ABA Fachverband
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

Der Verband für
handlungsorientierte Pädagogik 

 
 
 
 
     
       

Landeskonferenz für Spielplatzpaten NRW 2009

Die Landeskonferenz für Spielplatzpaten fand am 14. November 2009 in Krefeld statt.

Tagesordnung:

1. Begrüßung und Eröffnung der Veranstaltung (Rainer Deimel, ABA Fachverband)
2. Begrüßung durch die Stadt Krefeld (stellvertretende Jugendamtsleiterin, Gudrun Stangenberg)
3. Grußworte und Kurzvortrag von Prof. Klaus Schäfer, Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (Leiter der Abteilung Jugend und Kinder)
4. Fachvortrag „Spielplatz im Wandel der Ansprüche“ von Jeanette Fich Jespersen  und Uwe Lersch (mit anschließender Diskussion)
5. Vorstellung des Projekts „Spielplatztreff“ (Bettina Schilling)

Abschluss: Kresch-Improvisationstheater „Müllerschön“


1:
Begrüßung und Eröffnung der Veranstaltung (Rainer Deimel, ABA Fachverband)

Rainer Deimel (ABA Fachverband) begrüßte die Teilnehmer der Veranstaltung.

Die Landeskonferenzen für Spielplatzpaten NRW sind seit nunmehr 10 Jahren ein fester Bestandteil in NRW. In diesem Jahr war die Veranstaltung eingebettet in die „Tage der Spielplatzpaten NRW 2009“. Durch Fördermittel des Landes konnten an 10 Orten Patenschaftsfeste stattfinden. Möglich wurde dies durch den „Pakt mit der Jugend NRW“, der Bestandteil des Kinder- und Jugendförderplans NRW ist.   

Im Rahmen dieser Veranstaltungstage für Spielplatzpaten fanden z.B. „Dankeschön-Feste“ und auch Feste zur Einsetzung neuer Spielplatzpaten statt.

Diese Veranstaltungen waren eine hervorragende Gelegenheit, in Gesprächen mit den Spielplatzpaten die Einschätzung der Ehrenamtlichen zu ihrer Arbeit zu erfahren.

Ferner ist anzumerken, dass in der Vergangenheit oft die Meinung geäußert wurde, dass ehrenamtliche Arbeit dazu dienen könnte, Sparmaßnahmen einzuleiten. Dieses hat sich jedoch nicht bestätigt, im Gegenteil. Letztlich erfordert auch Ehrenamtlichkeit eine Investition. Nur, wenn vorher auch in Hauptamtlichkeit investiert wird – und zwar sowohl in Personal- als auch in Sachkosten –, kann vernünftige ehrenamtliche Arbeit geleistet werden. Ehrenamtliche brauchen Unterstützung und feste Ansprechpartner. Auch dieses wurde in den Gesprächen während der diversen Verantaltungen deutlich.

Rainer Deimel ging auch kurz auf den weiteren Ablauf der Veranstaltung ein und bedankte sich bei der Vertreterin der Stadt Krefeld, Gabriele Stangenberg, und Herrn Prof. Klaus Schäfer, NRW-Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration, dass sie durch ihre Teilnahme mit dazu beitragen, die Arbeit der ehrenamtlichen Spielplatzpaten zu würdigen.

Außerdem galt der Dank von Rainer Deimel Angela Schäfer vom Jugendamt der Stadt für die gute Organisation. Er hob hervor, dass Krefeld eine von den beiden Kommunen ist, in denen die Spielplatzpatenschaften am besten liefe.

2:
Begrüßung durch die Stadt Krefeld (stellvertretende Jugendamtsleiterin Frau Gudrun Stangenberg)

Frau Stangenberg begrüßte die Teilnehmer herzlich und bedankte sich beim ABA Fachverband dafür, dass die diesjährige Veranstaltung in Krefeld stattfand.

Sie begann mit einem Zitat von Goethe:
„Es ist nicht genug zu wissen, man muss es auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss es auch tun.“ Oder anders ausgedrückt: „Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es.“ (Erich Kästner)

Nach diesem Motto verfahre die Stadt Krefeld.
178 Bürger sind in Krefeld als Spielplatzpaten aktiv. Sie betreuen 72 öffentliche Spielplätze. Insgesamt hat Krefeld 168 Spielplätze, so dass über 40 % der öffentlichen Spielplätze von Spielplatzpaten betreut werden.

Laut der Erhebung des ABA Fachverbandes ragt das Krefelder Patenprojekt heraus.

Diese hohe Dichte an Betreuung durch Spielplatzpaten in Krefeld war nicht immer so und ist auch nicht „vom Himmel gefallen“. Nach dem Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein“ wurden Haushaltsmittel für ein Werbe- und Aufbauprojekt zur Verfügung gestellt. Im Rahmen dieses Projektes wurden dann die Mittel z.B. verwendet für Plakataktionen im öffentlichen Raum, Präsenz in den Medien, Teilnahme an Bezirksvertretungssitzungen etc. Die Investition hat sich jedoch gelohnt. Krefeld nähert sich bei der Betreuung der Spielplätze durch Spielplatzpaten einem Anteil von 50%. Allerdings unterstrich auch Gudrun Stangenberg, dass es ohne hauptamtliche Betreuung nicht gehe. „Ehrenamtliche benötigen Unterstützung und Ermutigung“, betonte sie wörtlich.
Zum Abschluss ihrer Begrüßungsworte bedankte sie sich bei den ehrenamtlichen Spielplatzpaten für ihre Arbeit und beim ABA Fachverband für seine gute Unterstützung.

3:   
Grußworte und Kurzvortrag von Prof. Klaus Schäfer, Abteilungsleiter im Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (Abteilung Jugend und Kinder)

Die Gruß- und Dankesworte des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen an die ehrenamtlichen Spielplatzpaten wurden von Herrn Prof. Klaus Schäfer überbracht.

Zwei hauptsächliche Gründe führte er an, weshalb er gern nach Krefeld gekommen sei. Das war zum einen, dass Krefeld in Sachen Kinder und Jugendpolitik eine Vorzeigestadt sei und zum anderen, dass ehrenamtliche Tätigkeit auch von Seiten des Landes nur unterstützt und begrüßt werden könne.

Die ehrenamtlichen Spielplatzpaten sind eine „sparsame Variante“ der Kinder- und Jugendarbeit. Die Arbeit, die von den Spielplatzpaten geleistet werde, könne selbst mit etlichen zusätzlichen Geldmitteln nicht geleistet werden.
Das Ehrenamt wird mit mehr Herz und Engagement wahrgenommen. Gerade eine Gesellschaft, die Schwierigkeiten im Zusammenhalt hat, brauche „Kümmerer“. Spielplatzpaten seien Kümmerer. In den Kommunen entstehe oft ein „Spannungsfeld zwischen Kämmerer und Kümmerer“. Kümmerer brauchten Unterstützung. Ein guter Kämmerer wisse das und handele danach.


4:
Fachvortrag Spielplatz im Wandel der Ansprüche

Referenten: Jeanette Fich Jespersen, Leiterin und Internationale Managerin des KOMPAN Play Institutes aus Ringe/Dänemark, und Uwe Lersch, Regionalleiter NRW der Firma KOMPAN, Iserlohn

Ein Höhepunkt des Tages war der Fachvortrag von Jeanette Fich Jespersen vom KOMPAN Play Institute aus Dänemark. Ergänzt wurden ihre Ausführungen vom Spielflächenplaner Uwe Lersch, Regionalleiter für Nordrhein-Westfalen der Firma KOMPAN.

Frau Jespersen hat dem ABA Fachverband freundlicherweise die Folien ihres Vortrages zur Nutzung überlassen. Diese Folien sind im Internet auf den Spielplatz(paten)seiten zu finden.
 
Das KOMPAN Play Institute ist ein internationales Netzwerk von Professionellen.
Es handelt sich um ein dänisches Institut, das von Jeanette Fich Jespersen geleitet wird. Die Firma KOMPAN (Spielplatz- und Sportspiellösungen) – ebenfalls in Dänemark beheimatet - unterhält dieses Institut. In diesem Institut  werden Entwicklungen beobachtet und recherchiert, Studien initiiert oder auch Wissen in Form von Kampagnen, Publikationen, Seminaren, Konferenzen und Kursen kommuniziert. Zusammenarbeit wird hier sehr wichtig genommen. Projekte werden vorgeschlagen und dann werden die entsprechenden Forschungsbereiche angesprochen. Das ermöglicht ein Teilen der Erfahrungen.

Aktuell richtet das KOMPAN Play Institute sein Hauptaugenmerk auf eine Kampagne für Teenager. Dabei spielen die gesellschaftlichen Entwicklungen, z.B. die zunehmenden Defizite bei freiem Spiel und Bewegung und unzureichende Möglichkeiten für Jugendliche, eine große Rolle. Untersucht  werden Bereiche wie Gesundheit, Spiel und Spielräume.
Wichtig ist dabei, Erkenntnisse für die zukünftige Spielplatzplanung zu gewinnen.

Dabei geht das KOMPAN Play Institute von fünf Entwicklungsebenen als Ziel dieser Spielplatzplanung aus und zwar sind dies:

● die psychische Entwicklungsebene
● die kreative Entwicklungsebene
● die soziale Entwicklungsebene
● die geistig/kognitive Entwicklungsebene und
● die emotionale Entwicklungsebene

Eine Studie über den Lebensstil von Kindern und Jugendlichen  in der EU und die Rolle von Sport in der Erziehung und als Mittel zur Wiedererlangung eines gesunden Ausgleichs (Brettschneider und Naul, 2004) kommt zu dem Ergebnis, dass etwa ein Drittel der Kinder nicht die Mindest-Aktivitätsanforderungen erfüllen. Ein Viertel der Kinder sind übergewichtig oder sogar fettleibig.  Im Vergleich mit den 70iger Jahren gibt es bei den heute lebenden Kindern eine Abnahme der motorischen Fähigkeiten (Geschwindigkeit, Ausdauer, Stärke) um etwa 10 Prozent. Die Kinder bewegen sich zu wenig. Leider sind hier auch die Erwachsenen nicht gerade ein gutes Vorbild.

Der „Surgeon Generals Report“ (Physische Aktivität und Gesundheit) empfiehlt, dass alle Menschen pro Tag mindestens 150 Kalorien durch körperliche Aktivität verbrennen sollen, um Stoffwechselvorgänge zu erhalten und ein ausgewogenes Verhältnis von Körperfett und Muskulatur zu erreichen und zu erhalten. Bei Kindern im Schulalter ist diese Kalorienverbrennung schon nach 45 Minuten erreicht, wenn sie diese Zeit aktiv mit Spielen verbringen. Wenn Kinder also auch nur eine halbe Stunde täglich mit freiem Spiel verbringen würden, und wenn wir dann die anderen Freizeitaktivitäten und Sportstunden dazu addieren würden, würde dies schon ausreichen, um die körperliche Entwicklung der Kinder zu fördern.  

Spielen dient der Vorbereitung auf das Leben und hat deshalb einen hohen Stellenwert, ist eine Kernaussage des Instituts.

Es ist eine Tatsache, dass die Zunahme der Menschenräume damit verbunden ist, dass gleichseitig die Freiräume für Kinder und Jugendliche zurückgehen. Etwas überspitzt formuliert könnte man dieses als Freiheitsentzug ohne Urteil für Kinder und Jugendliche bezeichnen.

Das KOMPAN Play Institute vertritt die Meinung, dass Spielplätze nur die drittbeste Lösung sind. Im Vordergrund muss die Rückeroberung des öffentlichen Raumes stehen. In Griesheim ist das gelungen. Griesheim ist die erste „bespielbare Stadt“ Deutschlands. Das KOMPAN Play Institute bündelt derartige Kompetenzen mit dem Ziel, die notwendigen Kurskorrekturen fachlich präzise zu definieren und damit die Handlungsgrundlage für die „öffentliche Hand“ zu schaffen.     

Ziel bei allen Planungen sollte es sein, die Welt des Spiels aus der Sicht des Kindes zu betrachten. Die Erwachsenen müssen auch wieder bereit sein, Kinderlärm in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft zu akzeptieren.

„Jugend kann nicht wissen, wie Alter sich fühlt, aber wir machen uns schuldig, wenn wir vergessen, wie man sich als Kind oder als Jugendlicher fühlt.“ (aus Harry Potter, Joanne K. Rowling)

Ausführlichere Informationen zu diesem interessanten Vortrag sind in den als Anhang beigefügten Folien. Diese Folien sind in 3 Blöcke unterteilt, nämlich
1. Entwicklungswelten für Kinder: Spielraum für Spielräume
2. Nowhere to go: Jugendliche im Freien
3. Veränderte Kinder, veränderte Außenräume
Alle Beiträge sind im ABA-Netz herunterzuladen.


5: 
Vorstellung des Projekts „Spielplatztreff“ - Initiatorin: Bettina Schilling
 
Bei der Internetadresse spielplatztreff.de handelt es sich um eine Info- und Bewertungsplattform für Spielplätze in ganz Deutschland. Die Seite ist von Familie Schilling (Bettina und Markus Schilling und Sohn) ins Leben gerufen worden. Auslöser hierfür war die Suche nach einem geeigneten Spielplatz, die sich als nicht so einfach für die Familie herausstellte. Da Familie Schilling gleiche Schwierigkeiten auch bei anderen Familien vermutete, wurde als Service diese Internetplattform als Serviceleistung ins Netz gestellt.

Was soll diese Plattform erreichen?
• Spielplatzinfos anbieten;
• Hintergrundwissen vermitteln;
• alle Spielplatz-Interessierten miteinander vernetzen

Gründe, den Spielplatztreff zu nutzen, könnten z.B.
• Abwechslung erwünscht.
• Besuch von Kindern.
• Neu in der Stadt oder im Stadtviertel.
• Zum ersten Mal Eltern.
• Sich ändernde Bedürfnisse (Kinder werden älter).
• Unterwegs (mobil erst ab 2011).
• Wunsch nach Vernetzung und Austausch.

So funktioniert die Plattform Spielplatztreff:
• Die Nutzer registrieren sich.
• Sie bewerten Spielplätze (subjektiv, es gibt keine objektiven • Bewertungskriterien).
• Der betreffende Spielplatz wird eingetragen.
• Eventuell werden Fotos eingestellt.
• Die Nutzer können sich austauschen.
• Andere Nutzer können die Angaben ergänzen.

Es werden für die Registrierung nur so viele Daten wie unbedingt nötig erhoben. Die Einträge und die Bilder werden überprüft.

Die Spielplätze werden mit Straße, Ort, Kategorie (für Kinder bis zu welchem Alter) und Ausstattung eingetragen. Andere Nutzer können die Eintragungen nicht ändern, sondern nur ergänzen.

Schwalmbach am Taunus ist bisher der einzige Ort, der alle Spielplätze eingetragen hat.

Der Fachtag der hauptamtlichen Spielplatzpatenbetreuer am 9.3.2010 in Hilden beschäftigt sich mit diesem Thema.


Die Veranstaltung endete mit dem Kresch-Improvisationstheater „Müllerschön“. Die Teilnehmer spendeten sowohl dem Improvisationstheater als auch der übrigen Veranstaltung lebhaften Beifall.

 

Dokumention der Veranstaltung: Karin Gettner, Dortmund


Dortmund, 24. November 2009


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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 14. Januar 2010

 

 

 

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