ABA Fachverband
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

Der Verband für
handlungsorientierte Pädagogik 

 
 
 
 
     
       

Wie trotzige Kinder - ABA und E-Mails

Ein Beitrag von Rainer Deimel

Wie die Reaktionen trotziger Kinder muten bisweilen die Eingaben an, die uns per E-Mail erreichen. Ob uns überhaupt noch E-Mails erreichen, bleibt unhinterfragt stehen. Dies betrifft alle möglichen Inhalte. Beispiel: „Ich hatte doch geschrieben, dass ich bis Donnerstag eine Antwort haben wollte!“ Oder: „Das musst Du doch wissen – das hatte ich doch per E-Mail mitgeteilt!“ Zuweilen sind es auch auf dem Absprung befindliche Mitglieder, die elektronische Trotzbriefe schreiben. Vermeintlich verstärkend schieben manche noch in vorwurfsvoller Manier nach, sie wollten allerdings noch eine schriftliche (sic!) Bestätigung. Und in der Tat schaffen es einige Wenige, die „schriftliche“ Bestätigung – natürlich per E-Mail – nach kurzer Zeit noch mal „anzumahnen“. Manchmal gewinnt eben auch im postmodernen Virtualcharakter das Preußisch-Bürokratische die Oberhand. Erfreulicherweise geschieht dies bislang nur sehr selten, fällt aber auf.

Lasst uns allerdings damit anfangen! In Paragraph 5 (Absatz 1) der Satzung des ABA Fachverbandes heißt es: „Die Mitgliedschaft erlischt durch schriftlich erklärten Austritt an den Vorstand …“. Wir wollen nicht darüber streiten, was in einem solchen Fall schriftlich ist. Rein formal dürfte es ein Blatt Papier sein, auf dem jemand, der einen Austritt aus dem Verband beabsichtigt, jene Absicht vermerkt. Das mit dieser Erklärung versehene Blatt Papier würde man zweckmäßigerweise in einen Umschlag stecken, diesen mit einer Briefmarke im Wert von 55 Cent frankieren und in den nächsten Briefkasten werfen. Erfreulicherweise hat die Deutsche Post zwar viele, aber noch nicht alle Briefkästen abmontiert. Wenn der Brief dann im ABA-Büro eingegangen ist, wird der Austritt – satzungsgemäß – für das jeweilige Jahresende vorgemerkt. Die Mitgliedschaft endet dann mit Ablauf des Silvesterabends eines laufenden Jahres. Wollte man darüber streiten, ob eine E-Mail den gleichen Zweck erfüllt, wäre allerdings – und hier müssen wir uns erneut auf die Satzung berufen – eine gravierende formale Voraussetzung nicht erfüllt: Die E-Mail ist nicht an den Vorstand gerichtet. Jedenfalls konnte bislang noch kein Eingang einer derartigen Kündigung im Postfach des Vorstandes vermerkt werden. Streng betrachtet käme also ein Austritt, der an die allgemein bekannten E-Mail-Adressen des Verbandes gerichtet ist, juristisch gar nicht zustande.

Wer Erfahrungen mit dem ABA Fachverband gemacht hat, wird allerdings wissen, dass Bürokratisches bei uns eine eher untergeordnete Rolle spielt. Folglich: Sollten wir „per Zufall“ entdecken, dass jemand seine Mitgliedschaft per E-Mail kündigen will, behandeln wir dies so, als sei ein Brief geschrieben worden. Allerdings: Eventuell gewünschte Kündigungsbestätigungen können wir nicht verschicken. Und dies ist keine böse Absicht, sondern hängt schlicht mit unseren völlig unzureichenden Kapazitäten zusammen.

Und damit kämen wir zum Hauptanlass dieser Ausführungen. Der ABA Fachverband hat – bei einer (sic: 1!) vom Land Nordrhein-Westfalen geförderten „festen“ Stelle, die nahezu alles zu bearbeiten hat – mittlerweile einen E-Mail-Durchlauf von ca. 100 täglich. Dieser Wust könnte wohl kaum von einer Person bearbeitet werden, die eigens nur dafür eingestellt werden würde. Wir sind bemüht, die Qualität unserer Arbeit und den Service für unsere Mitglieder und andere, die ein Anliegen an uns richten wollen, auf einem möglichst hohen Niveau aufrechtzuerhalten – was uns in der Regel auch gelingt, glaubt man den zahlreichen erfreulichen Rückmeldungen.

Die Funktion, die der E-Mail-Verkehr ursprünglich einmal erfüllen sollte – nämlich auf kurzem Weg zeitsparend zu korrespondieren –, kann unserseits allerdings in keiner Weise mehr gewährleistet werden. Ganz zu schweigen von den netten Knigge-Hinweisen, die vor einigen Jahren noch kursierten, es sei unhöflich, eine E-Mail nicht binnen eines Tages zu beantworten. Aber auch der Knigge hat von solchen Verlautbarungen inzwischen Abstand genommen. In den Anfangsjahren empfanden auch wir die Erfindung der E-Mail durchaus als Erleichterung. Inzwischen allerdings bekommt das Medium E-Mail – zumindest aus unserer Sicht – immer mehr den Status, den Hans Magnus Enzensberger dem Fernsehen zuschrieb: Für ihn ist das Fernsehen ein „Nullmedium“ (1); es sei zu einem Medium der Gegenstandslosigkeit geworden und zu einem solchen der Belanglosigkeit und Beliebigkeit sowie einem Trancemittel verkommen. Die Kritik am Fernsehen als Nullmedium frischt Thomas Wieczorek (2) in diesem Jahr auf geniale und äußerst unterhaltsame Weise aktuell auf. (3)

Einig waren und sind wir uns mit Rainer Bode von der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokulturelle Zentren NRW. Unermüdlich und erstaunlich beharrlich weist er regelmäßig („Immer, immer wieder …“) auf seine „verzweifelte Suche“ hin, diejenigen „zu finden, die immer noch kein Virusschutzprogramm haben“ sowie solche Leute, die unverschlüsselt zig Adressen anderer durch die „Weltgeschichte“ schicken. Des Weiteren ist bei ihm regelmäßig zu lesen, dass es eine Hilfe ist, solche Textteile in Antwortschreiben zu löschen, die zum Verständnis des Vorgangs nicht mehr nötig sind. Derartige Unzulänglichkeiten waren uns in der Vergangenheit bisweilen auch den einen oder anderen Hinweis wert, zumal wir eine gewisse Abwehr gegenüber Lästigkeiten infolge völlig unnützen Arbeitsaufwandes entwickelt haben.

An dieser Stelle sei darum gebeten, bei einer E-Mail grundsätzlich so zu verfahren, als schriebe man einen „altertümlichen“ Brief. (4) Dies ist nicht nur eine Frage des guten Stils, sondern empfiehlt sich auch deshalb, weil E-Mails an den ABA Fachverband bereits vor ihrem Eintreffen automatisch geprüft und ggf. aussortiert werden. Dennoch erreicht uns – wie beschrieben – ein derartiger Wust von E-Mails, dass wir darin zu ersaufen drohen. Aussortiert werden zuvor seit geraumer Zeit sämtliche Spams (5), mit denen sich viele Leute tagtäglich herumärgern; dies so erfolgreich, dass wir zum Glück völlig den Überblick verloren haben, was einem kommerziell so alles angedreht werden soll. Dunkel erinnern wir uns noch daran, dass wir früher häufig für Viagra umworben wurden. Aussortiert werden allerdings auch die Schreiben solcher Absender, die im Netz als Viel-Versender auffallen. Wenn wir diese trotzdem erhalten wollen, haben wir die Möglichkeit, sie manuell „freizuschalten“. Mittlerweile fallen auch solche Mitteilungen durch den Rost, in denen die Betreffzeile nicht ausgefüllt wurde. Uns geht es in diesem Zusammenhang genauso, wie Rainer Bode das für die LAG Soziokultur beschreibt: Es kann schon mal passieren, dass wichtige E-Mails im Spamfilter untergehen. Und weiter: „Dann bitte noch mal melden. Ihr merkt ja, ob es eine Reaktion gibt oder nicht.“ Wir müssen dummerweise gestehen, dass uns bezüglich jener Merkfähigkeit bei manchen Leuten inzwischen Zweifel gekommen sind.

Der ABA Fachverband ist bemüht, Empfänger in Verteilern nicht permanent zuzuschütten. Viele Reaktionen bestätigen, dass uns dies etwa mit dem komprimierten Versand unseres i-Punkts einmal monatlich gelingt. Nur in seltenen Fällen kommt ein zusätzlicher Versand hinzu. Spezifische Angelegenheiten werden unsererseits exklusiv über spezielle Verteiler bedient. Wie erhoffen uns davon, in ausreichendem Maße wahrgenommen zu werden. Als besonderen Service gibt es überdies im i-Punkt ein recht detailliertes Inhaltsverzeichnis, um den Empfängern möglichst „auf einen Blick“ zu ermöglichen, festzustellen, ob etwas für sie Wichtiges dabei ist oder nicht.

In diesem Zusammenhang ein paar Anmerkungen an die Viel-Versender: Was da tagtäglich bei uns „durchläuft“, ist schon allein nach „menschlichem Ermessen“ kaum zu bewältigen, geschweige denn für einen völlig unzureichend ausgestatteten Verband, der obendrein noch hohe Ansprüche an die Qualität der Arbeit insgesamt als auch an die redaktionellen Ergebnisse stellt. So stellt sich dann gerade bei denjenigen, von denen bisweilen täglich mehrere E-Mail einlaufen, zunächst ein gewisser Ermüdungseffekt ein: „Das schauen wir später nach!“ Diese zunächst noch gutwillige Absicht wird allerdings vereitelt, da im gefühlten Minuten-Takt im Hintergrund der Klingelton das Eintreffen neuer Eingänge ankündigt. Irgendwann ist bei den Betreffenden ein Zustand erreicht, dass man regelmäßig über jene regelmäßigen Absender hinweggeht, die etwa „alles durchreichen“. Oder allenfalls wird vom überforderten Empfänger an verregneten Sonntagnachmittagen „stichprobenartig“ versucht, den einen oder anderen genießbaren Fisch aus dem trüben Gewässer des Ungelesenen an die Angel zu bekommen.

Spätestens an dieser Stelle wird hoffentlich deutlich, warum wir der Auffassung sind, dass das elektronische Versenden sich immer mehr zum Nullmedium entwickelt. Ganz abgesehen davon, dass die Inhalte in E-Mails inzwischen nicht selten problemlos mit dem Blödsinn des Fernsehens konkurrieren können, bleibt uns streckenweise nicht anderes übrig, als zu kapitulieren. Schade ist es natürlich um die oft auch für unsere Belange wichtigen Inhalte, die dabei zunehmend unter die Räder geraten.

Ohne wohlüberlegte und verantwortliche Nachbesserungen bei den Versendern lässt sich der Weg zum echten Nullmedium wohl kaum noch aufhalten. Wir haben uns inzwischen eine weitere „geheime“ Adresse zugelegt, die augenblicklich aber noch kaum jemand kennt. Gäben wir diese den Viel-Versendern weiter, würde sich das Problem lediglich auf ein anderes Postfach – bei uns! – verlagern, nicht aber gelöst.

Dies sollte eine Aufgabe für die Versender selbst sein, etwa, indem sie die Absenderangabe und die Formulierung in der Betreffzeile so gestalten, dass Empfänger auf Anhieb erkennen: Was Du hier erhältst, ist wichtig, vielleicht sogar elementar! Die automatische Markierung als „wichtig“ im Betreff reicht da lange nicht mehr aus, weil viele Absender ohnehin der Auffassung zu sein scheinen, dass sie selbst das Allerwichtigste auf der Welt verschickten. Deshalb wird gern alles Mögliche mit „hoher Priorität“ verschickt; beliebt auch die Version, sich mit Blockbuchstaben aufzuplustern. (6) Der Versuch, bevorzugt E-Mails mit dem Hinweis „Priorität niedrig“ oder „Priorität sehr niedrig“ zu empfangen, scheiterte schon allein deswegen, weil eine derartige Bescheidenheit in unseren Überlegungen gar nicht mehr vorhanden zu sein scheint und solche Markierungen zwar praktisch möglich sind, aber niemand auf die Idee kommt, sie zu verwenden, um etwa auf angelegentliche Bedürfnisse hinzuweisen.

Versichern können wir, dass wir auf E-Mails nicht aus Bösartigkeit oder Nachlässigkeit reagieren oder diese ungelesen „wegklicken“. Wir schaffen es nicht mehr! Ein Angebot an diejenigen, denen es ernst ist: Rufen Sie an! Gern nehmen wir uns am Telefon die Zeit, die erforderlich ist, um zufrieden sein zu können. Das gilt vor allem auch für Leute, die Fragen haben. Kennen Sie das? Sie erhalten eine E-Mail mit einer Frage, beantworten sie; der Fragende hat noch eine Rückfrage, setzt sich hin und schreibt eine weitere E-Mail … Dieses „Spiel“ kann dann beliebig fortgesetzt werden. Und stellen Sie sich vor, es gibt Leute, die sich unglaubliche Mühe geben, in langen, scheinbar wohlüberlegten und gewiss langformulierten Texten gleich zig Fragen zu stellen. Wenn solche Schreiben noch zu uns durchdringen, weisen wir darauf hin, dass wir besser telefonieren sollten. Dialog nannte man früher so etwas. Und immer wieder kommt es vor, dass auf das Angebot hin keine Reaktion erfolgt – wird wohl nicht so wichtig gewesen sein!

Und für E-Mails, deren Strom wir vermutlich so schnell nicht werden stoppen können, gilt: Betreffzeile nicht oder nicht plausibel ausgefüllt: Ab in den Spamordner bzw. in den „Papierkorb“ weggeklickt! Absender nicht deutlich unter dem Text angegeben: Unseriös! Weggeklickt! Telefonnummer im besagten Absender nicht angegeben: Wer sollte denn hier sein, die Telefonnummer für einen Rückruf herauszusuchen oder – schlimmer noch – herauszufinden? Da ist keiner, der die Zeit hätte! Rückruf fällt aus!

Für uns selbst gilt: Wenn es uns wichtig ist und wenn wir wirklich ein Anliegen haben, dann rufen wir in der Regel an. Dialoge haben doch etwas! Oder? Und der damit verbundene Zeitaufwand sowie der anschließend emotional und oft auch fachlich zufriedenstellende Gewinn sind deutlich effektiver als das immer sinnlosere Nullmedium-Gebrezel über das E-Mail-Programm. (7)

Unsere Telefonnummern sind in der Regel hinreichend bekannt. Für alle Fälle gibt es sie hier erneut: 0231/9852053 (ABA-Büro Dortmund), 02363/569680 (Büro Rainer Deimel, Datteln) oder 0179.2110473. Da wir häufig und vielerorts unterwegs sind, kann es natürlich passieren, dass man auch das des Öfteren versuchen muss. Uns ist jedenfalls daran gelegen, dass Sie zufrieden sind.

Und wenn Sie unsere Arbeit unterstützen wollen, können Sie, sofern das noch nicht der Fall ist, Mitglied beim ABA Fachverband werden und/oder dem Land Nordrhein-Westfalen mitteilen, wie wichtig Sie unsere Arbeit finden und dass wir absolut unzureichend gefördert werden.



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Fußnoten

(1) Hans Magnus Enzensberger: Das Nullmedium oder Warum alle Klagen über das Fernsehen gegenstandslos sind. In: Baukasten zu einer Theorie der Medien. Kritische Diskussion zur Pressefreiheit. Verlag Reinhard Fischer, München 1997
(2) Thomas Wieczorek: Die verblödete Republik. Wie uns Medien, Wirtschaft und Politik für dumm verkaufen. Knaur Taschenbuch Verlag, München 2009
(3) Einen Hinweis auf das Buch gibt es in der Rubrik Der Medienhinweis im i-Punkt 11/2009.
(4) Die Netiquette hierzu: Konservativ schreiben, liberal lesen! Mehr dazu
(5) vgl. hierzu: Wikipedia
(5) Zum Thema „Blockbuchstaben“ darf man gern noch mal in der „Netiquette“ nachsehen.
(7) Eine Prognose, wann uns die Ohren wegen einer künftig womöglich nicht mehr zu bewältigenden Telefoniererei abfallen, wollen wir uns hier einstweilen sparen. Jedenfalls würden wir uns dann wieder melden.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 1. November 2009

 

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