ABA Fachverband
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

Der Verband für
handlungsorientierte Pädagogik 

 
 
 
 
     
       

Interview mit Spielplatzpatinnen in Bochum

Aufmerksam auf die Möglichkeit zur Übernahme eines Amts als Spielplatzpaten wurde manche Engagierte durch eine öffentlich Plakatierung, mit deren Hilfe Ehrenamtliche gesucht wurden. Andere waren bereits zuvor aktiv und fühlten sich auch ohne ein offizielles Mandat für ihr Gemeinwesen verantwortlich. Allerdings habe die „amtliche“ Übernahme der Patenschaft deutlich für eine Erhöhung der Wertigkeit des Engagements geführt. Einig waren sich alle Paten, dass der Einsatz sich vom häufig vorfindbaren Verhalten unterscheide, da vielen Menschen egal ist, wie es in der Umgebung aussieht, beispielsweise, ob Müll herumliegt.


In Bochum-Weitmar auf dem Spielplatz Saure Wiesen aktiv: Claudia Jankowski (Foto: Rainer Deimel)

Die offizielle Patenschaft hat in allen Fällen dazu geführt, dass die Paten in den Behörden bekannt und als Ansprechpartner akzeptiert sind. In dieser Rolle fühlen sich alle ernst genommen. Die Abläufe des „Alltagsgeschäfts“ seien in der Regel nicht zu beanstanden. Dies gilt – auch hier waren sich alle einig – insbesondere, seit das Jugendamt und stellvertretend für die Behörde die Falken die Organisation des Bochumer Patenprojekts übernommen habe. Diesen Schritt empfanden alle Paten als eindeutige Aufwertung ihres Engagements. Zuvor habe man bisweilen den Eindruck gewonnen, dass man etwa seitens des Grünflächenamtes eher als Störfaktor wahrgenommen worden sei. Inzwischen allerdings sei das Verhältnis zwischen den Paten und dem Umwelt- und Grünflächenamt auch besser (nach dem Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein“); dies gelte umso mehr, seit die Spielplätze aus der Behörde in einen Eigenbetrieb ausgegliedert worden sei. Auch der dortige Einsatz von Frau Küpper als Spielplatzmeisterin sei ein Fortschritt. Insgesamt – und dies bezieht sich vor allem auf das Engagement des Hauptamtlichen, Sven Klenke – klappe die Kommunikation und die Organisation „wunderbar“.


Aktive Spielplatzpatin in Bochum-Weitmar, Spielplatz Saure Wiesen: Andrea Scherf (Foto: Rainer Deimel)

Insgesamt wirkt sich das Engagement der Paten auf die gesamte Atmosphäre auf den Spielplätzen aus: Es sei sauberer und einladender geworden, die Besucher(innen) fühlten sich wohler; dies gelte vor allem für die jüngeren Kinder und die Erwachsenen, die sich auf den Spielplätzen aufhalten. Kritisch angemerkt wurde allerdings, dass die Eltern, sofern sie als Spielplatzpaten aktiv sind, die eigenen ältern Kinder bisweilen „nerven“. Diese würden sich zeitweise lieber allein ohne die Aufsicht der Eltern betätigen.

Alle Paten waren sich darüber einig, dass hinter der Absicht der Kommune, Paten als Ehrenamtliche zu gewinnen, keine Einsparabsichten steckten. Derlei Befürchtungen müsse man aufgrund der inzwischen gemachten Erfahrungen nicht haben. Vielmehr könne beobachtet werden, dass sich das Engagement insgesamt positiv auf das Klima im Kiez auswirke. Die Arbeit, die damit verbunden sei, wird nicht als Belastung, sondern eher als eine konkrete Form der Partizipation erlebt. Die Tätigkeit stimuliert bisweilen auch andere, sich im Viertel zu aktivieren (Zitat: „Engagement der Bürger mitnehmen“). Eine „Blockwart“-Mentalität liegt den Paten fern, vielmehr sei der Hintergrund des Engagements ein „Verständnis für das Gemeinwesen“. In einem Einzelfall allerdings wurde der Wunsch geäußert, Paten sollten mehr Ordnungsbefugnisse haben; dies etwa dergestalt, dass sie Bußgelder verhängen könnten (Hundekot usw.). Deutlich wurde allerdings im Gespräch auch, dass derartige Befugnisse möglicherweise das normalerweise zufriedenstellende Amt konterkarieren könnte. Einen Spareffekt kann man allerdings kann man ausmachen: Durch die ehrenamtliche Übernahme von Verantwortung könne beizeiten darauf geachtet werden, dass im Falle eines Falles beispielsweise Spielgeräte rechtzeitig instand gesetzt werden könnten, Schlimmeres und damit Kostenträchtigeres verhindert werden kann („Sparen durch rechtzeitige Aufmerksamkeit“).


Als Patin in Wattenscheid, Spielplatz Auf dem Hagedorn, aktiv: Petra Pehlke (Foto: Rainer Deimel)

Alle befragten Paten sind sich darüber einig, dass sie persönlich aus dem Einsatz Nutzen ziehen. Als Nutzen wurde unter anderem genannt, dass sich die Kinder wohlfühlen und ihren „Spaß hätten“, man öffentliche Anerkennung bekäme und als kompetenter Ansprechpartner und Kommunikationsinstanz wahrgenommen würde. Die Paten selbst haben ebenfalls ihren Spaß bei ihrem Einsatz. Dies sei ein handfestes Indiz für die persönliche Befriedigung. Die Tätigkeit brächte es mit sich, dass man auch immer wieder „neue Ideen“ bekäme. Übersehen wurde auch nicht, dass man im Falle eines „Helfersyndroms“ ein willkommenes Ventil gefunden habe. Alle Gesprächspartnerinnen waren sich darüber einig, dass Feste, die auf den Spielplätzen organisiert würden, eine tolle Bestätigung und damit in gewisser Weise die Krönung des Einsatzes seien. Die vielen Menschen, die zu den Festen kämen, sowie die Resonanz im Stadtteil insgesamt seien eine eindrucksvolle Bestätigung, dass das Engagement sich lohne.

Als Arbeitshilfe für weitere Planungen sollte im Gespräch auch deutlich werden, was passieren müsste, damit die Paten ihr Engagement „an den Nagel hängen“. Lediglich eine Gesprächspartnerin gab an, sie könne sich hierzu nichts vorstellen. Alle anderen waren sich einig, dies könnte dann der Fall sein, wenn sie sich seitens der Kommune nicht ernst genommen fühlten, wenn auf ihre Anliegen keine Reaktion erfolge, leere Versprechungen gemacht würden, auf dem Spielplatz infolge mangelnden Interesses und Einsatzes durch die kommunal Verantwortlichen „Bruch und Dalles“ („Müllkippe“) entstünde – mit anderen Worten, wenn man erlebe, dass sich der Einsatz nicht lohnt. Dies könne zum Beispiel auch dann der Fall sein, wenn die Stadt sagen würde, es sei kein Geld mehr da. Ebenso sei vorstellbar, dass man keine Lust mehr auf ein Engagement habe, wenn das „allgemeine Interesse“ am Einsatz für das Gemeinwesen nicht mehr vorhanden sei. Auch spiele möglicherweise eine Rolle, wenn die eigenen Kinder größer geworden seien und der persönliche Bedarf an einem intakten Spielplatz nicht mehr in dem jetzigen Maße vorhanden sei. Insofern sei es wichtig, dass sich auch die Paten selbst beizeiten um potenziellen Nachwuchs kümmerten, etwa indem sie Besucher(innen) ansprächen und sich auf die Möglichkeit, einen Patenschaft zu übernehmen, ansprächen. Gleichzeitig sei die professionelle Koordinierungsstelle laufend gefordert, so dynamisch zu agieren, um immer wieder neue Menschen anzusprechen und zu interessieren.


Aktive Spielplatzpatin in Wattenscheid (Spielplatz Auf dem Hagedorn): Kerstin Rudolph (Foto: Rainer Deimel)

Insgesamt betrachten die Paten ihr Engagement als gern erbrachten Obolus für das Gemeinwesen, sie möchten allerdings keine Verantwortung für eine Müllkippe übernehmen.

Am Rande des Gesprächs wurde eine für die Politik äußerst wichtige Feststellung getroffen: Der Mangel an öffentlichen Räumen und Möglichkeiten für Jugendliche könne von den Paten überdeutlich konstatiert werden. Die Paten sehen es als zwingend an, hier unbedingt Abhilfe zu schaffen. Auch sei die Politik gut beraten, neben Gelegenheiten für Jugendliche in verstärktem Maße Abenteuerspielplätze einzurichten. Eine Patin berichtete von einem lange zurückliegenden Besuche auf dem Abenteuerspielplatz in Düsseldorf-Eller, der offensichtlich nachhaltige Wirkung erzeugt hat. Solche Plätze seien auch in Bochum zwingend erforderlich.

Beteiligt an dem Gespräch waren die Patinnen Petra Pehlke (Wattenscheid, Auf dem Hagedorn), Kerstin Rudolph (Wattenscheid, Auf dem Hagedorn), Claudia Jankowski (Weitmar, Saure Wiesen), Andrea Scherf (Weitmar, Saure Wiesen) und Rainer Deimel (ABA Fachverband).

Das Gespräch fand am 11. September 2009 in Bochum statt. Der ABA Fachverband dankt den Gesprächsteilnehmerinnen für ihr freundliches und engagiertes Mitmachen.

Im Rahmen des Pakts mit der Jugend fand das Gespräch während eines Spielplatzfestes innerhalb der Projektreihe "Tage der Spielplatzpaten NRW" statt. Gefördert wird die Maßnahme durch das Land Nordhrein-Westfalen. Stellvertretend bedankt sich der ABA Fachverband bei den zahlreichen ehrenamtlichen Spielplatzpaten in NRW.


Gesprächsnotiz als druckfähige PDF-Datei herunterladen


Interview und Zusammenfassung: Rainer Deimel – 12. September 2009

 

Anmerkung der Redaktion: Der im Text erwähnte Koordinator der Bochumer Spielplatzpaten, Sven Klenke, ist Ende 2009 berufsbedingt aus seinem Amt ausgeschieden. Der ABA Fachverband bedankt sich bei ihm für die langjährige konstruktive Zusammenarbeit. Die Nachfolge hat Frank Plewka angetreten. Herzlich willkommen im "Club"!

  

Diese Seite wurde am 12. September 2009 in das Netz gestellt.


Letzte Aktualisierung dieser Seite: 29. Juni 2010 (de)

 

 

 

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