verantwortungsgefühl für öffentliche Räume und deren Instandhaltung zu stärken. Insgesamt verfolge die Stadt lobenswerte Ziele beim Einsatz der Paten. Diese wertschätzende Haltung seitens der Stadt und das verantwortungsvolle Engagement der Paten seien geeignet, das Projekt und seine Effizienz insgesamt als absolut erfolgreich zu werten.


Die Zeit von 1993 bis heute scheint wie im Fluge vergangen zu sein! Vor zwei Jahren den Platz gewechselt und Spaß macht das Ehrenamt immer noch: Petra Schmidt (Foto: Rainer Deimel)

Nach einem „persönlichen Nutzen“ befragt, den man möglicherweise über eine Patenschaft erfahre, gaben die Gesprächsteilnehmerinnen an, einen solchen erfahre man in der Tat, sei es über eine „Kleinigkeit“, wie auf der Straße gegrüßt zu werden, dass sich der Kontakt zu den Nachbarn verbessere und man Menschen kennenlerne, die man vorher „noch nie gesehen“ habe – erfreulich vor allem, dass man „ganz andere Seiten“ an den Leuten entdecke. Man erlebe unter dem Strich eine Menge Freude und Befriedigung darüber, dass der Platz, ergo das persönliche Umfeld, in Ordnung sei; das sei umso nützlicher, wenn man eigene Kinder habe. Als (kommunal)politisch interessierter Mensch erfahre man zudem nachhaltiger „gute Informationen über Sachen, die bei der Stadt laufen“. In diesem Zusammenhang wurde der bereits genannte Aspekt, man könne seine pädagogischen Kompetenzen“ deutlich verbessern, erneut genannt.

Was müsste passieren, um die Paten zur Aufgabe zu veranlassen? Wann hätten sie keine Lust mehr, das Amt weiterzuführen? Unisono antworten die Patinnen, dies sei denkbar, wenn „Elfie aufhöre“ und die Nachfolge „nicht so gut“ sei. Das Verhältnis zwischen den Paten und Elfriede Majer sei von einem hohen Vertrauen geprägt; dies sei maßgeblich für das Engagement und müsse unbedingt erhalten bleiben. Losgelöst von diesem konkreten Hintergrund sei noch denkbar, das Ehrenamt dann nicht auszuführen, „wenn das Verhältnis nicht mehr stimme“, man nicht mehr ernstgenommen werde oder auch, wenn nicht mehr „genügend Kinder da sind.“


Auf zu neuen Ufern: Nicole Kocks, während des Gesprächs noch Aspirantin für ein Patenamt (Foto: Rainer Deimel)

Beteiligt an dem Gespräch waren die Patinnen Wibke Michaelis-Braun, Petra Schmidt (beide Spielplatz Blumendeller Straße, Heißen) und Petra Pralle (Spielplätze Mausegattstraße und Kreftenscheerstraße, Heißen). Gesprächspartnerin war ebenfalls Nicole Kocks, die sich als „Aspirantin“ angeschickt hat, eine Patenschaft für den Spielplatz Striepensweg (Dümpten) zu übernehmen.

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Fußnote

(1) Bis auf die am Gespräch beteiligte Patenschafts-Aspirantin sind alle Gesprächspartnerinnen seit langem „dabei“: Eine Patin engagiert sich mittlerweile seit 17 Jahren, weitere seit 16 bzw. 3 Jahren: In einem Fall gab es vor etwa zwei Jahren einen Platzwechsel. Die Dauer des jeweiligen Engagements bestätigt einmal mehr den qualitativen Wert des Ehrenamts in Mülheim.

Dokumentation des Gesprächs als druckfähige PDF herunterladen



Interview und Zusammenfassung: Rainer Deimel – 26. Januar 2010

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 29. Juni 2010 (de)

 

 

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